Donnerstag, 2. März 2017

Bei Anka zu Hause

Die (breite) Komfort-Lufti war bereits aufgepumpt, die Decke bezogen, das Kissen bereitgelegt. Es konnte also sofort losgeschlafen werden! Franz hat auch (wie erwartet) durchgeschnorchelt und erst einen Mucks getan, als ich schon mit dem ersten Wäschehaufen zur Honda im Keller unterwegs war und, bejackt und gestiefelt wie ich war, den Einkauf ums erweiterte Eck gleich mit besorgt hab‘. Frisch geputzt und angeschmückt machte sich Franz beim Wäsche aufbammeln nützlich, während ich meinen kleinen IKEA-Tisch zur (ausladenden) Frühstückstafel umwidmete. Bei mir haben schon 6 Personen in der Zimmermitte auf Decken und Kissen Platz genommen, während auf dem Balkon der Grill gebrutzelt hat – da wird es bei zwei Leutchen noch nicht einmal eng!

Abendbrottisch | neuer Compi (mit Namen Novi)
Danach spazierten wir gemütlich ins Frankfurter Zentrum, gingen in der Uni aufs Klo, und fuhren dann nach Berlin, um Kleinigkeiten zu erledigen. Davor kehrten wir aber im „Baraka“ ein und schmausten Schawarma, Falafel und mit Knobi angemachten Spinat, tunkten unser Fladenbrot in diverse Dipps und süffelten süßen Tee mit Rosenwasser. Dieses Lokal sei jedem Berlinreisenden empfohlen! 

In die Stadt ging es dann etwas schleppend, weil sich am Zoologischen Garten „eine Person im Gleisbett“ befand und daraufhin natürlich alle Züge, S- und U-Bahnen in Richtung Innenstadt erst einmal auf Gleis gelegt waren. Aber wir hatten Glück und unsere S-Bahn fuhr dann tatsächlich noch weiter zum Alex. Es ist nicht zu glauben, wäre ich alleine gewesen, ich hätte an der Warschauer Straße stehen können, bis ich Wurzeln geschlagen hätte! Genauso, wie ich mitten in der Nacht vor einem taxileeren Bahnhofsvorplatz gestanden hätte, die Lifts nicht funktioniert hätten und, ja sogar mein Koffer wäre gaaanz zum Schluss auf’s Rollband gelegt worden, so dass ich mir in Schönefeld den A… wenn nicht abgefroren, so doch mindestens angefroren hätte, bevor ich irgendein Transportmittel in Richtung Frankfurt hätte besteigen können. Egal, wir waren in Berlin und erledigten unseren Kleinkram, bis wir uns nach einer heißen Schokolade im „Eisenberg“ (sehr nettes kleines Caffee mit Schokospezialitäten!) dem Großkram widmen konnten: Ein Laptop wurde gekauft! Endlich einer, der allen Ansprüchen genügt; einer der allerdings nicht noch am gleichen Tag in Betrieb genommen werden konnte, weil wir nach einem späten Abendbrot um Viertel nach 22:00 Uhr dann doch wieder ins Bettchen huschten.

Heute werden wir uns nach einem Bummelvormittag noch Frankfurt und Słubice ansehen. Na ja, ansehen… wir werden in Słubice Pierogi essen und in FfO ins „Brot & Zucker“ gehen, um Kuchen zu schnasseln :). Ende Gelände.

Königsgräber, Limassol und Lempa

Am vorletzten Tag unserer Reise, dem Rosenmontag, sahen wir uns nun endlich die berühmten Königsgräber an. Die Nekropole hat Gräber aus dem 3. Jh. v. Chr.-3. Jh. zu bieten, die in Sandstein gehauen sind. Nur, Könige haben diese Gräber nie gesehen. (Also, egal wir ihr den Satz dreht und wendet.) In der Zeit gab es nämlich kein Königreich auf Zypern, so dass sich hier eher reiche Stadtherren eingemietet haben bzw. wurden. Das verrät einem der Reiseführer zwar nicht, dafür aber, dass man den Einfluss ptolemäischer Gräber aus Alexandria sehen könne und dass einige Gräber ein "Peristyl aus dorischen Säulen" umschließt. Imposant sehen sie jedenfals aus und gut reinkriechen kann man auch. :)


Meine neue Fototasche war übrigens immer mit dabei und ist super!
Danach mussten wir uns allerdings sputen, denn wir hatten leider die Bus-Siesta nicht beachtet. Wahrscheinlich wollen die Busfahrer eben auch Mittag essen, so dass wir wieder einmal füßlings nach Karavella marschierten, um den Bus nach Limassol zu erwischen. Denn es war besagter Rosenmontag und irgendwie hatten wir die leise Vermutung, in den Dörfern der Umgebung würde es mächtig wenig zu gucken und zu essen geben.

