Donnerstag, 24. Oktober 2019

Harvard I


Der erste Tag „in Harvard“ war erst einmal ein Feiertag – „Columbus Day“. Die US-Amerikaner feiern ihr Ankommen in Nordamerika ja mit Thanksgiving ("Danktag", in diesem Jahr am 28. November). Das ist aber offensichtlich nicht genug und deshalb ehren sie die „Entdeckung“ der Karibik (Haiti) durch Kolumbus (und die folgende Kolonisation Südamerikas durch die Spanier und Portugiesen) gleich auch noch. Man kann schließlich nie genug an die "Weiße Präsenz" auf den beiden Kontinenten erinnern... Einige der Uni-Bibliotheken hatten aber offen.

Die ersten drei Tage habe ich in der Widener Library verbracht, von der im Blog schon die Rede war. Da ich an jenem Feiertagsmontag (14.10.2019) zeitig da und außer mir sonst noch Niemand da war, hab‘ ich schnell zwei Fotos von innen gemacht, was sonst strengsten untersagt ist. Psst, nicht weitersagen! 

Widener Library (Hauptbibliothek) bei deutlich besserem Wetter als am Freitag zuvor. Auch die Menschen"massen" halten sich um 8:00 in Grenzen.
Widener Library. Um 9:00 ist man (noch) alleine. Die Bibs machen hier generell erst um 9:00 auf. Dafür haben einige bis 02:00 Uhr nachts geöffnet. Bei den  Ökonomen und Juristen gibt es auch 24-h-Bibos.

Widener Library. In jeder Bib gibt es neben Arbeitsschreibtischen auch immer Sesselgruppen. Bequem und gemütlich, für manche auch Mittagsschlafplätzchen.
Mittlerweile bin ich in eine kleinere Bib auf dem Campus umgezogen (Lamont Library). Wie der Rilke’sche Panter im Zoo kan ich mir nämlich schon ein bissl vor. Ständig läuft einem eine chinesisch-koreanisch-indische Touristengruppe voorweg. Zwischendrin versprengte Deutsche, Franzosen, Italiener, Polen oder Russen, die einem entweder den Weg versperren, weil sie auf das perfekte Photo von sich, der Freundin oder der Family hoffen und einem wie wild vorm Gesicht herumfuchteln, um die Aufstellung zu dirigieren, damit die Bildkomposition stimmt oder aber sie haben schon Stellung bezogen und werden ewig nicht fertig. In der Bibliothek selbst wird man von einigen Reisegruppen mit Sondergenehmigung begafft. Nix wie weg! Wer nicht unbedingt ein Buch von dort braucht, weicht auf andere aus, das habe ich sehr schnell gelernt. Gemütliche Sessel für den Lunch (Mittag) gibt’s überall :). Außerdem: große Hallen - großes Frierpotential; kleinere Hallen - warme Hände!

Lamont Library (Handy)

Lamont Library. Hier gibt es neben "einfachen" Schreibtischen auch so 'ne Art offene "Schreibboxen" (links im Bild), um "abgeschirmt" noch tiefer in die Materie versinken zu können. (Handy)
Das Weatherhead Center for Global Studies (Weatherhead Zentrum für Globalgeschichte) mit seinem „Research Cluster on Global Transformations“ (Forschungsbereich zu globalen Transformationsprozessen, an dem ich angedockt bin) hat seinen Hauptsitz in Spuckweite abseits des Hauptcampus. Die Kolloquien finden allerdings entweder im historischen Seminar auf dem Campus oder in der Business-School (andere Flussseite, also schon Boston, 20 Fußgehminuten vom Center entfernt) statt. Fast alle Gebäude, Zimmer, Bibliotheken oder Grünanlagen haben hier Namen. Namen von verdienten Profs, Absolventen, Geldgebern, usw. Deswegen gehe ich jetzt häufiger zu „Robinson“ (Robinson Hall) oder "Chao" (Ruth Mulan Chu Chao Center). 

Weatherhead Center im "Knafel Building" (Knafel-Gebäude). Die "Türreihe" zu ebener Erde gehören zu einer Cafete. Das Essen kann auch nach draußen genommen werden, wo man es sich auf Stühlchen im Grünen gemütlich machen kann (also, wenn Wetter ist). Rechts im Bild ist ein Teil der Mensa von der Design-Schule zu sehen.

Formschön. Design-Center eben (von vorne; Knafel rechts daneben).