Sonntag, 26. Februar 2017

Zu Besuch bei Aphrodite

Bevor wir morgen (grüner Montag) mit den Bussen so „ziemlich nirgendwohin“ kommen, fuhren wir heute zunächst nach Petra tou Romiou, dem Geburtsort der Aphrodite, und keine zwei Stunden später zum Heiligtum in Kouklia, in dem ihr im 12. Jhd. v. Chr. gehuldigt wurde.

Da Aphrodite nie und nimmer einfach irgendwo ("an einer Bank in der Pampa") aus dem Meer entstiegen wäre, musste dieser Küstenstreifen etwas ganz Besonderes sein. Das ist er auch: Er zählt zu den schönsten von ganz Zypern, na klar. Die drei ensamblierten Kalksteinfelsen am besagten Ort tragen den touristisch wirksamen Namen „Fels der Aphrodite“ und ragen tatsächlich fotogen aus den seichten Fluten. 


Das klare Wasser lud auch schon am Vormittag Badewütige zum Baden ein, wir begnügten uns mit dem Ausschauhalten nach DEM perfekten ei-förmigen Stein. Nicht oval, eiförmig sollte er sein (manche Sachen muss man nicht verstehen). Natürlich fand ich den perfektesten unter den perfekt geschliffenen Steinen, aber er stieß (natürlich) nicht auf Gegenliebe. Ob es an der Größe oder am Gewicht lag? Jedenfalls wurde er kurzerhand zum Turmbau verwendet. Mit Fingerspitzengefühl, aber ohne Spuke türmte ich also perfekt austarierte Steine aufeinander und kam mir ganz entspannt dabei vor.

Pünktlich, wie bis jetzt jeder Bus, fuhren wir nach Kouklia, wo Ausgrabungen Steinreste des „Palai“-Paphos (Alt-Paphos) zutage gefördert hatten, dem mächtigsten Stadtstaat Zyperns in der Antike. Allerdings wurde die Gegend wohl schon zur Bronzezeit besiedelt und auch schon in dieser vor-griechischen Zeit wurde einer Fruchtbarkeitsgöttin gehuldigt. Eine ausgestellte Figurine kommt dem „Idol von Pomos“ jedenfalls sehr nahe. Eine Vielzahl solcher Figürchen mit eindeutig weiblichen Attributen und einzigartigem Aussehen in Stil und Form wurde nur in Zypern gefunden, weswegen das „Idol“ noch heute die 1- und 2-Euromünzen Zyperns schmückt.

Der Aphrodite-Kult konnte es bei dieser Vorgeschichte jedenfalls nicht besonders schwer gehabt haben. Von der Kultstätte liegen aber nur noch vereinzelt Steine in der Landschaft herum. Das Heiligtum hatte es nicht immer leicht: Mehrere Erdbeben machten es dem Erdboden gleich, die Perser belagerten die Stadt und schließlich, 325 v. Chr., wurde die Stadt nach Kato-Paphos verlegt. Schließlich ließ Kaiser Theodosius am Ende des 4. Jhd. den Tempel schleifen und verbot sämtliche „heidnische“ Kulte. Auch die Umgestaltung und Neubebauung des Areals unter den Kreuzrittern und Türken bekamen dem Heiligtum nicht. 

 

Etwas weiter „hinten“ wurden Bodenmosaiken einer römischen Villa freigelegt. Eines zeigt Königin Leda mit Zeus in Schwanengestalt. Anders als in Kato-Paphos hängt in Kouklia das Original hinter Glas im ansässigen Museum und unter dem ausgebreiteten Zeltdach unter freiem Himmel wurde eine Kopie hingebastelt. 


Direkt vor dem umzäunten Areal steht etwas verwaist die Kirche Chrystosopolitissa aus dem 12. Jhd. Leider hielt die Jungfrau Maria nicht Hof und die aus dem 14. Jhd. erhaltenen Fresken und Mosaiken blieben uns verwehrt. 

Nach einem ausgiebigen Mittagsmal – klassischer griechischer Salat mit Halloumi, Pitabrot mit Tsatsiki sowie Knobibrot, serviert, nicht mehr ganz so klassisch, von einer Armenierin – bestiegen wir den Bus Richtung Hafenpromenade von Paphos, wo wir uns ein lecker Eis gönnten :). Natürlich verschmähten wir den von der Hausherrin gebackenen und nach unserem Salätchen servierten typisch zypriotischen Orangenkuchen NICHT. Ich frage mich allerdings, wie die Zyprioten "Ureinwohner" wohl an Couscous gekommen sind, denn daraus bestand der "Teig" nämlich???