Aber Limassol ist ja schließlich Großstadt! Mit Burg! Die 13 Uhr ihre Pforten schloss, just, als der Bus uns am Alten Hafen absetzte. Nun ja, man kann ja nicht alles haben, z.B. kein Fleisch und keine normale Menükarte, denn Rosenmontag ist vegetarisch. Wir fanden aber ein Plätzchen in einem überlaufenen Fischrestaurant und bezahlten viel zu teuer Geld für ein mächtig spätes Mittagessen. Alsdann brachen wir in die Altstadt auf, man wollte ja noch etwas sehen, bevor der Bus wieder zurückfuhr.

Ganz ehrlich, für die drei schönen Straßenzüge und den Rest des Verfalls hätten wir uns dann auch nicht mehr beeilen müssen. Jetzt wissen wir jedenfalls, dass Limassol eine schöne Innenstadt hat, wenn man sich auf eine Fläsche von sagen wir 100 m² bezieht, zwischen alter Moschee, Burg, einer Cafémeile und der neueren Kirche Aya Napa. Der Rest bietet immerhin eine gute Erklärung für die aufgerissene Innenstadt von Paphos. Limassol hat ungefähr drei schöne, wenn auch schrecklich nicht-restaurierte Häuserzeilen, die mich an die Bilder von Havana erinnern, nur dass in Limassol niemand mehr in diesen Häusern wohnt. Der Rest ist ein zusammengeschustertes Straßenbild aus nicht zusammenpassenden Häusern, die zum Großteil leer stehen und um die es nicht schade wäre. Etwas anderes als Grunderneuerung wird da nicht helfen. Der Eindruck wurde natürlich bestärkt durch ide Tatsache, dass an diesem Feiertag das Leben in Limassol erst gegen 15 Uhr erwachte, was auch immer die Leutchens vorher gemacht haben.

Promenade, leere Straßenzüge, Burg und "Frische-Orangensaft-Pressstation"
Ergänzt wird das alles durch eine hübsche Promenade, an der sogar ein Park angelegt ist. Der einzige, den wir auf Zypern gesehen hatten, wie uns aufgefallen ist. Nach Kurion sind die Busverbindungen leider zu schlecht gewesen, das haben wir uns gespart. Also sind wir nach Paphos zurück gekehrt und haben unser Spät-Kaffetrinken in der Eisdiele zu uns genommen.   

Am nächsten Tag ging es bereits nach Hause, aber erst 19:30. Genug also, um am Morgen noch eine Runde durch Lempa zu drehen, wo es eine Kunsthochschule, das Cyprus College of Art, gibt und eine rekonstruierte Siedlung aus der Kupfersteinzeit (3500 v. Chr.). Die Hochschule hätte ich zugegebenermaßen als solche übersehen. Wahrscheinlich ging es aber nicht nur mir so, denn das College hat wohlweislich einfach seine Außenmauer zum Kunstwerk geamcht, so dass man den Ort doch zweifelsfrei identifizieren kann, auch wenn man beim Blick auf die Gebäude immer noch keine Hochschule vermüten würde.


An der steinzeitlichen Siedlung hat buchstäblich der Zahn der Zeit genagt, so dass wir die drei Häuserchen wegen Einsturzgefahr nur  von außen besichtigen konnten. Aber so hatten wir wenigstens einen schönen Spaziergang, bevor es wieder zum Bus nach Limassol ging.



Den Anschluss nach Larnaca hätten wir um ein Haar verpasst, aber wir können wirklich nur Positives über die zypriotischen Busfahrer berichten. Wenn man einsteigt und ihnen sagt, wo man hinmöchte, sagen sie einem immer Bescheid, wann man auszusteigen hat. Auch diesmal teilte uns der Busfahrer mit, dass wir den Anschluss an der Endhaltestelle verpassen würden und zeigte uns, wo wir uns statt dessen aufstellen sollten. So waren wir pünktlich zum späten Mittagessen in Larnaca und mussten nicht hungern, obwohl wir erst gegen 01.00 (01.03.2017) Uhr in Frankfurt Oder aufschlugen. Da wir zwar wohlbehalten gelandet waren, unser Köfferchen aber "Beinbruch" erlitt, waren wir auch froh, in ein Taxi steigen zu können.

