Samstag, 25. August 2018

Washington: Bei Lincoln & Co.

Vor unserem Abflug am Abend hatten wir noch etwas Zeit. Mit dem "Loop-Bus" tingelten wir erst einmal einmal halb um die "National Mall" (Nationalpromenade) herum. Die "Prachtallee" verbindet quasi das Capitol mit dem Lincoln-Memorial. In der Mitte steht das Wshington-Memorial, ein Obelisk, der wahrscheinlich als einziges Bauwerk der Stadt tatsächlich an den Wolken kratzt.

National Mall vom Capitol in Richtung des Lincoln-Memorial schauend
Rund um die Mall stehen neun der insgesamt vierzehn Smithsonian-Museen und einige Kriegsdenkmäler (Korea, Vietnam, II Weltkrieg). Wir fuhren bis zum Lincoln-Memorial (oben im Bild vom Obelisken verdeckt). Unser Plan war, die Mall von hinten aufzurollen und bis zum "National Museum of African American History and Culture" vorzudringend, das wir zum Schluss besuchen wollten.

Das Lincoln-Memorial wurde zwischen 1915 und 1922 erbaut und erinnert nicht aus Zufall an einen griechischen Tempel. Im innern "sitzt" Herr Lincoln in Marmor gehauen. Hinter ihm prangt nachstehender Dankestext:

"IN THIS TEMPLE AS IN THE HEARTS OF THE PEOPLE FOR WHOM HE SAVED THE UNION THE MEMORY OF ABRAHAM LINCOLN IS ENSHRINED FOREVER"

(„In diesem Tempel, so wie in den Herzen der Menschen, für die er die Union rettete, ist die Erinnerung an Abraham Lincoln auf ewig festgehalten“)

Lincoln-Memorial
Zum Glück wird dem Mythos "Lincoln als einem Gegner der Sklaverei" mittlerweile etwas entgegen gesetzt. Lincoln könnte eher als Pragmatiker gelten, als der Anti-Sklavereikämpfer, als der er heute noch vielfach gefeiert und verehrt wird. Eine Schulklasse hat vor einigen Jahren im "Keller" des Tempels eine Ausstellung konzipiert, in der Zitate von Lincoln seine politischen Überzeugungen veranschaulichen. Kein Zitat, als das aus einem Brief an Horace Greeley, 1862, zeigt seinen Pragmatismus in der Sklavereifrage besser:

"I would save the Union.
My paramount object
in this struggle
is to save the Union,
and it is not to save
or destroy slavery.
If I could save the Union
without freeing any slave,
I would do it;
and if I could save it
by freeing all the slaves
I would do it;
and if I could save it
by freeing some
and leaving others alone,
I would also do that."


(Sinngemäß: "Mein oberstes Ziel ist es, die Union zu retten, nicht die Sklaverei zu retten oder zu zerstören. Wenn ich die Union retten könnte, indem ich keinen Sklaven befreie, würde ich es tun. Wenn ich die Union retten könnte, in dem ich alle Sklaven frei lassen, würde ich es tun. Wenn ich sie retten könnte, in dem ich einige frei lasse, andere nicht, würde ich es ebenfalls tun.") 

Noch Fragen?

Danach wollten wir wie gesagt, in das Museum zur Afroamerikanischen Geschichte und Kultur. Das Museum wurde erst 2016 eröffnet und ist damit das "neuste" unter den Smithsonian-Museen. Das "Smithsonian" wurde am 10. August 1846 gegründet, als die Nachlassenschaft von James Smithson (g1765-1829) durch ein Beschluss des Kongresses in ein Museum überführt wurde, mit dem Ziel "Wissen zu vermehren und zu verbreiten". Daher sind alle Museen, die mittlerweile zum "Smithsonian gehören, auch heute noch kostenlos zu besichtigen.

Wir wurden aber diesmal leider enttäuscht. Einmal hatte ich nicht daran gedacht, uns Tickets vorzubestellen. Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, wir könnte welche brauchen, weil ich beim letzten Mal einfach immer überall hinein gekommen bin, ohne mich in eine laaaaaange Schlange stellen zu müssen. Das Museum ist allerdings wohl noch zu neu und völlig überlaufen, weswegen "Eintrittskarten" verlangt werden, die einem zum Besuch berechtigen. Alle Zeit-Slots waren aber schon ausgebucht, wir hatten also keine Chance. Schade.