Auf dem Nachhauseweg sackten wir noch frisches Brot ein und mit Blogschreiben gehen dann schon mal ein Stündchen oder auch zwei ins Land und Schwupps, ist auch dieser Tag (fast) Geschichte (21:45 Ortszeit). 

Stilles Kloster und schriller Karnevall

Auch am nächsten Tag hatten wir ambitionierte Pläne: Nach Panagia sollte es gehen, ins Gebirge hinein, und dann entlang des „Naturpfades“ hin zu Kirchlein und Klösterlein. Der Bus fuhr uns auch hin ins Dorf und lud uns gegen 10.00 Uhr am Museum für Erzbishof Makarios III. ab, erster Präsident der Republik, nach dem in jedem Kaff eine Straße benannt ist. (Der Rest heißt Dionysos-Straße, Aphrodite-Straße, Poseidon-, Apollo-,…) Wir wollten dem Herrn aber nicht huldigen und machten uns auf zum Naturpfad. Die Zeit war schließlich gut bemessen: Der letzte Bus zurück in die Zivilisation fuhr 13:05 Uhr. Aber das sollte ja reichen für so einen 7 km langen… ach, 10 km? Ach, bergauf? Hm… ächtz, schnauf, röchel. Eine Stunde später waren wir den Pfeilen auf den Berg Vouni gefolgt und sind bei 1140 Höhenmetern auch auf seinem Gipfel angekommen. Was soll man sagen, schöne Aussicht gab es. Ob „Büsche und Kriechgewächse auf Steinlandschaft“ als „Natur“ durchgehen, naja. 



Ob wir in den restlichen Stunden die Kirchen auf dem Rest des Pfades erreichen würden? Unwahrscheinlich. Also stiegen wir den Berg wieder hinab und gingen im frischen Automief ganz klassisch entlang der Straße wenigstens zum Kloster Chrysorrogiatissa. Gegründet wurde es im Jahr 1152 vom Eremiten Ignatius, der von einem Lichtschein zu einer versteckten Ikone geführt worden war. Das Kloster ist bekannt für seinen hier gekelterten Weine und die Werkstatt für Ikonen-Restaurationen. Außerdem besteht es aus einer Kirche im Innenhof eines zweistöckigen Gebäudes mit Arkaden, einem Weinkeller und einer schönen Terrasse am Berghang. 


Wir beneideten mal wieder die Autotouristen, als wir zur Bushaltestelle zurückdackelten. Der Gaststättenwirt, bei dem wir noch Flüssigkeit tankten, erzählte uns, dass am Montag Feiertag sei, nämlich der Grüne Montag. Alle Zyprioten würden Auswärts essen und zwar nur vegetarisch. Bis auf Oktopus, der geht auch als Pflanze durch. Und die Busse würden nach Sonntag-Fahrplan fahren. Super, das heißt im Klartext: so ziemlich nirgendwohin. 

Aber wir kamen pünktlich zum Karneval zurück nach Paphos. Am Hafen war wohl die ganze Umgebung zusammengekommen, denn Paphos kann doch eine ganze Menge Menschen unterbringen, wenn  sie denn kommen. Und sie kamen, weil wohl alle Schulen, Tanzschulen und Geschäfte der Stadt bei der Parade vertreten waren: mit bunten Wägen, Tanzeinlagen, Kostümen und Wedel-Pompeseln. Die Stimmung war dabei sehr ausgelassen, es gab eine Menge Konfetti und Luftschlangen-Dosen zu kaufen, aber keinen Alkohol. 



Abends verteilte sich die Menge auf die Bars und Cafés (wir kehrten in einer Super-duper Eisdiele ein; hm... leckerlich) und am nächsten Morgen war das Konfetti von den Straßen gefegt und alles wieder sauber hergerichtet.       