Und so endete unser Zypernurlaub in schönstem sonnigen Urlaubswetter. Wir sind viel gelaufen, haben viel Haloumi und Pittabrot gegessen, haben viele Steine bewundert und Buspläne entziffert. Die Zyprioten waren samt ihrer Gemeinschaftsstadtkatzen freundlich und hilfsbereit.



Zypern ist Ende Februar garantiert nicht überlaufen und sehr entspannend. Ich hatte zugegebenermaßen mehr fliegende Händler und aufdringliche Straßenverkäufer erwartet (so wie in Italien und Griechenland etc.), aber davon wird man in Zypern dankenswerterweise verschont. Die typische zypriotische Freizeitunterhaltung ist ein Bistro mit Plastikstühlen und Fußball im TV, aber es gibt genügend wirklich nette Restaurants und Cafés mit fast immer dem gleichen griechisch-türkischen Menü. Es schmeckt gut und ist preislich im mittleren Bereich. Der frische Orangensaft überall ist göttlich! Und auch die Sonne werden wir noch eine Weile schmerzlich vermissen.   

Sonntag, 26. Februar 2017

Zu Besuch bei Aphrodite

Bevor wir morgen (grüner Montag) mit den Bussen so „ziemlich nirgendwohin“ kommen, fuhren wir heute zunächst nach Petra tou Romiou, dem Geburtsort der Aphrodite, und keine zwei Stunden später zum Heiligtum in Kouklia, in dem ihr im 12. Jhd. v. Chr. gehuldigt wurde.

Da Aphrodite nie und nimmer einfach irgendwo ("an einer Bank in der Pampa") aus dem Meer entstiegen wäre, musste dieser Küstenstreifen etwas ganz Besonderes sein. Das ist er auch: Er zählt zu den schönsten von ganz Zypern, na klar. Die drei ensamblierten Kalksteinfelsen am besagten Ort tragen den touristisch wirksamen Namen „Fels der Aphrodite“ und ragen tatsächlich fotogen aus den seichten Fluten. 


Das klare Wasser lud auch schon am Vormittag Badewütige zum Baden ein, wir begnügten uns mit dem Ausschauhalten nach DEM perfekten ei-förmigen Stein. Nicht oval, eiförmig sollte er sein (manche Sachen muss man nicht verstehen). Natürlich fand ich den perfektesten unter den perfekt geschliffenen Steinen, aber er stieß (natürlich) nicht auf Gegenliebe. Ob es an der Größe oder am Gewicht lag? Jedenfalls wurde er kurzerhand zum Turmbau verwendet. Mit Fingerspitzengefühl, aber ohne Spuke türmte ich also perfekt austarierte Steine aufeinander und kam mir ganz entspannt dabei vor.

Pünktlich, wie bis jetzt jeder Bus, fuhren wir nach Kouklia, wo Ausgrabungen Steinreste des „Palai“-Paphos (Alt-Paphos) zutage gefördert hatten, dem mächtigsten Stadtstaat Zyperns in der Antike. Allerdings wurde die Gegend wohl schon zur Bronzezeit besiedelt und auch schon in dieser vor-griechischen Zeit wurde einer Fruchtbarkeitsgöttin gehuldigt. Eine ausgestellte Figurine kommt dem „Idol von Pomos“ jedenfalls sehr nahe. Eine Vielzahl solcher Figürchen mit eindeutig weiblichen Attributen und einzigartigem Aussehen in Stil und Form wurde nur in Zypern gefunden, weswegen das „Idol“ noch heute die 1- und 2-Euromünzen Zyperns schmückt.

Der Aphrodite-Kult konnte es bei dieser Vorgeschichte jedenfalls nicht besonders schwer gehabt haben. Von der Kultstätte liegen aber nur noch vereinzelt Steine in der Landschaft herum. Das Heiligtum hatte es nicht immer leicht: Mehrere Erdbeben machten es dem Erdboden gleich, die Perser belagerten die Stadt und schließlich, 325 v. Chr., wurde die Stadt nach Kato-Paphos verlegt. Schließlich ließ Kaiser Theodosius am Ende des 4. Jhd. den Tempel schleifen und verbot sämtliche „heidnische“ Kulte. Auch die Umgestaltung und Neubebauung des Areals unter den Kreuzrittern und Türken bekamen dem Heiligtum nicht. 

 

Etwas weiter „hinten“ wurden Bodenmosaiken einer römischen Villa freigelegt. Eines zeigt Königin Leda mit Zeus in Schwanengestalt. Anders als in Kato-Paphos hängt in Kouklia das Original hinter Glas im ansässigen Museum und unter dem ausgebreiteten Zeltdach unter freiem Himmel wurde eine Kopie hingebastelt. 