National Museum of African American History and Culture
Um den restlichen Tag nicht ungenutzt zu lassen, gingen wir einfach zum nächsten Museum, in dem Fall in das Nationalmuseum für amerikanische Geschichte, wo der Hut zu sehen ist, den Abraham Lincoln (1809-1865) getragen hatte, als er erschossen wurde. Außerdem wird die "Präsidentschaft amerikanischer Präsidenten in Objekten" gezeigt. Vom Ballettschuh der Tochter, über den Pyjama von..., tja wem gehörte der nochmal?, und besagtem Hut, gibt's fast alles zu sehen; auch den Basketball von Obama. Na ja, wer's mag :)

Hut als "Reliquie"

In zwei kleineren Sonderausstellungen wurden die "Poor People's Campaign" und die Internierungslager für Japaner und japanisch-stämmige Amerikaner in den USA während des zweiten Weltkrieges thematisiert. Während letzteres bekannt sein dürfte, ist erstere wahrscheinlich unbekannt? Die "Poor People's Campaign", die "Armeleute Kampagne" also, wurde 1968 durch Martin Luther King Jr. organisiert. Die Kampagne richtete sich an die (weißen) Politiker endlich die wirtschaftlichen Interessen und Menschenrechte armer US-Amerikaner anzuerkennen, nicht nur der schwarzen Bevölkerung, sondern eben aller armer Bürger. Damit schaffte die Kampagne zum ersten Mal eine "rassenübergreifende" Bewegung. Im Jahr 1968 lebten in den USA 201 Millionen Menschen, darunter 35 Millionen, die unter der Armutsgrenze leben mussten. Davon waren 10% weiß, 34% "farbige". Traurig, dass heute 323 Millionen Menschen in den USA leben, wo von 41 Millionen unter der Armutsgrenze leben. Davon 9% weiß und 19% "farbige"... Auch deswegen erlebt die Bewegung zur Zeit ein Revival. Erst im Mai diesen Jahres wurde unter dem gleichen Motto in mehreren US-Städten demonstriert.

Dann machten wir uns flux zu unseren Koffern auf, duschten noch mal und machten uns auf den Weg, zum Flughafen. Zum Glück hatte Franzen am Tag zuvor, während des Kaffeetrinkens in Georgetown, eine Umgebungskarte studiert und den "Dulles International Airport" erspäht. Es dauert nicht lange, da kamen wir auf den Gedanken, mal nachzusehen, von welchem Flughafen wir genau abfliegen sollten... Ich bin nämlich immer vom "Ronald Reagan Flughafen" ausgegangen, von dem ich beim letzten Mal abgeflogen bin, allerdings nach Minneapolis. Es war doch tatsächlich der "Dulles", ein Flughafen etwas weiter weg vom Schuss! Egal, alles klappte. Sogar die "Silver Line"-U-Bahn kam sofort, als wir am Bahnsteig ankamen und war praktisch leer, obwohl an ihr gebaut wird, sie nur alle 20 Minuten kommt und daher vor Überfüllig gewarnt wurde. Gleich am Endpunkt der U-Bahnlinie wartete der Buszubringer zum Flughafen, alles paletti. Wir hatten massig viel Zeit bis zum Abflug also. Bei Ankunft in Berlin Tegel zwölf Stunden später wartete Pops schon auf uns :)

- ENDE -

Georgetown (Washington D.C.)

An unserem letzten ganzen Tag (16. August 2018) in Washington wollten wir noch etwas weiter hinaus, als bisher: Georgetown war unser Ziel. Die "Stadt" wurde 1751 gegründet und ist damit älter als Washington selbst. Benannt ist sie nach "George", natürlich, aber nicht nach George Washington, wie ich dachte, sondern nach dem anderen George, George II (1683-1760), dem König von Großbritannien und Irland, deutscher Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg und irgendwie auch Herzog der beiden deutschen Städte, deren Zusammenschluss auch gerne als Kurfürstentum Hannover bezeichnet wird. Verwirrend? Egal, spielt hier keine Rolle. Viel interessanter ist, dass es eventuell auch noch zwei andere Georges gab, die Namensgeber der Ortschaft gewesen sein könnten. Sowohl George Gordon als auch George Beall gelten als Gründer der Stadt. Heute ist die "Stadt" ein Stadtteil von Washington D.C.

