Fliegen sollte man schon deshalb
reduzieren, weil es v.a. eins bedeutet: Stress, Stress, Stress. Überpünktliche
Ankunft dank allgemeiner Zweifel am Berliner Öffisystem, Warten an der
Gepäckaufgabe, Holzklasse bei der Sicherheitskontrolle (schell darf nämlich
nicht der, der sonst seinen Flug verpasst, sondern der, der einen Fast-Pass
extra krauft), Passkontrolle, Warten auf das Boarding, überteuertes zweites
Frühstück, unspektakulärer Flug mit Verspätung, Stress beim Umsteigen,
Passkontrolle, Schlangenlinieren durch ein Labyrinth aus Absperrbändern,
Passkontrolle, Labyrinth, Passkontrolle, zweites Boarding, Verspätung beim
Start, 3 Filme und rote Hamsteraugen später endlich Ankunft, Passkontrolle,
Absperrband-Labyrinth, Anstehen an den eletronischen Einreiseterminals, Labyrinth,
Labytrinth, Koffer immerhin auch angekommen, Labyrinth, Welcome in Kanada!
Man müsste doch endlich das Beamen
erfinden.
Auch am Frankfurter Flughafen wird das Frühaufstehen nicht honoriert. Die Gepäckabgabe öffnet erst kurz vor knapp und so hetzt man auch dort wieder durch die Sicherheits-, Pass- und Gepäckkontrolle. Für viel Freude sorgt die Liste derjenigen Passagiere, die leider als "überbucht" vom Flug "ausgeladen" werden. Die allgemeine Stimmung hebt sich nicht gerade, wenn auch diejenigen aussortiert werden, deren Plätze doppeltgebucht wurden... Das System ist zum K... Immerhin, mich, die ich immer alles mitnehme, traf es diesmal nicht. Ich durfte mit in den Flieger und abheben.... siebeneinhalb Stunden und mit zwei Stunden Verspätung: "Wolcome to Canada, my sweety" (Willkommen in Kanada, mein Zuckerstückchen". Nun hieß es Warten. Warten auf den Franz :)
Toronto ist mit knapp 2.615.060
Einwohnern (2011) die größte Stadt Kanadas, wobei sich in der Goldenes Hufeisen
genannten Region 8 Millionen Einwohner zwischen dem westlichen Ende des
Ontariosees und den Niagarafällen verteilen. Bereits vor 11.000 Jahreen zogen
indigene Völker hier umher. Die Wyandot oder Huronen nannten den Ort Tarantua
und bedeuet "Ort, an dem Bäume am Wasser stehen" und später "Ort
der Zusammenkünfte". Die Bezeichnung geht auf den Lake Simcoe, an dem die
Wyandot Bäume pflanzten und fischten, und eine Vrbindung von dort zum Huronsee,
zurück. Unser "Bäumchen", sprich Airbnb-Unterkunft, steht direkt an
der Hochstraße und den Gleisen, die den Hafenbereich vom Rest der Stadt
trennen.
Unser erster Tag war ganz der füßlichen
Stadterkundung gewidmet. Dabei entstand der Eindruck, als wäre mindestens jede
zweite Person, die wir sahen, asiatischer Herkunft und in der Tat bestätigt die Statistik
unsren Eindruck. Während 1901 lediglich 8 % der Bevölkerung nicht Britisch war
und 1981 nur 14% nicht in Kanada geboren war, zählte man 2016 nur noch 50%
Bleichgesichter. Nur 0,7% sind Indianer (in Kanada politisch korrekt "First
Nations" genannt), auch die schwarze Bevölkerung kommt nur auf 8,5%.
Knapp eine Hälfe ist also asiatischer Abstammung, und das sieht man.
Wir fingen beim St. Lawrence Market an,
dessen Hallen 1845 erbaut worden sind, nachdem sich der Markt um 1800 dort
etabliert hat. Auch heute noch handelt es sich um einen Wochenmarkt,
Essensverkauf und natürlich ein paar touristische Buden.
