Langsam muss man sein Gedächtnis schon
wieder ganz schön zusammen nehmen, um die Erlebnisse der letzten Tage
rekonstruieren zu können. Mittlerweile in Boston angekommen stehen für den heutigen Blogeintrag (wir schreiben Mittwoch, den 09. Oktober spät abends) an: Ottawa, die dritte und Montréal, die erste.
Mit Schwesterherz
ist es ja so ein Phänomen. Man braucht ja eigentlich jeweils nur einen Tag für
die queerbeetige Voll-Stadterkundung, auch wenn die Mannen (also ich!) kurz
vorm Marschiertod stehen. Am zweiten Tag ist Zeit für alles, was nach Plan
laufen muss. Am dritten Tag bleibt dann nur noch, verzweifelt den Stadtplan auf
den Kopf zu stellen, um zu sehen, ob aus der Stadt nicht doch noch irgendwas
Interessantes herauszuschütteln ist. Man munkelt, der dritte Tag sichert das
Überleben der Crew (also meins!). Jedenfalls steuerten wir erst einmal auf den
nächsten Coffee-Shop zu, damit der Tag überhaupt beginnen konnte.
Das Highlight des Ortes war die
Werkschau, d.h. man konnte beim Kaffeemahlen und -rösten zuschauen, während man sich selbst einen Latte genehmigte. D.h. man
sah den Mann, wie er so seine Knöpfchen drückte und wie die Maschinen irgendwas
taten. Man hörte es leider auch - den Gehörschutz hätte man vielleicht auch den
Gästen angedeihen lassen können. Egal, es musste Blog produziert werden, der
treue Leser wartet schließlich. Alsdann stand so mundänes Zeugs wie Wäschewaschen
auf dem Programm. Da der Wetterbericht deutsche Touristen gnadenlos mit 25°C
angelockt und in die Irre geführt hatte, musste die wetterfestere Garderobe „aufgefrischt“
werden.
Danach stand eigentlich das Museum der
Ottawa-Stadtgeschichte auf dem Programm, aber ein Mittagessen musste schon noch
sein. Pünktlich 30 Minuten vor Türschluss um 16.00 Uhr standen wir auch da -
aber das Museum hatte schon aufgegeben. Wer weiß, ob an dem trüben Tag
überhaupt jemand gekommen war. Nun ja, auf zu den Rideau Falls, die nach den
Regenbogen- und Wolkenwundern am Niagara unverschuldet kümmerlich daherkamen
und keine Chance hatten, groß zu beeindrucken. So pendelte der Tag langsam
zwischen Kaffee, Kaufhausbummel, Schuhkauf (hatte ich erwähnt, dass es kalt,
hässlich und nass war?!) und Abendbrot aus.
| Museum, das letzte Haus auf der linken Seite, am Ende der Schleusenreihe, hatte leider geschlossen... |
| Rideau Falls |
Nach dem "Marsch" musste dringend ein wärmendes Schokolädchen getrunken werden :) Irgendwie war dann auch schon fast dunkel und der Tag rum. Da sich der Nebel verzogen hatte, konnte man am Abend sogar einen ungetrübten Blick auf den Parliament Hill werfen. Ja, ich habe das Mutz dort auch noch hingeschliffen... Im Lichterglanz vielen auch die vielen Baukräne und -zäune nicht so sehr auf.
| Parliament Hill |
Auch am nächsten Tag war noch
Gelegenheit zur Erholung, denn den Vormittag verbrachten wir im Bus nach
Montréal. Das schonte die Füßchen für das unausweichliche Programm von Tag 1:
einmal die ganze Stadt bitte! Geistesgegenwärtig wurde diesmal zumindest gleich
ein 3-Tages-Ticket für die Öffis erstanden - und das wird ja wohl gefälligst
abgefahren!
Auch Montréal entstand am Hafen und
kleckerte nicht, sondern klotzte: Hinter der Promenade erhebt sich die Altstadt
"Klein-Paris" (ursprünglich Finanz-Sektor), gekränzt von drei Kirchen
(zwei mit Basilika-Status und eine komische), Schlösschen, Rathaus-Prunkbau und
-natürlich- Chinatown.
| Altstadt: Notre Dame |
| Gelände am alten Hafen |
| Gelände am alten Hafen. Der "Clock-Tower" (Uhrturm) hatte saisonbedingt schon zu. |
| Gelände am alten Hafen. Die Sonne lachte vom Himmel herab, am Strand lag trotzdem Niemand, komisch ;) |
Nach dieser "klitzekleinen"
Runde durch die GESAMTE Altstadt wurde der gesamten Gruppe aus uns zwei Hanseln
mit nachdrücklichem Shop-Hopping (Ja, wir gingen in JEDEN Souvenirshop)
unmissverständlich verdeutlicht, dass es verdammt kalt war, der Wind eisig und
es durch die Jacke zog wie nix.
| Souvenier-Shop-Straße. Einige Läden waren durchaus mit sehr geschmackvollen Souveniren gespickt. Leider ist viel Schönes einfach zu groß und zu schwer für Fluggepäck-Touristen... |
Dank neu erstandenem deckenformatigen
Groß-Schal (für’s Mutzel) konnte der Rückweg hin zum Abendessen überlebt werden.
Es gab einmal mehr koreanische Kimchi-Suppe, die nicht nur durch ihre
Temperatur einzuheizen vermochte. Irgendwie haben die Koreaner Europa wohl
außer London und Paris übersprungen, bei uns gibt es kaum Koreanisches Essen.
In Kanada und auch den USA gibt es Koreanisch-Japanische Restaurants genauso
häufig, wie bei uns chinesische oder vietnamesische Küche. Zuvor wurde sich dennoch noch einmal zum Hafen geschleppt; einfach um die Atmosphäre zu genießen :)
| Hafengelände bei Nachtanbruch |
| Neuer "Deckenwickelschal" |
Mehr
folgt, denn, ich verrat euch was: Füße noch immer bei JEDER Teilnehmerin dran
und Erfriertod durch Deckenwickelschal bis jetzt erfolgreich vermieden!