Wie dem auch sei, Georgetown wurde jedenfalls strategisch und handelsgünstig am Potomac-River erbaut und wurde zum Umschlagplatz von amerikanischem Tabak, der vor allem von vielen schottischen Kaufleuten verschifft wurde. Die Menge an gehandeltem Tabak schlug sich im Bau von einigen Warenlagerhäusern nieder, die entlang eigens dafür gegrabenen schiffbaren Kanälen errichtet wurden. Freilich sind die heutigen Ausmaße der "Haupt-Wasserstraße" durch die Stadt auf spätere Zeiten zurückzuführen. Der "Chesapeake and Ohio Canal" lag allerdings trockengelegt unter uns, als wir auf einer Brücke auf ihn herabsahen - er wird in Stand gesetzt.

Chesapeake and Ohio Canal. Man kann direkt am Kanalwasser entlang schlendern oder aber auf der Promenade. Die vielen Brücken machen ein Überqueren jederzeit möglich und einen Kaffee bekommt auch überall links und rechts in den umgebauten alten Lagerhäusern. Im Schatten der Büsche und Bäume kann man prima sitzen - auch bei 38° im Schatten!
Ansonsten besteht Georgetown hauptsächlich aus drei Teilen: einer Hauptgeschäftsstraße, von der mehrere, kleinere Geschäftssträßchen abzweigen, wo kleinere Edelboutiquen zu finden sind (Wisconsin Av/ M Street), dem Book Hill, wo die Villen der sehr viel Besserverdienenden in einem parkähnlichen Gelände stehen und dem Campus der Universität, der Georgetown University. In Hafennähe, heute Flaniermeile am Wasser, stehen mehrere Botschaften, darunter auch die der Ukraine und Schwedens. Die Stadt ist "niedlich" und "picturesque" (malerisch) anzusehen.

Georgetown

Villen im "Book Hill" (Bücherhügel). In dem Stadtteil steht auch die öffentliche Bücherei...
Auch das älteste, noch unverändert dastehende Gebäude im "District of Colombia" (daher das "D.C." hinter Washington-Stadt) steht in Georgetown, direkt an der Hauptstraße. Genannt wird es ganz eingängig "Old Stone House" (Altes Steinhaus). Erbaut 1765 ist auch eines der ältesten Häuser in Washington D.C. überhaupt. Washington ohne "D.C." meint übrigens "Washington-Staat". Der Bundesstaat Washington liegt allerdings ganz woanders als die gleichnamige Stadt, nämlich nicht an der Ostküste der USA, sondern ganz im Norden der Westküste, an der grenze zu Kanada. Das "D.C." kann also entscheidend sein :)

Old Stone House, 1765
Wir schlenderten also die Straße und Sträßchen auf und ab und suchten uns irgendwann ein Cafe, wo es sich "aushalten" ließ :) Ich hatte den ganzen Tag mein Laptop mitgeschleppt. Der Plan war nämlich ganz einfach: uns irgendwo hinzusetzen und endlich mal Blog zu schreiben. Gedacht, getan. 14 (14!!!!!!!) Mückenstiche später waren ein paar Einträge geschrieben. Sogar Franz hatte 3 abbekommen (ja, immerhin, 3 Stück!). Gejuckt haben die, wie Sau, Tage später noch!

Freitag, 24. August 2018

Washington, weißer Marmor und "weise" Männer

Halb zehn war unsere Zeit; unsere "Eintrittszeit" ins Capitol. Wie immer, hatte ich im Vorfeld "Tickets" gebucht. Unentgeltlich aber nötig, möchte man sich nicht in die Warteschlange stellen, sondern sofort zur Besichtigungstour zugelassen werden.

Baubeginn des "ersten" Capitols war am 18. September 1793, als George Washington den Grundstein "legte". England, gar nicht glücklich, über die immer stärkere Abkopplung der jungen Vereinigten Staaten vom "Mutterland", schickte seine Truppen 1814 auch in die junge Hauptstadt. Die Verwüstungen des Gebäudes machten eine Generalüberholung nötig und wurde zudem genutzt, die Fassungskapazität des politischen Zentrums der USA, als Sitz des Senats und des Repräsentantenhauses, zu erweitern, so dass 1826 auch die beiden Seitenflügel fertig gestellt wurden. Bereits 20 Jahre später hatten auch viele der neuen Mitgliedsstaaten ihre Abgeordneten nach Washington geschickt, dass ein Erweiterung des Capitols wieder bitter nötig wurde. Im Grunde genommen, wurde der Gebäudekomplex in den nachfolgenden Jahren ständig immer wieder erweitert, zu letzt 2008, als die Besucherempfangshalle eingerichtet wurde, in der die Besichtigungstouren starten.