Direkt vor dem umzäunten Areal steht etwas verwaist die Kirche Chrystosopolitissa aus dem 12. Jhd. Leider hielt die Jungfrau Maria nicht Hof und die aus dem 14. Jhd. erhaltenen Fresken und Mosaiken blieben uns verwehrt. 

Nach einem ausgiebigen Mittagsmal – klassischer griechischer Salat mit Halloumi, Pitabrot mit Tsatsiki sowie Knobibrot, serviert, nicht mehr ganz so klassisch, von einer Armenierin – bestiegen wir den Bus Richtung Hafenpromenade von Paphos, wo wir uns ein lecker Eis gönnten :). Natürlich verschmähten wir den von der Hausherrin gebackenen und nach unserem Salätchen servierten typisch zypriotischen Orangenkuchen NICHT. Ich frage mich allerdings, wie die Zyprioten "Ureinwohner" wohl an Couscous gekommen sind, denn daraus bestand der "Teig" nämlich???

Auf dem Nachhauseweg sackten wir noch frisches Brot ein und mit Blogschreiben gehen dann schon mal ein Stündchen oder auch zwei ins Land und Schwupps, ist auch dieser Tag (fast) Geschichte (21:45 Ortszeit). 

Stilles Kloster und schriller Karnevall

Auch am nächsten Tag hatten wir ambitionierte Pläne: Nach Panagia sollte es gehen, ins Gebirge hinein, und dann entlang des „Naturpfades“ hin zu Kirchlein und Klösterlein. Der Bus fuhr uns auch hin ins Dorf und lud uns gegen 10.00 Uhr am Museum für Erzbishof Makarios III. ab, erster Präsident der Republik, nach dem in jedem Kaff eine Straße benannt ist. (Der Rest heißt Dionysos-Straße, Aphrodite-Straße, Poseidon-, Apollo-,…) Wir wollten dem Herrn aber nicht huldigen und machten uns auf zum Naturpfad. Die Zeit war schließlich gut bemessen: Der letzte Bus zurück in die Zivilisation fuhr 13:05 Uhr. Aber das sollte ja reichen für so einen 7 km langen… ach, 10 km? Ach, bergauf? Hm… ächtz, schnauf, röchel. Eine Stunde später waren wir den Pfeilen auf den Berg Vouni gefolgt und sind bei 1140 Höhenmetern auch auf seinem Gipfel angekommen. Was soll man sagen, schöne Aussicht gab es. Ob „Büsche und Kriechgewächse auf Steinlandschaft“ als „Natur“ durchgehen, naja. 



Ob wir in den restlichen Stunden die Kirchen auf dem Rest des Pfades erreichen würden? Unwahrscheinlich. Also stiegen wir den Berg wieder hinab und gingen im frischen Automief ganz klassisch entlang der Straße wenigstens zum Kloster Chrysorrogiatissa. Gegründet wurde es im Jahr 1152 vom Eremiten Ignatius, der von einem Lichtschein zu einer versteckten Ikone geführt worden war. Das Kloster ist bekannt für seinen hier gekelterten Weine und die Werkstatt für Ikonen-Restaurationen. Außerdem besteht es aus einer Kirche im Innenhof eines zweistöckigen Gebäudes mit Arkaden, einem Weinkeller und einer schönen Terrasse am Berghang. 


Wir beneideten mal wieder die Autotouristen, als wir zur Bushaltestelle zurückdackelten. Der Gaststättenwirt, bei dem wir noch Flüssigkeit tankten, erzählte uns, dass am Montag Feiertag sei, nämlich der Grüne Montag. Alle Zyprioten würden Auswärts essen und zwar nur vegetarisch. Bis auf Oktopus, der geht auch als Pflanze durch. Und die Busse würden nach Sonntag-Fahrplan fahren. Super, das heißt im Klartext: so ziemlich nirgendwohin. 

Aber wir kamen pünktlich zum Karneval zurück nach Paphos. Am Hafen war wohl die ganze Umgebung zusammengekommen, denn Paphos kann doch eine ganze Menge Menschen unterbringen, wenn  sie denn kommen. Und sie kamen, weil wohl alle Schulen, Tanzschulen und Geschäfte der Stadt bei der Parade vertreten waren: mit bunten Wägen, Tanzeinlagen, Kostümen und Wedel-Pompeseln. Die Stimmung war dabei sehr ausgelassen, es gab eine Menge Konfetti und Luftschlangen-Dosen zu kaufen, aber keinen Alkohol. 