Samstag, 25. Februar 2017

Paphos - wir sind da und wollen was sehen

Mein vorgeschlagener Plan für unseren ersten ganzen Tag in Paphos sah wie folgt aus: Ausgrabungen ansehen, d.h. die Reste von römischen Villen und den erhaltenen Bodenmosaiken sowie die Königsgräber. Anschließend sollte uns ein Bus zur „Korallenbucht“ bringen, wo wir in einen anderen umsteigen würden, um zum Kloster Neofytos zu gelangen, einem im 12. Jhd. gegründeten Kloster, dessen Räumlichkeiten zum Teil in eine steile Felswand hineingegraben wurden. Von dort hätte uns ein Pfad zur und durch die Avaka-Schlucht geleiten sollen, bevor uns ein-zwei Busse wieder zurück nach Paphos-Stadt bringen würden.


Klingt nach viel? Sicher, wäre aber machbar gewesen, wenn a) die Ausgrabungsstätte wirklich sowohl die Reste der römischen Villen als auch die Königsgräber eingeschlossen hätte, b) die Umsteigezeiten der Busse besser gepasst hätten, c) ich das Kloster Neofytos nicht mit dem Kloster Georgios verwechselt hätte und schließlich d) die Avaka-Schlucht tatsächlich fußläufig zu erreichen gewesen wäre, wie es laut Reiseführer den Anschein hatte. Ihr könnt euch also denken, dass dieser Plan so nicht funktioniert hat… allerdings haben wir andere schöne Ecken entdeckt.

Als wir morgens im Sonnenschein an der Hafenpromenade entlang zur Ausgrabungsstätte in Kato(Unteres)-Paphos entlanggeschlendert sind, lief noch alles nach Plan. Der Archäologische Park umfasst ca. 1/3 des antiken Paphos und ist UNESCO Weltkulturerbe. Gegründet wurde die Stadt vermutlich schon im 4. Jh. v. Chr., noch bevor sie eine Stadt des Ptolemäerreichs wurde. Die erhaltenen Reste sind überwiegend aus der nachfolgenden römischen Zeit. Die Steinhaufen waren schön anzusehen, vor allem, weil die Mosaiken wirklich in einem hervorragenden Zustand erhalten sind. Im Haus des Aion konnte man ein prächtiges Bodenmosaik der ehemaligen Eingangshalle bestaunen: Leda mit Zeus in Schwanengestalt, obwohl vom Schwan nur der Schwanz zu erahnen war (wenn überhaupt), Apollo und Dyonisus waren auch mit von der Partie, außerdem noch Ambrosia und Nektar als Personifizierungen und und und. Mit etwas Abstand zu dieser „kleinen“ Villa stand der vermutlich fast 10.000 km2-große Palast des römischen Stadthalters: die Villa des Theseus. Erhalten sind leider nur ein paar Grundmauern, eine Säulenreihe und natürlich ein prächtiges Mosaik. Diesmal puzzelte der Künstler Theseus und den Kampf gegen den Minotaurus im Labyrinth. Ausgegraben hat das alles übrigens ein Team der Universität Warschau. Trotzdem, seit mehreren 100 Jahren liegt das Mosaik so da und glänzt wie eh und je. Es ist erstaunlich. 



Auf dem weitläufigen Gelände gibt es außerdem das römische Odeon und die Festung Saranda Kolones aus fränkischer Zeit, in der auch viele antike Säulen als Spolien wiederverwendet wurden.
Den Weltkulturerbestatus der UNESCO hat das Areal zurecht!

Nach zwei Stunden Stein-Gelatsche haben wir die Königsgräber vom Plan gestrichen und uns in den Bus zur Korallenbucht gesetzt. Die Strand-Busse fahren am häufigsten, auch wenn es noch kaum Badewütige gibt. In der Bucht war Warten angesagt, also versuchten wir diesmal, die Touristenfallen mit Pizza, Pasta und Ofenkartoffel zu umgehen und fanden ein Restaurant mit zypriotischen Spezialitäten. Nun, Moussaka und Lamm gibt es sicherlich auch anderswo, aber geschmeckt hat es gut. Sonne hatten wir auch getankt, es konnte also weitergehen! Schlau, wie wir sind, hatten wir den Busplan ja dahingehend enträtselt, dass der nächste Bus 616 praktisch vor dem Restaurant vorbeikommen musste!  Jaa…nach diesem Bus fragen die Leute oft, meinte er Kellner. Aber ehrlich, er habe diesen Bus noch nieeee gesehen. O_O Verunsichert huschten wir also doch flugs zur Endhaltestelle der Route, denn vielleicht gibt es da ja eine Auskunft..? Nein, da gab‘s die berühmte einsame Bus-Wartebank. Die Lösung war aber simpel: Pünktlich erschien eine Marschrutka, ein Minivan also, der sich als Bus 616 zu erkennen gab und der auch wirklich reichlich Platz für alle bot – so für uns zwei Hanseln halt. An der Endhaltestelle wurden wir 'rausgeschmissen, direkt vor die Tore der Agio Georgios – ein hässlicher Neo-Bau aus dem 20. Jhd. Immerhin mit „szenischem Ausblick“.