Das Capitol von allen Seiten: von rechts vorn, von vorn, von "unten" und von hinten (mit dem Franz davor)

Die Rotunde (drittes Bild oben) wird von vielen als das "Herz" des Capitols angesehen. Unter ihrem Dach fanden Staatsbegräbnisse seit der Regierungszeit Abraham Lincolns statt. Im "Keller" des Capitols wurde sogar ein Sarg platziert, in dem die Gebeine des Nationalhelden Washington nachträglich zur letzten Ruhe gebettet werden sollten. Die Pläne wurden jedoch nie realisiert; mittlerweile dient der Sarg samt Keller als optimaler "storage room", dient also als Abstellkammer für alles Mögliche, dass sicher und trocken gelagert werden muss :) Das Fresko ganz oben, hier zugegebener Maßen schlecht zu sehen, sieht ein bisschen wie das "Letzte Abendmahl" aus, zeigt aber die "Vergöttlichung Washingtons". Na ja, Abendmahlig eben. 

Nach einem ziemlich pathetisch-patriotischen Filmchen "Out of Many, One" (Aus vielen, Eins), in dem die Freiheit glorifiziert wird, mit dem die Amerikaner alle beglückt haben, konnte es losgehen, das Gebäude von innen in Augenschein zu nehmen. Viel Marmor, viele pathetisch-patriotische Breitbildleinwandmalereien und Zurschaustellung bedeutender Persönlichkeiten in Form von Statuen. Jeder Bundesstaat der USA darf immer nur zwei Statuen gleichzeitig im Capitol aufstellen. Wenn eine "Persönlichkeit" in Vergessenheit gerät oder sich die Zeiten ändern und es sinnvoll erscheint, andere "Persönlichkeiten" ins rechte Licht zu rücken, werden die Statuen auch mal ausgewechselt. Franz hat festgestellt, je neuer die Plastiken, desto hässlicher werden sie :)

Das Capitol innen. Rechts unten: Robert Fulton, ein Name, den wir nicht so schnell vergessen werden. In NY gibt es sowohl in Manhattan, als auch in Brooklyn eine U-Bahnstation "Fulton Street" und durch beide sind wir häufig durchgefahren. Robert Fulton (1765-1815) war ein Ingenieur und konstruierte in den 1790er Jahren ein U-Boot "Nautilus". Ihm zu Ehren nannte Jules Verne das Unterseeboot von Cap. Nemos ebenfalls "Nautilus".

Durch einen Verbindungstunnel zwischen dem Capitol zur Bibliothek schritten wir in Richtung der Library of Congress. Eine Bibliothek, die wahrlich zu beeindrucken weiß. Die Kongressbibliothek ist die "größte", im Sinne von umfangreichster, Bibliothek der Welt. Zu letzt übergab "Twitter" sein gesamtes "Tweetarchiv" an die Bibliothek. Denkt daran, wenn ihr zwitschert, irgendwann werden Rechenmaschinen entwickelt werden, mit denen man alle Milli-, Billi-, Trilli-, Cillimillionen Tweets recherchieren kann und dann könnte es peinlich werden!

Die Bibliothek wurde 1800 eröffnet, als John Adam schlauerweise erkannt hat, dass es ganz sinnvoll sein könnte, alle Abgeordneten könnten sich (weiter)bilden und zur Not auch mal das ein oder andere nachschlagen, wenn sie mal keinen Durchblick bei bestimmten Themen haben. (Kluger Mann) Als die Briten Washington niederbrannten (1814), litt natürlich auch die Bibliothek. Doch auch Jefferson hatte den Wert an Wissen erkannt und vermachte der Bibliothek testamentarisch seine Privatbibliothek. Nach heftigem Streit unter den Abgeordneten, ob man den auch wirklich Bücher über Philosophie und antiker Rechtsgeschichte oder in italienischer Sprache bräuchte, setzten sich die Befürworter einer vollständigen Übernahme durch und der Grundstock für die heutige Kongressbibliothek wurde gelegt. jedes Mal, wenn ein Erweiterungsbau fertiggestellt war, war bereits absehbar, dass man mehr Platz brauchen würde :) in den 1990ern ist man auf den Trichter gekommen, dass rauchende Mitarbeiter nicht ganz so toll als Bibliothekare geeignet sind und beschloss eine grundlegende Renovierung des Gebäudes. Einige waren wohl sehr erstaunt, als sie feststellen mussten, dass die Bibliothek ein weißes Marmorinterieur hat und die Wände lückenlos mit Wandmalereien bedeckt sind. Mittlerweile erstrahlt alles wieder im Original-19. Jhd.-Zustand und Rauchen ist natürlich absolut tabu.