Abends verteilte sich die Menge auf die Bars und Cafés (wir kehrten in einer Super-duper Eisdiele ein; hm... leckerlich) und am nächsten Morgen war das Konfetti von den Straßen gefegt und alles wieder sauber hergerichtet.       

Samstag, 25. Februar 2017

Paphos - wir sind da und wollen was sehen

Mein vorgeschlagener Plan für unseren ersten ganzen Tag in Paphos sah wie folgt aus: Ausgrabungen ansehen, d.h. die Reste von römischen Villen und den erhaltenen Bodenmosaiken sowie die Königsgräber. Anschließend sollte uns ein Bus zur „Korallenbucht“ bringen, wo wir in einen anderen umsteigen würden, um zum Kloster Neofytos zu gelangen, einem im 12. Jhd. gegründeten Kloster, dessen Räumlichkeiten zum Teil in eine steile Felswand hineingegraben wurden. Von dort hätte uns ein Pfad zur und durch die Avaka-Schlucht geleiten sollen, bevor uns ein-zwei Busse wieder zurück nach Paphos-Stadt bringen würden.


Klingt nach viel? Sicher, wäre aber machbar gewesen, wenn a) die Ausgrabungsstätte wirklich sowohl die Reste der römischen Villen als auch die Königsgräber eingeschlossen hätte, b) die Umsteigezeiten der Busse besser gepasst hätten, c) ich das Kloster Neofytos nicht mit dem Kloster Georgios verwechselt hätte und schließlich d) die Avaka-Schlucht tatsächlich fußläufig zu erreichen gewesen wäre, wie es laut Reiseführer den Anschein hatte. Ihr könnt euch also denken, dass dieser Plan so nicht funktioniert hat… allerdings haben wir andere schöne Ecken entdeckt.

Als wir morgens im Sonnenschein an der Hafenpromenade entlang zur Ausgrabungsstätte in Kato(Unteres)-Paphos entlanggeschlendert sind, lief noch alles nach Plan. Der Archäologische Park umfasst ca. 1/3 des antiken Paphos und ist UNESCO Weltkulturerbe. Gegründet wurde die Stadt vermutlich schon im 4. Jh. v. Chr., noch bevor sie eine Stadt des Ptolemäerreichs wurde. Die erhaltenen Reste sind überwiegend aus der nachfolgenden römischen Zeit. Die Steinhaufen waren schön anzusehen, vor allem, weil die Mosaiken wirklich in einem hervorragenden Zustand erhalten sind. Im Haus des Aion konnte man ein prächtiges Bodenmosaik der ehemaligen Eingangshalle bestaunen: Leda mit Zeus in Schwanengestalt, obwohl vom Schwan nur der Schwanz zu erahnen war (wenn überhaupt), Apollo und Dyonisus waren auch mit von der Partie, außerdem noch Ambrosia und Nektar als Personifizierungen und und und. Mit etwas Abstand zu dieser „kleinen“ Villa stand der vermutlich fast 10.000 km2-große Palast des römischen Stadthalters: die Villa des Theseus. Erhalten sind leider nur ein paar Grundmauern, eine Säulenreihe und natürlich ein prächtiges Mosaik. Diesmal puzzelte der Künstler Theseus und den Kampf gegen den Minotaurus im Labyrinth. Ausgegraben hat das alles übrigens ein Team der Universität Warschau. Trotzdem, seit mehreren 100 Jahren liegt das Mosaik so da und glänzt wie eh und je. Es ist erstaunlich. 



Auf dem weitläufigen Gelände gibt es außerdem das römische Odeon und die Festung Saranda Kolones aus fränkischer Zeit, in der auch viele antike Säulen als Spolien wiederverwendet wurden.
Den Weltkulturerbestatus der UNESCO hat das Areal zurecht!

Nach zwei Stunden Stein-Gelatsche haben wir die Königsgräber vom Plan gestrichen und uns in den Bus zur Korallenbucht gesetzt. Die Strand-Busse fahren am häufigsten, auch wenn es noch kaum Badewütige gibt. In der Bucht war Warten angesagt, also versuchten wir diesmal, die Touristenfallen mit Pizza, Pasta und Ofenkartoffel zu umgehen und fanden ein Restaurant mit zypriotischen Spezialitäten. Nun, Moussaka und Lamm gibt es sicherlich auch anderswo, aber geschmeckt hat es gut. Sonne hatten wir auch getankt, es konnte also weitergehen! Schlau, wie wir sind, hatten wir den Busplan ja dahingehend enträtselt, dass der nächste Bus 616 praktisch vor dem Restaurant vorbeikommen musste!  Jaa…nach diesem Bus fragen die Leute oft, meinte er Kellner. Aber ehrlich, er habe diesen Bus noch nieeee gesehen. O_O Verunsichert huschten wir also doch flugs zur Endhaltestelle der Route, denn vielleicht gibt es da ja eine Auskunft..? Nein, da gab‘s die berühmte einsame Bus-Wartebank. Die Lösung war aber simpel: Pünktlich erschien eine Marschrutka, ein Minivan also, der sich als Bus 616 zu erkennen gab und der auch wirklich reichlich Platz für alle bot – so für uns zwei Hanseln halt. An der Endhaltestelle wurden wir 'rausgeschmissen, direkt vor die Tore der Agio Georgios – ein hässlicher Neo-Bau aus dem 20. Jhd. Immerhin mit „szenischem Ausblick“.


