Samstag, 19. Oktober 2019

Boston (Abflug, 11.10.2019)


Tja, der letzte Tag ist schnell erzählt. Etwas umständlich in der Planung, aber es wurde in der „Tatte“ zum letzten Mal gefrühstückt, dann der Koffer geholt, dann mit Koffer im Schlepptau und im strömenden Nieselregen ein geführter Rundgang über den Campus von Harvard mitgemacht (weswegen es keine Fotos gibt) und dann mit Metro und „Silver Line Bus 1“ (Silberne Buslinie 1) zum Flughafen gefahren. Schon ohne Koffer aßen wir im Terminal C zu Mittag (widererwarten sehr lecker!). Im strömenden Gussregen (und ich nur im Pullover!) ging’s für mich „nach Hause“.  

Haben wir was gelernt? ‘türlich. Wir wissen nämlich jetzt, dass die „Widener Library“, also die Hauptbibliothek Harvards, eigentlich „Harry Elkins Widener Memorial Library“ heißt (Harry Elkins Widener Gedächtnisbibliothek). Gestiftet wurde das Gebäude nämlich von Eleanor Elkins Widener, der Mutter von Harry, der 1907 sein Studium an der Universität abgeschlossen hatte und auf seiner Rückreise aus Europa (mit Büchern im Gepäck) ertrank. Mit ihm und seinen Büchern ging die Titanic also unter. Da die gute Frau verfügte, dass an dem Denkmal für ihren Sohn nichts verändert werden darf, musste die Bibliothek (die 3. größte in den USA, hinter der Kongressbibliothek in Washington  und der New Yorker öffentlichen Bibliothek, wenn man der Homepage glauben darf. Auf der Liste der weltweit größten Bibliotheken nimmt sie Platz 19 ein, noch hinter der Bostoner öffentlichen Bibliothek... Je nach dem, wie was gezählt wird wahrscheinlich.) mittlerweile unterirdisch expandieren. Der Großteil der fotosschießenden Touris auf dem Vorplatz der Bib trampelt also über Bücherregalen herum. 

Bei dem Versuch die „Gutenbergbibel“ zu stehlen, entkam der Fastdieb zwar dem Tod, nicht aber seiner Haftstrafe. Clever wie er war, wartete er auf einer Toilette die Schließzeit der Bib ab und kroch in den Luftschächten bis in den Aufbewahrungsraum vor. Dumm wie er war bedachte er das Gewicht besagten Buches (gebunden in zwei Folianten) nicht und stürzte mit ihnen auf dem Rücken beim Klettern in die Tiefe. Halb bewusstlos fand man ihn am nächsten Morgen... Einem anderen „Dieb“ brachte die Rettung eines seltenen Buches die Exmatrikulation ein. Bevor die Widener Library errichtet worden war, gab es ein älteres Gebäude, in dem die Ausleihe von Büchern strikt untersagt war. Ein Student entwendete trotzdem ein seltenes Buch aus der Hinterlassenschaft von John Harvard, dem "Gründer" der Universität, das er zum Arbeiten brauchte. Niemand hätte etwas gemerkt, denn das Buch wollte er tatsächlich am nächsten Tag einfach zurückbringen. Zu seinem Pech ging das Gebäude just in derselben Nacht in Flammen auf. Hin und hergerissen zwischen „Geb‘ ich zu, das ich das Buch habe“ und „Behalte ich das Buch, weil eh jeder glaubt, es sei verbrannt“ entschied sich der Aufrechte für die Wahrheit. Aus Dankbarkeit für die Rückgabe des Buches, verzichtete man auf eine Strafverfolgung, von der Uni verwiesen wurde er trotzdem. 

Apropos John Harvard (1607-1638). Das er der alleinige "Gründer" von Harvard sei, ist mittlerweile als Mythos enttarnt. Vielmehr ist seine Schenkung die Größte gewesen, weshalb das erste, bereits bestehende College, in "Harvard College" umbenannt wurde. Aus diesem entwickelte sich pö a pö (ich weiß, peu à peu) die Uni. Das Denkmal auf dem Campus von 1884 zu seinen Ehren ist auch nicht wirklich "er". Er starb Kinderlos, direkte Nachkommen gab es nicht. Als Referenz für "sein" Aussehen, wurde deshalb das Bildnis eines Neffen oder Cousins von ihm herangezogen, der ebenfalls in Harvard ausgebildet wurde.

Wer jetzt noch liest, der hat sich doch ein Foto verdient ;)
Der Franz auf seiner Lufti während selbiger am Abflugstag die Luft ausgeht.

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