Library of Congress; oben rechts: der junge und der alte Student.
Die Bilder und Plastiken stellen Allegorien dar: die Künste, die Wissenschaften, das Handwerk, der vernünftige und wissbegierige Mensch... Irgendwie überladen, aber dann doch stimmig zusammenpassend, obwohl die Innenausgestaltung 17 verschiedenen amerikanischen Künstlern mit 17 eigenen Vorstellungen von "Bibliothek" und "Wissen" überlassen worden war. Sehenswert auch der Hauptlesesaal...

Putten des Handwerks und der Hauptlesesaal
Die Gutenbergbibel fanden wir nicht mehr ganz so spannend, so viele, wie wir schon gesehen haben :) Viel interessanter war die Info, dass die Bibliothek die erste war, die ein "Laufband" für Bücher zw. Bibliothek und Capitol eingerichtet hat und dabei das Problem gelöst hat, das Band um die Ecken zu verlegen. Das entwickelte Prinzip kann heute an jedem Flughafen beim Kofferabholen besehen werden. Die hatten damals schon was drauf. Natürlich sind auch allerhand anderer Schätze ausgestellt, darunter die Waldseemüller-Weltkarte, die die USA der Bundesrepublik vor ein paar Jahren für 10 Millionen US-Dollar abgekauft haben. Diese einzig noch erhaltene Originalkarte von 1507 zeigt(e) zum ersten Mal den Kontinent, den Kolumbus "entdeckt" hat, mit der Bezeichnung "America". 

Joah, nach Alldem war die Tageszeit schon erheblich vorangeschritten. Wir schauten noch "kurz" im Naturkundemuseum vorbei und ließen uns als Homo Heidelbergensis (lebte vor 600.000-200.000 Jahren) und Homo Floresiensis (lebte vor 50.000 Jahren) "ablichten" :) 

Na, wer is' wer?

Washington

Der Bus fuhr in New York los, die Metro in Washington fuhr bis fast zu unserer Haustür, Häuschen mit unserem Zimmerchen problemlos gefunden - alles paletti also. Wir hatten noch genug Zeit uns Washingtons "Wohnviertel" für "Normalos" anzusehen, bevor wir uns die nächsten zwei Tage vor allem im "Regierungsviertel" aufhalten sollten, wo ab vier Uhr nachmittags die Läden schließen, kein Kaffee mehr ausgeschenkt wird und die Bürgersteige aber so was von hochgeklappt werden, dass wirklich keine Menschenseele mehr unterwegs sein kann. Es ging also - wohin sonst? - nach Chinatown und Umgebung! Wir fuhren zwar erst nach Chinatown, spazierten aber zunächst in Richtung "Umgebung", um uns "Washington-Stadt" anzusehen. Erst abends wollten wir nach Chinatown zurück, um dort etwas zum Schnabulieren zu finden und die Metro wieder gen Bettchen zu besteigen.

Washington ist großzügig angelegt, was einem - kommend aus New York - sofort ins Auge fällt. Es sind weniger Autos unterwegs, Menschen sowieso und irgendwie kommt einem die Stadt "klein" vor. Es gibt keine Türme, die an den Wolken kratzen, geht einem irgendwann das Licht auf.

Washington Downtown

Dabei gibt es - ganz ähnlich wie in NY und Boston - überall begrünte Sitzeckchen, die zum Verweilen einladen. Ich muss schon sagen, die USA, zumindest die Städte an der Ostküste, scheinen es mit Laufmüden oder einfach nur ihr Sitzfleischpflegenwollenden gut zu meinen. Auch sind die kleinen Anlagen häufig Treffpunkte für alle, die in ihren kleinen Wohnungen zu ersticken drohen und einfach mal "Raum" um sich haben wollen. Jedenfalls findet das Leben der Menschen auch auf der Straße beim Plausch statt, nicht wie bei uns, wo jeder seine vier Wände viel häufiger von innen anzusehen pflegt.  

