War im Plan, blieb im Plan, auch wenn sich das
Wetter wirklich nicht von seiner goldigen Seite zeigte. Unproblematisch kommt
man mit Bus oder Zug von Boston in das nur etwa 30 Kilometer entfernte Salem.
Hin mit dem Bus, Rück mit dem Zug, auch wenn das zu bezahlende Entgelt irgendwie
nicht ganz klar ersichtlich war. Egal, hin und zurück sind wir gekommen.
Salem wurde nur drei Jahre früher als Boston (1626) gegründet. Wieder waren es Puritaner und daher auch der
Name „Salem“, der als Königssitz in der Bibel vorkommt und häufig mit Jerusalem
gleichgesetzt wird. Knapp 70 Jahre später wurde die Stadt Schauplatz der
berühmt-berüchtigten Hexenprozesse (1692), weswegen sie heute in einem Teil zum
Pilgerort für Geisterjäger, Gespenstersichter, Handlinienleser und sonstiger Halloween-Junkies
wird und entsprechenden Reibach macht. Diesen ganzen kommerzialisierten
Schwachsinn machten wir natürlich nicht mit, wir gingen auch nicht ins Hexenmuseum, sondern verdrückten uns gleich in
den alten Teil des heute immer noch kleinen Städtchens, der einem bewohnten
Freilichtmuseum sehr nahe kommt. Fast an jedem Haus hängt eine Plakette mit
Erbauungsdatum, Besitzer- bzw. Bewohnergenealogie.
| Typisch Salem |
Seinen Wachstum hatte Salem dem Handel zu verdanken (daher kannte ich den Ort
eigentlich) und nicht zu Letzt deshalb hatten die Salemer auch problemlos
Zugang zu allerlei exotischen Waren: Zucker aus der Karibik, Porzellan aus
China und allerlei Stoffe aus Indien. Der „West India Goods Store“, in dem die
Kosterbarkeiten gelagert und verkauft wurden, wurde 1804 errichtet (Links, oben
im Foto ist das Schild zu sehen).
Am Anfang jenes gezeigten Straßenzuges steht das „Narbonne
House“. Es ist das älteste noch stehende Gebäude Salems. Es wurde 1675 erbaut
und gehörte zuerst einem Schlächter (also Schlachter), bevor darin ein Weber,
Fischer, Gerber und einige Matrosen ihr Dach über dem Kopf fanden. Es soll eines
der seltenen erhaltenen Beispiele für ein typisches Mittelklasse-Haus aus der
Zeit sein, war aber verschlossen. Genauso wie übrigens auch der „West-Indien“-Laden
(West Indien = Karibik, Ost Indien = Indien).
| Narbonne House, weil zum Schluss eine Näherin mit selbigen Nachnamen darin gewohnt hat. |
Am Ende des Straßenzuges stand Amerikas ältestes
Süßigkeitenwarengeschäft. Auch wenn Franziska hier durch’s Fenster lugt, dabei
ist es nicht geblieben. Wir hielten allerdings stand und futterten uns
nicht durch’s Angebot.
| Ye Olde Pepper Companie |
Was geöffnet hatte waren ein „Ostindien“-Segler (getreue Replik)
und das Zollhaus. Im Zollhaus wurden seit 1819 alle Steuern einkassiert, die
Händler auf Waren aus China, Indien und der Karibik in den USA zu entrichten hatten, wenn sie
sie in Salem an Land brachten. Mit über 20 Millionen US-Dollar an Zolleinnahmen
zw. 1789 und 1840 war die Stadt kein unbedeutendes Handelsplätzchen an der
Ostküste. Zu besichtigen waren die Zoll-, Vermessungs-, Wiege- und
Schätzungskontore rechter Hand und linkerhand das Büro von Nathaniel Hawthorne, dem
Vorsteher des Zollhauses zw. 1846 und 1849. Der Herr stand der Institution in
einer Periode vor, in der nicht viel los war. Nach 2-3 Stunden hinterm Schreibtisch
am Tag, hatte er Zeit, sein Hauptwerk „The Scarlett Letter“ von 1850 (zu
Deutsch: „Der scharlachrote Buchstabe“) zu schreiben. Zugegeben habe ich das zu
den bedeutendsten Werken amerikanischer Literatur zählende Werk noch nicht
gelesen -_-*
| Custom House (Zollhaus) |
Quasi auf dem Rückweg standen wir plötzlich vor dem (ebenfalls
geschlossenen) „Highlight“ der Stadt: dem Friedhof und dem „Hexen“-Mahnmal, wo an
die angeblichen Hexen und Hexer erinnert wird, die 1692 zum Tod verurteilt
worden waren und mit deren Schicksal nur ein paar Schritte weiter die Geldmachmaschinerie
betrieben wird. Es ist schon ein komisches Flair.
Das sogenannten „Hexenhaus“ wird so genannt, weil es das
einzige noch erhaltene Gebäude ist, das einen konkreten Bezug zu den
Hexenprozessen hat. In ihm wohnte nämlich der verantwortliche Richter: Jonathan
Corwin. Keine hundert Schritt davon entfernt steht die Villa der Ropes-Familie
von 1727 im georgianischen Stil mit einem prächtigen Gärtchen hinterm Haus. Wir
ließen’s dabei und zügelten wieder nach Boston zurück.
| "Hexenhaus" |
| Ropes-Villa |
In Boston wurde die Erinnerung an die Faneuil Hall aufgefrischt,
denn dort in der Nähe stiegen wir nämlich aus der Metrostation aus. Sie ist eines der ältesten Gebäude der Stadt und im gesamten Bundesstaat Massachussetts.
Peter Faneuil (1700-1743) war u.a. auch Sklavenhändler, weswegen es immer
wieder Kritik an der Markthalle gibt (und auch ihr Abriss gefordert wird). Derzeit
ist sie allerdings – wie auch anders – mit Baugerüsten umstellt. Drinnen wird
sie allerdings noch immer als Versammlungsraum genutzt, jenem Saal, in dem
schon Reden pro Unabhängigkeit von England gehalten wurden. (Halle ohne Bauhülle aus Blog 2018 hier)
| Faneuil Hall. Heute eine von drei ähnlichen Markthallen. |
| Versammlungssaal über der Markthalle |
Nach einem Zwischenstopp in einer „Tatte Bakery“ ging’s zum
letzten Urlaubsgroßziel: der Blaumanngruppe (Blue Man Group). Eine Show, die „Musik,
Zirkusclownerie und Performance“ verspricht, „bei dem das Publikum oft
einbezogen wird“, was heißt: häufig nass gespritzt wird :).
Wir saßen aber sehr günstig mit guter Sicht auf die Bühne und außer
Wasserreichweite.
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| Blaue Pantomimen in Aktion (offizielles Photo) |
