Eines vorweg: fragt mich nicht, warum es unterschiedliche
Schriftarten und Schriftgrößen im Blog gibt. Ich habe nicht den leisesten
Schimmer. Der Computer, das Internetz oder die "unsichtbare Hand" im
Hintergrund werden's sicherlich irgendwie verstehen.
Die Wetterprognosen verschlechterten sich bei jedem Check.
Was also tun? Wir entschieden uns für Charlestown, den ältesten Stadtteil von
Boston. Ich war vor einem Jahr bereits dort, aber da Franziska mit einem Tag
Verspätung eingetroffen war, blieb für das Viertel damals keine Zeit. Also
kramten wir unsere Tickets hervor und erprobten das Bostoner Metronetz. Schwuppsdiwupps
und Holterdiepolter waren wir zwar immer noch oder, besser gesagt, schon wieder
auf der gleichen Seite des Charles River, diesmal aber nicht mehr in Cambridge,
sondern in Charlestown. Eine gute direkte (Bus)Verbindung zwischen den beiden
Stadtteilen gibt es nicht wirklich, man muss über (Süd)Boston metrieren (für
alle, die’s nicht gleich verstehn‘, mit der Metro fahren), um in den Norden der
Stadt zu kommen. Egal, wer will, kann sich ja einen Stadtplan oder Google Maps zu
Hilfe nehmen.
1629 siedelten hier die ersten Kolonisten und benannten ihr
Örtchen nach Charles I. von England, Schottland und Irland. 1848 wurde Charlestown
aber wirklich zur Stadt, um dreißig Jahre später von Boston geschluckt zu
werden. Erst 1775 machte das Städtchen allerdings wirklich von sich Reden. Dort
wurde nämlich die erste Schlacht zwischen „Amerikanern“ und Engländern ausgefochten,
als das Mutterland seiner Kolonie die Repräsentation im Londoner Parlament
verweigerte. Über die „Boston Tea Party“ habe ich im letzten Jahr schon
Berichtet. Siehe Eintrag hier (Charlestown) und hier (Teeparty).
Diesen ersten Kampf des später so genannten amerikanischen
Unabhängigkeitskrieges konnten schließlich die englischen Truppen für sich
entscheiden. Aber, so der freiwillige „Besucheraufklärer“, er hatte den „Amerikanern“
gezeigt, wozu sie fähig sind und das die Revolution gewonnen werden könne. Zwar
hätte George Washington immerzu taktische Fehler begangen, aber die Engländer
wollten eigentlich auch nicht so richtig gegen ihre „Brüder“ kämpfen, so dass im
entscheidenden Moment besagter Washington doch einen Coup landen konnte und sich
die USA von England endgültig lossagten. Das ist die Kurzversion seiner sehr
detaillierten Schlachtaufstellungsausführungen – nicht nur in Charlestown,
sondern auch in New York und überall, wo sich der Herr Washington so
herumgetrieben hatte, entweder als Jäger der Engländer oder als von ihnen
Gejagter. Wir hörten einfach zu und ließen den Regen draußen regnen.
| Bunker Hill Monument. |
Wir saßen nämlich im Bunker Hill Monument (rechts das "Häuschen" neben dem eigentlich Denkmal), das an besagtes
erstes Scharmützel erinnert und von dem man hoch oben – wo ich auch noch nicht
gewesen war – einen sehr schönen Ausblick über die Umgebung hat. Umso schöner,
je besser das Wetter, sollte ich hinzufügen :).
| Blick auf Boston (nach dem man 230 Stufen erklommen hat) |
Nach dem die Schlachten alle erzählerisch geschlagen waren (und der Regen
aufgehört hatte zu fallen), umrundeten wir den Obelisken und grüßten William
Prescott, dem Anführer der amerikanischen Farmer-, Kaufleute- und einfache
Leute-Rebellen, die den „Berg“ mannhaft verteidigt hatten. Nach einem kurzen
Abstecher ins Museum (immer eine günstige Gelegenheit, um auf’s Klo zu gehen...)
kehrten wir im Teeladen ein, den ich bei meinem ersten Besuch durch Zufall
gefunden hatte. Tee, wie passend :).
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| William Prescott |
Als dann zaghaft Blau am Himmel zu erkennen war,
marschierten wir zur USS Constitution ("Old Ironsides", ebenfalls schon mal erwähnt, siehe Link oben),
einem Kriegsschiff der us-amerikanischen Marine von 1797. Auch dort hatten wir
Glück und Marinesoldaten führten über’s Deck und in den Rumpf hinab, sogar bis
zum Klo an der Außenkante des Bugs, mit Wasserpopospühlung inklusive bei
rauerem Wellengang (Auf das wir zum Glück nicht mussten). Insgesamt gab es auf dem Schiff zwei Klos. Eines wohlgemerkt für den Kapitän, eines für den Rest der Crew, 199 Mann. Gut, dass das "stille" Örtchen immer gut belüftet war, so über'm Wasser... Hört man über den nationalen Patriotismus hinweg, kann man
es durchaus als lockere informative Schiffsführung durchgehen lassen.
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| Ein bisschen verwackelt, der Seegang, ihr versteht ;) |
Das Heer
an Freiwilligen, die sich in den USA um Geschichtsarbeit kümmern ist schon
beachtlich. An Inhalten, Form und Stil des Erzählten kann man arbeiten, aber im
Grunde ist es schon beeindruckend zu sehen, wie sich manche Menschen hier engagieren.
Einschränkend muss gesagt werden, dass es meist ältere Menschen sind, denen die
Rentenfonds eine sorglose Rentenzeit beschert.
Ein bisschen Zeit zum Einbruch der Dunkelheit blieb, also
schlenderten wir diesmal über den Charles Fluss nach Boston Stadt zurück und
versuchten uns zu erinnern, wo zum Henker denn die „beste Schokolade der Stadt“
serviert wurde. Hin und her und wieder zurück, schließlich doch, da ist es ja.
Diesmal mit Adressangabe, damit wir beim nächsten Mal im Blog nachsehen können :)
| Boston aus Richtung Charlestown |
| L.A. Burdick Handmade Chocolates, 220 Clarendon St, Boston, MA 02116, zw. den Metrostationen Copley und Arlington. |
Jedenfalls war es insgesamt ein sehr produktiver Tag. Wir
haben Briefmarken erstanden, um die restlichen Postkarten abzuschicken, wir
haben Karten für die Blue-Man-Show gekauft, weil für Donnerstag wirklich
einfach nur Dauerregen angesagt war und wir haben unsere Salem-Pläne
ausgetüftelt. Nebenbei haben wir wieder über 20.000 Schritt getan. Ein
regulärer Stadturlaubstag also :).