Nachdem die Kirche also in 5 Minuten besehen war, szenierten wir die Lage: Der Küstenblick war malerisch und der nächste Programmpunkt, die Avaka-Schlucht, verdammt weit, nämlich ca. 1 Stunde Fußmarsch an der Straße entlang entfernt. Es war bereits 15.00 Uhr und ab 17.00 Uhr macht sich die Sonne dann genauso rar wie der Bus 616 zurück in bewohnte Gefilde. Also wurde die Avaka-Schlucht vom Plan gestrichen und Paphos-Innenstadt kurzerhand draufgesetzt. Wir mussten ja noch die Hauptbusstation Karavella für weitere Exkursionen finden! 

Die gute Nachricht ist: Wir fanden Karavella. Die schlechte: Die Station versteckt sich in einem Meer aus Bauarbeiten, die die ganze „Innenstadt“ von Paphos umfasst. Wir dachten ja, die Fußgängerzne am Hafen sei menschenleer. Ha! Die Einkaufsmeile in Paphos dürft ihr euch gerne in folgender Szene vorstellen: trostlose Westernmusik. Karge Landschaft. Wind weht. Gestrüppbüschel wehen durch die Flügeltüren des verlassenen Saloons. Der Held fragt sich, was dieser Stadt widerfahren ist…


Wirklich, ich habe noch nie etwas Trostloseres gesehen als die handvoll Geschäfte, die in diesen drei Straßenzügen tatsächlich geöffnet waren. Es wirkt so, als versuche man, bis Sommer(?) ein vollkommen neues Zentrum für Paphos zu zimmern, aber der schöne Hafenblick fehlt halt und somit die Leute. Wir flohen also wieder zum Hafen, wo es schön ist und nach Stadt aussieht, und mampften griechischen Salat mit Halloumi.

Paphos - wir kommen!

Der Umzug nach Paphos funktionierte reibungslos. Am Abend zuvor haben wir per E-Mail ein Taxi bestellt, das uns samt Köfferchen zur Hafenpromenade von Larnaka beförderte, von der aus wir 08:45 Uhr den unmittelbar nach Paphos fahrenden Inter-City-Bus nehmen konnten (wie wir es uns an den beiden Tagen zuvor zusammengereimt hatten). In Zypern hat man nämlich die Angewohnheit, nur die Abfahrzeiten der Busse vom Anfang der Route anzugeben. Selbst, wenn du im Internet nach einer bestimmten Haltestelle suchst. Und so hatte ich zunächst die Angabe gefunden, der Bus Larnaka – Paphos würde 07:30 Uhr abfahren und 3 Stunden bis zum Ziel brauchen. Zum Glück spezifizierte eine Tafel an der Haltestelle, dass der Bus 07.30 in Paralimni losfährt, zur wesentlich besseren Touristenzeit in Larnaka sein würde und dass die Fahrt nach Paphos dann nur noch knapp 2 Stunden dauerte, merkten wir selbst. Dass der Bus auch an der für uns weitaus günstiger gelegenen Haltestelle ebenfalls halten würde, vermuteten wir zwar ebenfalls, trauten unser Annahme aber nicht so ganz – zu Unrecht, wie sich herausstellte. Sei’s drum.