Nachdem die Kirche also in 5 Minuten besehen war, szenierten wir die Lage: Der Küstenblick war malerisch und der nächste Programmpunkt, die Avaka-Schlucht, verdammt weit, nämlich ca. 1 Stunde Fußmarsch an der Straße entlang entfernt. Es war bereits 15.00 Uhr und ab 17.00 Uhr macht sich die Sonne dann genauso rar wie der Bus 616 zurück in bewohnte Gefilde. Also wurde die Avaka-Schlucht vom Plan gestrichen und Paphos-Innenstadt kurzerhand draufgesetzt. Wir mussten ja noch die Hauptbusstation Karavella für weitere Exkursionen finden! 

Die gute Nachricht ist: Wir fanden Karavella. Die schlechte: Die Station versteckt sich in einem Meer aus Bauarbeiten, die die ganze „Innenstadt“ von Paphos umfasst. Wir dachten ja, die Fußgängerzne am Hafen sei menschenleer. Ha! Die Einkaufsmeile in Paphos dürft ihr euch gerne in folgender Szene vorstellen: trostlose Westernmusik. Karge Landschaft. Wind weht. Gestrüppbüschel wehen durch die Flügeltüren des verlassenen Saloons. Der Held fragt sich, was dieser Stadt widerfahren ist…


Wirklich, ich habe noch nie etwas Trostloseres gesehen als die handvoll Geschäfte, die in diesen drei Straßenzügen tatsächlich geöffnet waren. Es wirkt so, als versuche man, bis Sommer(?) ein vollkommen neues Zentrum für Paphos zu zimmern, aber der schöne Hafenblick fehlt halt und somit die Leute. Wir flohen also wieder zum Hafen, wo es schön ist und nach Stadt aussieht, und mampften griechischen Salat mit Halloumi.

Paphos - wir kommen!

Der Umzug nach Paphos funktionierte reibungslos. Am Abend zuvor haben wir per E-Mail ein Taxi bestellt, das uns samt Köfferchen zur Hafenpromenade von Larnaka beförderte, von der aus wir 08:45 Uhr den unmittelbar nach Paphos fahrenden Inter-City-Bus nehmen konnten (wie wir es uns an den beiden Tagen zuvor zusammengereimt hatten). In Zypern hat man nämlich die Angewohnheit, nur die Abfahrzeiten der Busse vom Anfang der Route anzugeben. Selbst, wenn du im Internet nach einer bestimmten Haltestelle suchst. Und so hatte ich zunächst die Angabe gefunden, der Bus Larnaka – Paphos würde 07:30 Uhr abfahren und 3 Stunden bis zum Ziel brauchen. Zum Glück spezifizierte eine Tafel an der Haltestelle, dass der Bus 07.30 in Paralimni losfährt, zur wesentlich besseren Touristenzeit in Larnaka sein würde und dass die Fahrt nach Paphos dann nur noch knapp 2 Stunden dauerte, merkten wir selbst. Dass der Bus auch an der für uns weitaus günstiger gelegenen Haltestelle ebenfalls halten würde, vermuteten wir zwar ebenfalls, trauten unser Annahme aber nicht so ganz – zu Unrecht, wie sich herausstellte. Sei’s drum.

