Mittwoch, 16. Oktober 2019

Boston-Charlestown (09.10.2019)


Eines vorweg: fragt mich nicht, warum es unterschiedliche Schriftarten und Schriftgrößen im Blog gibt. Ich habe nicht den leisesten Schimmer. Der Computer, das Internetz oder die "unsichtbare Hand" im Hintergrund werden's sicherlich irgendwie verstehen.

Die Wetterprognosen verschlechterten sich bei jedem Check. Was also tun? Wir entschieden uns für Charlestown, den ältesten Stadtteil von Boston. Ich war vor einem Jahr bereits dort, aber da Franziska mit einem Tag Verspätung eingetroffen war, blieb für das Viertel damals keine Zeit. Also kramten wir unsere Tickets hervor und erprobten das Bostoner Metronetz. Schwuppsdiwupps und Holterdiepolter waren wir zwar immer noch oder, besser gesagt, schon wieder auf der gleichen Seite des Charles River, diesmal aber nicht mehr in Cambridge, sondern in Charlestown. Eine gute direkte (Bus)Verbindung zwischen den beiden Stadtteilen gibt es nicht wirklich, man muss über (Süd)Boston metrieren (für alle, die’s nicht gleich verstehn‘, mit der Metro fahren), um in den Norden der Stadt zu kommen. Egal, wer will, kann sich ja einen Stadtplan oder Google Maps zu Hilfe nehmen. 

1629 siedelten hier die ersten Kolonisten und benannten ihr Örtchen nach Charles I. von England, Schottland und Irland. 1848 wurde Charlestown aber wirklich zur Stadt, um dreißig Jahre später von Boston geschluckt zu werden. Erst 1775 machte das Städtchen allerdings wirklich von sich Reden. Dort wurde nämlich die erste Schlacht zwischen „Amerikanern“ und Engländern ausgefochten, als das Mutterland seiner Kolonie die Repräsentation im Londoner Parlament verweigerte. Über die „Boston Tea Party“ habe ich im letzten Jahr schon Berichtet. Siehe Eintrag hier (Charlestown) und hier (Teeparty).

Diesen ersten Kampf des später so genannten amerikanischen Unabhängigkeitskrieges konnten schließlich die englischen Truppen für sich entscheiden. Aber, so der freiwillige „Besucheraufklärer“, er hatte den „Amerikanern“ gezeigt, wozu sie fähig sind und das die Revolution gewonnen werden könne. Zwar hätte George Washington immerzu taktische Fehler begangen, aber die Engländer wollten eigentlich auch nicht so richtig gegen ihre „Brüder“ kämpfen, so dass im entscheidenden Moment besagter Washington doch einen Coup landen konnte und sich die USA von England endgültig lossagten. Das ist die Kurzversion seiner sehr detaillierten Schlachtaufstellungsausführungen – nicht nur in Charlestown, sondern auch in New York und überall, wo sich der Herr Washington so herumgetrieben hatte, entweder als Jäger der Engländer oder als von ihnen Gejagter. Wir hörten einfach zu und ließen den Regen draußen regnen.

Bunker Hill Monument. 
Wir saßen nämlich im Bunker Hill Monument (rechts das "Häuschen" neben dem eigentlich Denkmal), das an besagtes erstes Scharmützel erinnert und von dem man hoch oben – wo ich auch noch nicht gewesen war – einen sehr schönen Ausblick über die Umgebung hat. Umso schöner, je besser das Wetter, sollte ich hinzufügen :).

Blick auf Boston (nach dem man 230 Stufen erklommen hat)
Nach dem die Schlachten alle erzählerisch geschlagen waren (und der Regen aufgehört hatte zu fallen), umrundeten wir den Obelisken und grüßten William Prescott, dem Anführer der amerikanischen Farmer-, Kaufleute- und einfache Leute-Rebellen, die den „Berg“ mannhaft verteidigt hatten. Nach einem kurzen Abstecher ins Museum (immer eine günstige Gelegenheit, um auf’s Klo zu gehen...) kehrten wir im Teeladen ein, den ich bei meinem ersten Besuch durch Zufall gefunden hatte. Tee, wie passend :).

William Prescott
Als dann zaghaft Blau am Himmel zu erkennen war, marschierten wir zur USS Constitution ("Old Ironsides", ebenfalls schon mal erwähnt, siehe Link oben), einem Kriegsschiff der us-amerikanischen Marine von 1797. Auch dort hatten wir Glück und Marinesoldaten führten über’s Deck und in den Rumpf hinab, sogar bis zum Klo an der Außenkante des Bugs, mit Wasserpopospühlung inklusive bei rauerem Wellengang (Auf das wir zum Glück nicht mussten). Insgesamt gab es auf dem Schiff zwei Klos. Eines wohlgemerkt für den Kapitän, eines für den Rest der Crew, 199 Mann. Gut, dass das "stille" Örtchen immer gut belüftet war, so über'm Wasser... Hört man über den nationalen Patriotismus hinweg, kann man es durchaus als lockere informative Schiffsführung durchgehen lassen. 

Die Constitution. So richtig 18. Jhd. ist eigentlich nur noch der Rumpf, alles andere wurde schon mal erneuert, ausgebessert und modernisiert. Aber sie ist das einzige Schiff, dass noch unangetastete Originalteile hat, die seit 1797 so sind, wie sie sind.
Ein bisschen verwackelt, der Seegang, ihr versteht ;)
Das Heer an Freiwilligen, die sich in den USA um Geschichtsarbeit kümmern ist schon beachtlich. An Inhalten, Form und Stil des Erzählten kann man arbeiten, aber im Grunde ist es schon beeindruckend zu sehen, wie sich manche Menschen hier engagieren. Einschränkend muss gesagt werden, dass es meist ältere Menschen sind, denen die Rentenfonds eine sorglose Rentenzeit beschert. 

Ein bisschen Zeit zum Einbruch der Dunkelheit blieb, also schlenderten wir diesmal über den Charles Fluss nach Boston Stadt zurück und versuchten uns zu erinnern, wo zum Henker denn die „beste Schokolade der Stadt“ serviert wurde. Hin und her und wieder zurück, schließlich doch, da ist es ja. Diesmal mit Adressangabe, damit wir beim nächsten Mal im Blog nachsehen können :)

Boston aus Richtung Charlestown
L.A. Burdick Handmade Chocolates, 220 Clarendon St, Boston, MA 02116, zw. den Metrostationen Copley und Arlington.
Jedenfalls war es insgesamt ein sehr produktiver Tag. Wir haben Briefmarken erstanden, um die restlichen Postkarten abzuschicken, wir haben Karten für die Blue-Man-Show gekauft, weil für Donnerstag wirklich einfach nur Dauerregen angesagt war und wir haben unsere Salem-Pläne ausgetüftelt. Nebenbei haben wir wieder über 20.000 Schritt getan. Ein regulärer Stadturlaubstag also :).