Sonntag, 27. Oktober 2019

Harvard III

Des Campus dritter und letzter Teil. Des Campus andere Flussseite.
1927 war wohl der Startschuss für das zweite "Standbein" der wachsenden Universität. In diesem Jahr zog nämlich die HBS, die Harvard Business School (mit vollem Namen: Harvard University Graduate School of Business Administration: George F. Baker Foundation - aber das ist mir zu lang), auf die andere Seite des Charles River, nach Allston, einem Stadtteil von Boston. Über die Weeks-Bridge, einer Fußgängerbrücke, kommt man trockenen Fußes dorthin. Praktischerweise wurde die nämlich 1927 gleich miterbaut.

Weeks Bridge
Die Business School ist mittlerweile zu einer kleinen Stadt für sich ausgewachsen. Sie besteht aus mehreren Gebäuden, Wohnheimen, Fitness Centern, Mensen, Cafes und Bibliotheken. Andere Institute sind mit der Zeit hinzugekommen. Das Sportareal der Universität befindet sich ebenfalls auf der Bostoner Seite.

Erwähnt hatte ich bereits das Chao-Center, das ebenfalls einen sehr viel längeren Namen trägt: Ruth Mulan Chu Chao Center. Unschwer zu erraten, dass die Namensgeberin chinesischer Herkunft ist. Es ist das erste Gebäude des gesamten Business-Ensambles, dass nach einer Frau und nach einer Amerikanerin asiatischer Abstammung benannt ist. (Und ja, die Frau ist nach der Mulan benannt worden...) Geholfen haben dürfte, dass die Familie 40 Millionen US-Dollar an die HBS gespendet hat... Jedenfalls finden dort die "Business History Seminare" (Wirtschaftshistorische Seminare) statt, zu denen (fast) jeden Montag geladen wird. Diese "Seminare" haben eher den Charakter deutscher Kolloquien (Gäste werden eingeladen, sie halten einen Vortrag und anschließend wird das Vorgetragene diskutiert). Davor gibt es ein Mittagessen und einen Empfang im Anschluss. An solchen Montagen bin ich also (kostenfrei) versorgt ;)
[Ebenfalls der Art versorgt bin ich an den meisten Donnerstagen, wenn das Global History Seminar im Knafel stattfindet. Nächste Woche kriegen die Menschers was  zur Plantagensklaverei und osteuropäischer Leibeigenschaft im 18. Jahrhundert zu hören - von mir.]

Chao Center. Bild unten rechts: In der "Glasausbuchtung" über dem Eingang in der Mitte befindet sich der Seminarraum.
Der Grund, warum ich außerdem manchmal auf der anderen Flussseite zu finden bin, ist die Baker Library. Die Bib wurde auch 1927 fertig gestellt und ist nach George Fisher Baker (1840-1931) benannt. Letzterer war dick im Banken- und Eisenbahngeschäft drin und hat im amerikanischen Bürgerkrieg ein Vermögen verdient, dass ihn zum drittreichsten Mann der USA gemacht hat (hinter Henry Ford und John D. Rockefeller). Er war einer der Mitgründer der HBS, weswegen sein Name im Volltitel des Wirtschaftsinstitut auftaucht. Die Unterlagen der Bostoner/ Charlestowner Kaufmannschaft liegen dort in den Archivtresoren... Auch die meisten Publikationen zur deutschen, überhaupt europäischen Wirtschaftsgeschichte, erschienen vor 1800, liegen dort.

Baker Library
Und weil schönes Wetter war - hatte ich schon erwähnt, dass nach Franzens Abflug hier der Spätsommer ausgebrochen ist? Also so richtig, meine ich - bin ich noch zum Sportkomplex spaziert. Generell gilt, dass Studis und Mitarbeiter mit ihren Ausweisen kostenlos zu den Spielen bzw. Wettkämpfen "ihrer" Manschaften (in allen Ballsportarten, inkl. Golfen und Tennis, aber auch American Football usw., Schwimmen, Eishokey und und und) gehen können. Alle anderen zahlen Eintritt, wie bei jeder "professionellen" Sportveranstaltung auch. Aber was red' ich: College-Sport ist in den USA Profisport. Obwohl Harvard keine Sportstipendien vergibt, hat die Uni das volle Programm an Angeboten und zählt zu den erfolgreichsten "Sportunis" der USA. Was an Stipendiengeldern "eingespart" wird, wird für Trainer, Coaches, Ärzte, Fitness-Einrichtungen etc. pp. ausgegeben. (An anderen Universitäten - sogar schon an Highschools! - ist es Gang und Gebe vielversprechende Sportler "einzukaufen", damit diese die Gewinnchancen der Uniteams verbessern. Aus dem Grund gibt es an vielen Unis "Trottel" (Zitat von CT), die mit Nachhilfe und Sonderunterricht mit Hängen und Würgen durchgeboxt werden, weil sie im sportlichen Bereich (Prestige und Geld!) für die Unis wertvoll sind.) Auf den Sportprestige ist Harvard nicht angewiesen... Mit den ca. 40 MILLIARDEN (!) Univermögen können Eishockeyhallen, Tennisplätze und Stadien verschiedenster Art aber wohl problemlos unterhalten werden.

Für beide Opas: Fussballabteilung.
Eingang zum Rugby- und American Football-Feld
Rugby- und American Football-Feld. Ich bin nach dem Abpfiff der ersten Hälfte oder des ersten Viertels (keine Ahnung, hab' die Regeln von beiden Sportarten nie richtig verstanden) angekommen. Die Gäste haben geführt...
Zum Abschied der Campus-Triologie einfach noch ein sommerliches Herbstfoto. Linke Uferseite - Boston, rechte Uferseite - Cambridge, Mitte - Charles Fluss. Wer weiß, wie lange es noch so schön bleibt.

Charles River