| St. Lawrence Market |
| St. Lawrence Market (noch leer, weil "vor dem Aufstehen") |
Von dort ging es nördlich, vorbei an der
Skyline Torontos, die irgendwie hinter die recht gebrechlichen Fassaden von
alt-Toronto geklebt worden sind. Alle Hochhäuser sind nach dem Prinzip
"Spiegelflächen will die Welt" gebaut - es glänzt in der Sonne von
allen Seiten. Man fragt sich, wo die Wandflächen geblieben sind, alles scheint
von oben bis unten Glas zu sein. Was denselben hässlichen Effekt ergibt wie
schon in Japan: Wer sich nicht andauernd unter den Schreibtisch gucken lassen
will, zimmert sich irgendwelche Blenden vor die bodentiefen Glasfassaden, was
den chicken Look, sagen wir mal, maximal beeinträchtigt. Oder es gibt
Fenster-Vollverschleierung. Tja, wem's gefällt.
| Typisch Toronto |
Im nördlichen Zentrum der
Sehenswürdigkeiten liegt der Queen's Park, in dem sich die "Fridays for Future" Kids und Studis für die anscheinend auch in Kanada populäre Demo
zusammenfanden. Im Park steht eine Statue von Eduard VII, während der Park
seiner Mutter Queen Victoria gewidmet ist.
| *.* und Eduard |
| Einer unter vielen |
Fasziniert waren wir mal wieder von den
schwarzen Eichhörnchen, die überall herumwieseln und es sich sichtbar gut gehen
lassen.
Am Park sind auch zwei Universitäten
Torontos, die Victoria University (gegründet 1836) und die Universität von
Toronto, 1827 als King's College gegründet. Jetzt dürft ihr raten, welcher
König und welche Königin gemeint sind. ;) Die Uni Toronto ist jedenfalls mit
mehr als 70.000 Studenten die größte Hochschule Kanadas. Beide Unis haben einen
schönen Campus, auch wenn ich bei diesen Gebäuden des 19. Jh. immer irgendwie
an Filmkulissen denken muss.
| Campus |
| Campus |
Der Queen's Park ist der nördlichste
Punkt des sehenswerten Innenstadtkreises, von da ab ging es also wieder
südlich, durch ein Wohnviertel, das so auch in London, Boston oder Washington
sein könnte. Britische Reihenhäuser, dreistöckig, dafür sehr schmal
aneinandergeklatschst. Alle mit Veranda und kleinem Vorgarten.
Das ging relativ nahtlos über in
China-Town. Die üblichen kitschigen Tore haben wir nicht gesehen, dafür war die
Stadt tatsächlich sehr fusionistisch integriert - in diesen alten, dürftig
TÜV-gerechten Toronto-Häusern wurden Nudel-Bars und Bubble-Tee-Cafes
angepriesen, versteckten sich chinesische Essensmärkte, Nagelstudios und was man
sonst so auf einer Straße in Shanghai oder Tokio kennt.
Endlich erreichten wir den
Fashion-Distrikt um die Queen's Street, wo die Latschweltmeisterin dazu überredet
werden konnte, die rauchenden schwesterlichen Füße in einem Ramen-Restaurant
ruhen zu lassen. Natürlich nicht, bevor wir noch einen Blick auf
Graffiti-Alley erhaschten, die wohl in näherer Zukunft dem Abriss geweiht sein
wird, momentan aber als Touristenattraktion noch überleben darf.
| Grafitty Alley |
Überhaupt baut und hämmert es an allen
Ecken der Stadt. Zum Glück sind die Sykwalks schon in Betrieb, die die Stadt
mit dem Hafenbereich verbinden und die Leute durch oberirdische Gänge über das
häßliche Areal der Gleise und sonstigen Hauptverkehrsadern der Stadt lotsen. Es
gibt alternativ auch ein unterirdisches Gangsystem, das wir aufgrund des
schönen Wetters aber erst einmal verschmäht haben.
Schön und naturnah hat Toronto den Hafen
eingerichtet: Man schlendert gemütlig entlang der Yacht- und Wassertaxi-Häfen,
über den Musikpark zum Norwegen-Park. Nur, dass es kein einziges Café and der
Trasse gibt, hat eine gewisse fußlahme Teilnehmerin mittelschwer entsetzt. So
musste die Fußpflege noch etwas auf sich warten.
| Uferstraße |
| Uferstraßenbegrünung |
Zum Glück began der nächste Tag mit
Regen. In Kombination mit dem Samstag, der bewirkt, dass die Tageskarte für die
Öffis für zwei Personen gilt, sahen die Chancen für ein Überleben der fußlahmen Teilnehmerin (ihr dürft nur EINMAL raten, wer das ist!) des
Rest-Urlaubs wieder ganz gut aus.
| Typisch Toronto |
| Auch Toronto |