Das mit den Haltestellen musste also noch geübt werden. Paphos und Umgebung ist für diese Schulung bestens geeignet. Allein in Paphos gab es mehrere Stationen zur Auswahl – wir entschieden uns zielsicher gegen den großen Busbahnhof mit Informationsstand und für die Bank in der Pampa (wir haben eben noch nicht ausgelernt). Nun ja… in Zypern sind wir jedenfalls sehr froh über die Offline-Karte auf dem Handy. Nach einer halben Stunde haben wir unsere Köfferchen aber doch noch in unsere neue Bleibe gerollt und was soll man sagen? Haben wir schejn gebucht! Nett, groß, modern, sauber und mit netter Nachbarin, die uns gleich half, die Vermieterin anzurufen, da wir das Schlüsselprinzip nicht begriffen hatten. Praktisch ist es eigentlich: Man hat eine kleine Box an der Tür, die man mit einem Code öffnen muss und da ist dann der eigentliche Schlüssel drin. Dumm nur, wenn man das Funktionieren dieser Box nicht gleich durchschaut, und nicht auf die Idee kommt, die Box zu öffnen, um an den eigentlichen Türschlüssel zu gelangen. Wir glaubten nämlich, dass  sich nach der Eingabe des Codes, die Tür wie von Zauberhand einfach für uns öffnen würde (was sie natürlich nicht tat). 


Alsdann spazierten wir ins Herz von Paphos – zum Hafen und der Promenade. Paphos hat drei kleinere Badestrände direkt an der Hafenbucht und so besteht das Areal aus Hotels, Palmen, Promenade, Cafés, Restaurants und Souvenirshops. Dabei sieht alles mediterran zusammengewürfelt aus, aber es gibt keine Mega-Komplexe, die die Landschaft verschandeln. Alles in großzügig angelegt und die Gebäude fast alle maximal zwei Etagen hoch, mit Terrassen und Balkons, Flachdächern und viel Schattenfläche.      
 
   
Dabei glänzt Zypern Ende Februar vor allem durch die Abwesenheit großer Reisegruppen. Wir haben, glaube ich, gerade mal eine Handvoll gesehen. Es sind vor allem Leute mit Mietwagen unterwegs, darunter viele Familien (mit erstaunlich kleinen Kindern). Aber insgesamt hält sich die Auslastung sehr in Grenzen, so dass die Stadt etwas verschlafen wirkt (gut, da hatten wir Paphos‘ Innenstadt noch nicht gesehen. Kleiner Tipp: Frankfurt, an der Oder natürlich, Sonntagnachmittag ist da vergleichsweise belebt, obwohl gar nichts los ist und niemand auf der Straße unterwegs ist, nicht einmal, um den Hund auszuführen.) 

Bei schönstem Sommer-Sonnenschein besichtigten wir das Kastell von Paphos, welches allerdings außer den Mauern selbst und einem guten Hafenblick nicht so viel zu bieten hat. Das Kastell war ursprünglich Teil einer eine byzantinischen Festungsanlage, die im 13. Jh. von den Lusignans wieder aufgebaut, von den Venezianern 1570 während der Invasion der Ottomanen abgebaut und, schließlich, von den Eroberern (den Ottomanen) wieder aufgebaut wurde. Als Zypern eine britische Kolonie war, wurde es als Salzlager genutzt. 


 

Auf unserem eingeschlagenen Rückweg liefen wir unbewusst direkt auf eine weitere Sehnswürdigkeit zu: der Agia Kyriaki. Die (kleine) Kirche wurde auf den Grundmauern einer früheren christlich-byzantinischen siebenschiffigen Basilika erbaut, was die vielen Steinhaufen neben der Kirche erklärt, die übrig geblieben sind, als die Araber die Basilika zerstörten. 

Danach versuchten wir ein bisschen, die Busrouten zu verstehen und zu erraten, wann Busse möglicherweise da oder dort sein könnten. Als Ausgangspunkte für unsere Raterei dienten dabei die einzig für den ersten Halt auf der Route angegebenen Abfahrtszeiten. Außerdem jagte Anka nach T-Shirts, aber Zyperns Modeangebot besteht im Prinzip aus zig Variationen des H&M-Angebots und bot rein gar nichts. Aber wir fanden einen Supermarkt zum Einkaufen und widmeten uns zu Hause der weiteren Busroutenplanung. Ein kleiner Heizer macht sich dabei ganz gut, denn die Häuser halten absolut keine Wärme und nach Sonnenuntergang ist es doch Zeit für einen Pullover.

Donnerstag, 23. Februar 2017

In Europas einziger geteilter Hauptstadt: Nikosia


Das mit den Intercity-Bussen ist recht übersichtlich, also war es auch kein Problem, erfolgreich den Bus nach Nikosia (Lefkosia) zu nehmen. Benannt nach Leucus, wohl Sohn von Ptolemäus I., der die Stadt um 200-300 v.Chr. wieder aufgebaut haben soll. Seit dem 11. Jh. ist die Stadt immerhin die Hauptstadt der Insel. Dabei passt das Wichtigste in die 11 Bastionen der venezianischen Festungsmauer, die 4.5 km lang ist. Da hat man ja schon Befürchtungen, man könne den Tag gar nicht rumkriegen in diesem Nest! Zumal auf der sehr netten Ortskarte partout nur der südliche griechische Teil eingezeichnet ist.