Wir streiften ganz kurz das weiße Haus von "hinten" und machten uns dann wieder zurück nach Chinatown und stellten uns einen Salat und eine asiatische Hähnchen-Brockoli-Nudelpfanne zusammen, die wir gemeinsam verputzten. Gestärkt liefen wir tatsächlich die ganze Strecke doch noch zu Fuß zum Bettchen. Verlaufen kann man sich nicht: Wir liefen von Chinatown immer auf der Straße "M" entlang, bis sich der Querstraße Nummer "5" immer mehr näherte. Dann konnten wir anfangen, blockweise abzubiegen, bis wir auf der Straße "H" vor unserer Haustür standen. Schachbrettstädte haben etwas für sich.

Chinatown vor und nach unserem Imbiss

Sonntag, 19. August 2018

New York bei Regen (... und Hitze)


Die letzten beiden Tage (12. und 13.08.) in New York sind schnell erzählt: es hat oft (dauer)geregnet und wir waren längere Strecken mit Bus und U-Bahn unterwegs, um nicht pitsche-patsche-nass zu werden. Die Fotos mit blauem Himmel im Hintergrund täuschen daher ein wenig… sagen aber sehr viel über das Wetter aus: Entweder Sonne pur oder eben die Sintflut; einfach nur etwas Regen bei mäßigem Wetter gab’s die Tage nicht. Da sitzt man um so lieber in einem gemütlichen Cafe und schreibt Blog (und schnasselt nebenbei Waffeln mit Obst - also gesund!)

Vintage Cafe (Brooklyn)
Waffeln
Wir spazierten u.a. durch den Brooklyn Bridge Park, weil ich unbedingt das Eis aus der „Brooklyn Ice Factory“ probieren wollte! Bei meinem letzten Besuch in New York hatte die Bude nämlich wegen Baumaßnahmen geschlossen. Na ja, das Eis war das Schlangestehen (und die 6 Dollar pro Kugel!!) nicht unbedingt wert, aber jetzt wissen wir auch das :)

Brooklyn Bridge Park
Brooklyner Eis: einmal reicht!
Bevor wir in den „Housing Works Bookstore Cafe“ eingekehrt sind, suchten wir noch einen Laden für Künstlerbedarf der New Yorker „Art Students League“ auf, weil Franzens nach Farben und Tinte suchte, aber in jenem Spezialgeschäft nichts nach Gusto fand. Im Buchladen dagegen… gaaanz andere Geschichte J. Der Laden ist eine non-profit Unternehmen, dessen Einnahmen aus dem Secondhand-Bücherverkauf und einem kleinen Café im Innern des Ladens als Spenden an Obdachlosenhilfsverbände und an Anti-Aids-Kampagnen fließen. Obdachlose gibt es leider genug (viiieeel zu viiiiiiieeeeelee) in New York (und andernorts!).

Housing Works Bookstore Cafe
Außerdem waren wir im „National Museum of the American Indian“. Wir hatten Glück und passten gerade eine öffentliche Führung ab und kamen somit in den Genuss von ein paar interessanten Geschichtchen, die wir sonst wohl nicht in Erfahrung gebracht hätten. So wurde berichtet, dass die Cherokee-Indianer (Choktaw), nachdem sie selbst Hunger und Entbehrungen während ihrer Vertreibung in die Reservate („Trails of Tears“ = Pfad der Tränen) erlebt hatten, anlässlich der „Großen Hungersnot“ zwischen 1848 und 1852 270$ nach Irland schickten. Klingt nach wenig Geld? Damals eine Summe von enormen Wert, nicht nur, wenn man bedenkt, dass die Indianer in den Reservaten selbst kaum genug zum Überleben hatten… 2015 gedachte Irland dem Geschenk mit einer offiziellen Dankenszeremonie und dem Enthüllen einer metallenen zwölf Adlerfedern-Skulptur in Cork.

"12 Adlefedern" (Wikipedia)
 New York war schön, jetzt kommt Washington!

New York: Erst "Shoppen", dann Kultur!