Das mit den Haltestellen musste also noch geübt werden. Paphos und Umgebung ist für diese Schulung bestens geeignet. Allein in Paphos gab es mehrere Stationen zur Auswahl – wir entschieden uns zielsicher gegen den großen Busbahnhof mit Informationsstand und für die Bank in der Pampa (wir haben eben noch nicht ausgelernt). Nun ja… in Zypern sind wir jedenfalls sehr froh über die Offline-Karte auf dem Handy. Nach einer halben Stunde haben wir unsere Köfferchen aber doch noch in unsere neue Bleibe gerollt und was soll man sagen? Haben wir schejn gebucht! Nett, groß, modern, sauber und mit netter Nachbarin, die uns gleich half, die Vermieterin anzurufen, da wir das Schlüsselprinzip nicht begriffen hatten. Praktisch ist es eigentlich: Man hat eine kleine Box an der Tür, die man mit einem Code öffnen muss und da ist dann der eigentliche Schlüssel drin. Dumm nur, wenn man das Funktionieren dieser Box nicht gleich durchschaut, und nicht auf die Idee kommt, die Box zu öffnen, um an den eigentlichen Türschlüssel zu gelangen. Wir glaubten nämlich, dass  sich nach der Eingabe des Codes, die Tür wie von Zauberhand einfach für uns öffnen würde (was sie natürlich nicht tat). 


Alsdann spazierten wir ins Herz von Paphos – zum Hafen und der Promenade. Paphos hat drei kleinere Badestrände direkt an der Hafenbucht und so besteht das Areal aus Hotels, Palmen, Promenade, Cafés, Restaurants und Souvenirshops. Dabei sieht alles mediterran zusammengewürfelt aus, aber es gibt keine Mega-Komplexe, die die Landschaft verschandeln. Alles in großzügig angelegt und die Gebäude fast alle maximal zwei Etagen hoch, mit Terrassen und Balkons, Flachdächern und viel Schattenfläche.      
 
   
Dabei glänzt Zypern Ende Februar vor allem durch die Abwesenheit großer Reisegruppen. Wir haben, glaube ich, gerade mal eine Handvoll gesehen. Es sind vor allem Leute mit Mietwagen unterwegs, darunter viele Familien (mit erstaunlich kleinen Kindern). Aber insgesamt hält sich die Auslastung sehr in Grenzen, so dass die Stadt etwas verschlafen wirkt (gut, da hatten wir Paphos‘ Innenstadt noch nicht gesehen. Kleiner Tipp: Frankfurt, an der Oder natürlich, Sonntagnachmittag ist da vergleichsweise belebt, obwohl gar nichts los ist und niemand auf der Straße unterwegs ist, nicht einmal, um den Hund auszuführen.) 

Bei schönstem Sommer-Sonnenschein besichtigten wir das Kastell von Paphos, welches allerdings außer den Mauern selbst und einem guten Hafenblick nicht so viel zu bieten hat. Das Kastell war ursprünglich Teil einer eine byzantinischen Festungsanlage, die im 13. Jh. von den Lusignans wieder aufgebaut, von den Venezianern 1570 während der Invasion der Ottomanen abgebaut und, schließlich, von den Eroberern (den Ottomanen) wieder aufgebaut wurde. Als Zypern eine britische Kolonie war, wurde es als Salzlager genutzt. 


 

Auf unserem eingeschlagenen Rückweg liefen wir unbewusst direkt auf eine weitere Sehnswürdigkeit zu: der Agia Kyriaki. Die (kleine) Kirche wurde auf den Grundmauern einer früheren christlich-byzantinischen siebenschiffigen Basilika erbaut, was die vielen Steinhaufen neben der Kirche erklärt, die übrig geblieben sind, als die Araber die Basilika zerstörten. 

Danach versuchten wir ein bisschen, die Busrouten zu verstehen und zu erraten, wann Busse möglicherweise da oder dort sein könnten. Als Ausgangspunkte für unsere Raterei dienten dabei die einzig für den ersten Halt auf der Route angegebenen Abfahrtszeiten. Außerdem jagte Anka nach T-Shirts, aber Zyperns Modeangebot besteht im Prinzip aus zig Variationen des H&M-Angebots und bot rein gar nichts. Aber wir fanden einen Supermarkt zum Einkaufen und widmeten uns zu Hause der weiteren Busroutenplanung. Ein kleiner Heizer macht sich dabei ganz gut, denn die Häuser halten absolut keine Wärme und nach Sonnenuntergang ist es doch Zeit für einen Pullover.