Also wandten wir uns zunächst der berühmten Trennmauer und der sich dahinter befindlichen berüchtigten Sperrzone zu. Mauer ist dabei zu viel gesagt. Es sind einfach verfallene Häuserreihen, die seit Jahren leer stehen und ab und an durch Tonnen mit Maschendraht abgesperrt sind. Es erinnern Freiheitsdenkmale wie das auf dem Foto oben rechts an "die Befreiung des zypriotischen Volkes". Von den Briten wohl. 

Insgesamt bietet das Stadtbild ein zwiespältiges Bild: Neben modernen Häusern und schicken Boutiquen reihen sich verfallene Gassen und Steinhaufen, halb zusammengesunkene Wände und Abrisshäuser. Aber es steht alles durcheinander, plötzlich schick, plötzlich verlassen. Anscheinend gibt es einen neuen Nikosia Masterplan, nach dem mit EU-Mitteln Häuser restauriert werden (sollen), damit die Innenstadt wieder attraktiver wird.

Die Sehenswürdigkeiten sind klein und fein. Also, vor allem ziemlich klein. Es ist doch ein großer Kontrast zu den gotischen oder barocken Prachtbauten in Deutschland, Großbritannien und Frankreich. Die Kirchen und Moscheen sind alle aus dem typischen hellen Stein, gedrungen gebaut und mit kleineren Fenstern versehen. Ausgetobt haben sich die Meister lieber im Inneren, wie z.B. in der Johanniskathedrale (Bild oben rechts). Gebaut 1666, auf den Ruinen eines mittelalterlichen Benediktinerklosters, ist das kleine Haus komplett mit Fresken aus dem 18. Jh. bemalt. Alles erzählt die Geschichte Jesu. Mit dabei ist auch Barnabas, der Gründer der zypriotischen Kirche. Der Altar ist bis auf die enthaltenen Heiligenbilder komplett vergoldet und nimmt die ganze Breite des Hauses ein.

Alsdann wandelten wir auf der Lidras-Prachtstraße. Also, einem kleinen Boulevard mit vielen Cafés, den üblichen Klamottenläden und den Souvenirshops. Am Ende des Lidras ist die Türkei – auch wenn die Grenzstation recht touristisch daherkommt. Immerhin weiß man, seinen Ruhm zu nutzen und wirbt mit „Die einzige geteilte Hauptstadt Europas!“ für das kleine Grenzhäuschen. 


Nachdem man also brav zweimal seinen Pass vorgezeigt hat, begrüßt einen die Türkei als eine ärmlichere Version des griechischen Zypern. Es sind eindeutig weniger Menschen unterwegs und die Läden haben die Stufe „Touristenfalle“ und „Ramsch“ erreicht. Aber schnucklig sind die Gässchen schon (also die, die nicht zerfallen) und in der Tat kann auch dieser Teil mit Geschichte aufwarten. 


Unser Mittagsmahl fanden wir im Büyük Han – dem „Großen Gasthaus“, einer alten Karavanserei von 1572. Gebaut wurde die als Unterkunft für reisende Kaufleute kurz nach der Eroberung von Nikosia durch die Türken. Unter den Briten war es ein Gefängnis, heute eine Gaststätte mit dem Anspruch, im zweiten Stock Künstlern Läden zu bieten. In der Tat waren einige Handarbeiten dabei. In der Mitte steht eine kleine Moschee. Der erhabene Eindruck wird nur leicht durch die Bank geschmälert, die bunt umhäkelt vor der Moschee steht und auf der sich posierende Touristen räkeln. ;)

von außen 
  Mitte                                                       Innen

Ein weiteres Schmuckstück ist die Selimiye-Moschee, oder auch Ex-Sophienkathedrale. Diese wurde einst im 13.-14. Jh. im gotischen Still gebaut und galt als schönster christlicher Sakralbau des Nahen Ostens. Hier wurden die Könige von Zypern gekrönt. Im 16. Jh. wurde daraus aber eine Moschee, die Innenausstattung wurde hochkant rausgeworfen, dafür wurden u.a. zwei Minarette obendrauf geklebt. Passt, fällt gar nicht auf.           
    

Zu Guter Letzt: Baklava! (Baklava ist ein Gebäck aus Blätter- bzw. Filoteig, gefüllt mit gehackten Walnüssen, Mandeln oder Pistazien, eingelegt in Sirup.)