Am Mittwoch hatte es nicht geklappt; am Freitag auch nicht. Im Freikarten-Lotto haben wir beide also nicht besonders viel Glück, zumindest nicht, wenn das New Yorker Wetter viel versprechend aussieht. Am Sonnabend dagegen, mit den schweren Regenwolken über der Stadt und der Aussicht auf Weltuntergang, war plötzlich das „Sie haben gewonnen!“ im Postfach. Es hatten wohl nicht viele darauf vertraut, dass der Wettergott Shakespeare-Fan ist und darauf verzichtet, bei der Verlosung von Sonnabend für die „Shakespeare-Festspiele“ im Central Park mitzumachen. Innerhalb von 30 Minuten nach Gewinn die Karten zu bestätigen war ohne festen Internet-Zugang gar nicht so leicht,  aber es glückte. Nun blieb nur noch Daumendrücken, dass sich die Schleusen davor oder danach öffnen mögen. Der Wetterbericht war jedenfalls ziemlich plötzlich von tagelang Sonne pur zu einer Woche Dauerregen mit Gewitter umgeschwenkt und wir machen Listen zurecht, welche Museen man in solch einem Fall bevölkern könnte… Der Samstagmorgen bot dann auch einen wenig ermutigenden Blick aus dem regentropfenverhangenen Fenster!

Was tun an so einem schaurigen Tag? Der Chelsea Market sollte unser Ziel sein, vom Reiseführer als Flohmarkt mit Kunst-, Antik- und Kramszeug angepriesen. Also los. Wir, insbesondere Franz, der sich gänzlich etwas anderes vorgestellt hatte, guckten nicht schlecht, als wir eine völlig umgestaltete, schnieke alte Schlachthofhalle vorfanden, wo alles Mögliche käuflich zu erwerben war, aber wo definitiv keine Flöhe in verstaubten Regalen hockten. Alles schick, alles neu, manches selbstgeklebt, -genäht, -gebatikt und -geschmiedet, vieles Jungdesigner. Nun ja, nun waren wir dort und sind schlauer. Bei der Gelegenheit haben wir einen „Fat Witch“-Laden entdeckt (Fette Hexe), wo es Schokoladen-Kekschen in Kleinstverpackungen zu fetten  Preisen gibt… aber das Logo war niedlich : ). 

Chelsea Market; rechts oben: "Flohmarkt", links unten: "Fat Witch", rechts unten: Innenausbau
So gegen 18 Uhr dachten wir, wir setzen uns gemütlich in einen Bus, der uns die gesamte Avenue von Süden nach Norden zum Central Park bringen sollte, wo wir bis 19.30 Uhr ganz entspannt unsere Eintrittskarten abholen würden, bevor es 20 Uhr hoffentlich mit der Vorstellung los ging. Der Plan war gut. Aber wieder machte uns New York ein Strich durch die Rechnung. Der Bus hielt an jeder Haltestelle (sprich alle 20 Meter, an jeder kleineren Kreuzung zwischen den rechtwinklig verlaufenden Straßenzügen) und jeder Ampel zwischen den Haltestellen, bremste hinter jedem Auto, das aus irgendwelchen Gründen abbremsen musste… So ein Stop-and-Go; über eine Stunde… Kurzum, wir spurteten den letzten Kilometer ganz schön, um unsere Freitickets rechtzeitig abzuholen, damit sie nicht verfielen! 

Gespielt wurde ein Stück, von dem ich noch nie zuvor gehört hatte: „The Twelfth Night“ (Die zwölfte Nacht; auf Deutsch „Was ihr wollt“). Die Hauptdarsteller sind erfolgreiche Broadway-Darsteller, während viele Nebendarsteller aus den Reihen der Laientheatergruppen der Stadt rekrutiert wurden. U.a. waren auch einige Taubstumme/ Gehörlose mit von der Partie, weshalb alle Schauspieler ihre Monologe und Dialoge gleichzeitig in Zeichensprache vorführten. Das ganze Stück wurde zwar in Shakespeare-Sprache, aber als Musical mit moderner Musik kurzweilig gemacht. Die „Unprofessionalität“ vieler Mitwirkender sah man dem Stück jedoch zu keiner Zeit an. Im Gegenteil! Es war eine rundum gelungene Vorstellung, mit viel Witz und wenig Regenwetter! Zum Ende hin begann es etwas zu tröpfeln, aber das war kaum der Rede wert. Pops hat alle "Daumens" gedrückt und es hat geholfen! :)

Shakespeare in the Park: "The Twelfth Night"