Donnerstag, 23. Februar 2017

In Europas einziger geteilter Hauptstadt: Nikosia


Das mit den Intercity-Bussen ist recht übersichtlich, also war es auch kein Problem, erfolgreich den Bus nach Nikosia (Lefkosia) zu nehmen. Benannt nach Leucus, wohl Sohn von Ptolemäus I., der die Stadt um 200-300 v.Chr. wieder aufgebaut haben soll. Seit dem 11. Jh. ist die Stadt immerhin die Hauptstadt der Insel. Dabei passt das Wichtigste in die 11 Bastionen der venezianischen Festungsmauer, die 4.5 km lang ist. Da hat man ja schon Befürchtungen, man könne den Tag gar nicht rumkriegen in diesem Nest! Zumal auf der sehr netten Ortskarte partout nur der südliche griechische Teil eingezeichnet ist.

Also wandten wir uns zunächst der berühmten Trennmauer und der sich dahinter befindlichen berüchtigten Sperrzone zu. Mauer ist dabei zu viel gesagt. Es sind einfach verfallene Häuserreihen, die seit Jahren leer stehen und ab und an durch Tonnen mit Maschendraht abgesperrt sind. Es erinnern Freiheitsdenkmale wie das auf dem Foto oben rechts an "die Befreiung des zypriotischen Volkes". Von den Briten wohl. 

Insgesamt bietet das Stadtbild ein zwiespältiges Bild: Neben modernen Häusern und schicken Boutiquen reihen sich verfallene Gassen und Steinhaufen, halb zusammengesunkene Wände und Abrisshäuser. Aber es steht alles durcheinander, plötzlich schick, plötzlich verlassen. Anscheinend gibt es einen neuen Nikosia Masterplan, nach dem mit EU-Mitteln Häuser restauriert werden (sollen), damit die Innenstadt wieder attraktiver wird.

Die Sehenswürdigkeiten sind klein und fein. Also, vor allem ziemlich klein. Es ist doch ein großer Kontrast zu den gotischen oder barocken Prachtbauten in Deutschland, Großbritannien und Frankreich. Die Kirchen und Moscheen sind alle aus dem typischen hellen Stein, gedrungen gebaut und mit kleineren Fenstern versehen. Ausgetobt haben sich die Meister lieber im Inneren, wie z.B. in der Johanniskathedrale (Bild oben rechts). Gebaut 1666, auf den Ruinen eines mittelalterlichen Benediktinerklosters, ist das kleine Haus komplett mit Fresken aus dem 18. Jh. bemalt. Alles erzählt die Geschichte Jesu. Mit dabei ist auch Barnabas, der Gründer der zypriotischen Kirche. Der Altar ist bis auf die enthaltenen Heiligenbilder komplett vergoldet und nimmt die ganze Breite des Hauses ein.

Alsdann wandelten wir auf der Lidras-Prachtstraße. Also, einem kleinen Boulevard mit vielen Cafés, den üblichen Klamottenläden und den Souvenirshops. Am Ende des Lidras ist die Türkei – auch wenn die Grenzstation recht touristisch daherkommt. Immerhin weiß man, seinen Ruhm zu nutzen und wirbt mit „Die einzige geteilte Hauptstadt Europas!“ für das kleine Grenzhäuschen. 


Nachdem man also brav zweimal seinen Pass vorgezeigt hat, begrüßt einen die Türkei als eine ärmlichere Version des griechischen Zypern. Es sind eindeutig weniger Menschen unterwegs und die Läden haben die Stufe „Touristenfalle“ und „Ramsch“ erreicht. Aber schnucklig sind die Gässchen schon (also die, die nicht zerfallen) und in der Tat kann auch dieser Teil mit Geschichte aufwarten. 


Unser Mittagsmahl fanden wir im Büyük Han – dem „Großen Gasthaus“, einer alten Karavanserei von 1572. Gebaut wurde die als Unterkunft für reisende Kaufleute kurz nach der Eroberung von Nikosia durch die Türken. Unter den Briten war es ein Gefängnis, heute eine Gaststätte mit dem Anspruch, im zweiten Stock Künstlern Läden zu bieten. In der Tat waren einige Handarbeiten dabei. In der Mitte steht eine kleine Moschee. Der erhabene Eindruck wird nur leicht durch die Bank geschmälert, die bunt umhäkelt vor der Moschee steht und auf der sich posierende Touristen räkeln. ;)

von außen 
  Mitte                                                       Innen

Ein weiteres Schmuckstück ist die Selimiye-Moschee, oder auch Ex-Sophienkathedrale. Diese wurde einst im 13.-14. Jh. im gotischen Still gebaut und galt als schönster christlicher Sakralbau des Nahen Ostens. Hier wurden die Könige von Zypern gekrönt. Im 16. Jh. wurde daraus aber eine Moschee, die Innenausstattung wurde hochkant rausgeworfen, dafür wurden u.a. zwei Minarette obendrauf geklebt. Passt, fällt gar nicht auf.           
    

Zu Guter Letzt: Baklava! (Baklava ist ein Gebäck aus Blätter- bzw. Filoteig, gefüllt mit gehackten Walnüssen, Mandeln oder Pistazien, eingelegt in Sirup.)

Larnaca – Landung im Sarkophag

Dienstagabend, eine Stunde früher als von der Fluggesellschaft angegeben, landeten wir im „Sarkophag“, umgeben von den Ruinen des alten Kition im heutigen Zypern. Griech. „Larnax“ bedeutet Sarkophag, weil die Stadt inmitten der alten Gräber Kitions angelegt worden ist. Es handelt sich natürlich nicht um irgendwelche Gräber, schließlich wurde Kition eins von Noahs Enkel gegründet! Wenn man dem Reiseführer glaubt. ;)

Nachdem die Landung so gut geklappt hat, sind wir auch schnurstracks dem „Bus“-Zeichen folgend nicht bei den Stadtbussen gelandet. Als „Bus“ qualifiziert wohl nur, was gleich wieder weg will aus Larnaka, nämlich nach Limassol oder Sonstwo. Aber wir wollten doch in die Stadt! Zum Glück entdeckte Anka mit ihrem Scharfblick einen (unseren) Bus, wie er an Flughafen vorbei entlangschipperte. Aha! Also ging es in die Stadt rein. Zum Glück hat der Busfahrer gemerkt, dass wir keine Ahnung hatten und schmiss uns an der richtigen Haltestelle hinaus. Wir fanden auch unsere Unterkunft und den super sicher (die Versicherung würde sich freuen) hinterlegten Schlüssel und besahen unser neues Domizil. Sagen wir, typisch zypriotisch! Eine kleine Hazienda mit Garten und Terrasse, liebevoll ausstaffiert mit Fließen und weißem Putz, zusammengehalten durch..äh..Tradition. Also, alte, knarrige, leicht lawede Tradition. Das ganze Haus ist für Gäste gedacht, wir haben ein Zimmer und teilen Bad und Küche mit anderen. Aber wie gesagt, die Häuser der Umgebung sehen genauso alt aus, vom Typ „gebaut vom Urgroßvater, seitdem nur geflickt“. Aber wir hatten ja nicht vor, Wurzeln zu schlagen.
 
Schon machten wir uns auf ins pulsierende Larnaka. Boah, da steppt der Bär. Also, die Katzen. Viele Katzen. Ansonsten zischen andauernd Autos mit lauter Musik an einem vorbei, aber das ist fast das einzige Lebenszeichen. Gegen 20:00 Uhr ist alles zu und leer, bis man in der Innenstadt auf zwei geöffnete Bars mit lauter Musik trifft. Aber da sah es nicht mehr nach Essen aus, also gönnten wir uns einen echt-zypriotischen Döner für bloß 5 €. Natürlich fanden wir bei unserem Erkundungsgang danach an jeder Ecke… aber egal. Wir besahen uns natürlich Larnakas wunderbare Sehns.. ach nein. Ein gewisser Jemand wollte ja zum Hafen. Zu dem, der auf der Karte zwar eingezeichnet, aber nirgendwo betretbar ist. Nach 4 km hin und zurück wussten wir zumindest, dass wir alle Sehensürdigkeiten gekonnt umschifft hatten, Larnaka an sich recht hässlich ist und wir uns an die ausgeschilderten Attraktionen halten sollten. Gegen inzwischen 23.00 Uhr streikten aber die Füße einer gewissen anderen Person, so dass wir nach einem kurzen Dreh am eigentlichen Strand wieder in unsere Bleibe schlichen. 


Larnaka bei Tag und am richtigen Fleck sieht da doch schon viel besser aus. Vor allem, wenn man im Februar ca. 20 Grad bei strahlendem Sonnenschein hat! Ätsch! Die zentrale Busstation liegt jedenfalls direkt an der Strandpromenade, so dass wir wenigstens diese genießen konnten. Vielleicht bleibt uns am letzten Tag noch etwas Zeit für Larnaka.