Samstag, 25. August 2018

Washington: Bei Lincoln & Co.

Vor unserem Abflug am Abend hatten wir noch etwas Zeit. Mit dem "Loop-Bus" tingelten wir erst einmal einmal halb um die "National Mall" (Nationalpromenade) herum. Die "Prachtallee" verbindet quasi das Capitol mit dem Lincoln-Memorial. In der Mitte steht das Wshington-Memorial, ein Obelisk, der wahrscheinlich als einziges Bauwerk der Stadt tatsächlich an den Wolken kratzt.

National Mall vom Capitol in Richtung des Lincoln-Memorial schauend
Rund um die Mall stehen neun der insgesamt vierzehn Smithsonian-Museen und einige Kriegsdenkmäler (Korea, Vietnam, II Weltkrieg). Wir fuhren bis zum Lincoln-Memorial (oben im Bild vom Obelisken verdeckt). Unser Plan war, die Mall von hinten aufzurollen und bis zum "National Museum of African American History and Culture" vorzudringend, das wir zum Schluss besuchen wollten.

Das Lincoln-Memorial wurde zwischen 1915 und 1922 erbaut und erinnert nicht aus Zufall an einen griechischen Tempel. Im innern "sitzt" Herr Lincoln in Marmor gehauen. Hinter ihm prangt nachstehender Dankestext:

"IN THIS TEMPLE AS IN THE HEARTS OF THE PEOPLE FOR WHOM HE SAVED THE UNION THE MEMORY OF ABRAHAM LINCOLN IS ENSHRINED FOREVER"

(„In diesem Tempel, so wie in den Herzen der Menschen, für die er die Union rettete, ist die Erinnerung an Abraham Lincoln auf ewig festgehalten“)

Lincoln-Memorial
Zum Glück wird dem Mythos "Lincoln als einem Gegner der Sklaverei" mittlerweile etwas entgegen gesetzt. Lincoln könnte eher als Pragmatiker gelten, als der Anti-Sklavereikämpfer, als der er heute noch vielfach gefeiert und verehrt wird. Eine Schulklasse hat vor einigen Jahren im "Keller" des Tempels eine Ausstellung konzipiert, in der Zitate von Lincoln seine politischen Überzeugungen veranschaulichen. Kein Zitat, als das aus einem Brief an Horace Greeley, 1862, zeigt seinen Pragmatismus in der Sklavereifrage besser:

"I would save the Union.
My paramount object
in this struggle
is to save the Union,
and it is not to save
or destroy slavery.
If I could save the Union
without freeing any slave,
I would do it;
and if I could save it
by freeing all the slaves
I would do it;
and if I could save it
by freeing some
and leaving others alone,
I would also do that."


(Sinngemäß: "Mein oberstes Ziel ist es, die Union zu retten, nicht die Sklaverei zu retten oder zu zerstören. Wenn ich die Union retten könnte, indem ich keinen Sklaven befreie, würde ich es tun. Wenn ich die Union retten könnte, in dem ich alle Sklaven frei lassen, würde ich es tun. Wenn ich sie retten könnte, in dem ich einige frei lasse, andere nicht, würde ich es ebenfalls tun.") 

Noch Fragen?

Danach wollten wir wie gesagt, in das Museum zur Afroamerikanischen Geschichte und Kultur. Das Museum wurde erst 2016 eröffnet und ist damit das "neuste" unter den Smithsonian-Museen. Das "Smithsonian" wurde am 10. August 1846 gegründet, als die Nachlassenschaft von James Smithson (g1765-1829) durch ein Beschluss des Kongresses in ein Museum überführt wurde, mit dem Ziel "Wissen zu vermehren und zu verbreiten". Daher sind alle Museen, die mittlerweile zum "Smithsonian gehören, auch heute noch kostenlos zu besichtigen.

Wir wurden aber diesmal leider enttäuscht. Einmal hatte ich nicht daran gedacht, uns Tickets vorzubestellen. Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, wir könnte welche brauchen, weil ich beim letzten Mal einfach immer überall hinein gekommen bin, ohne mich in eine laaaaaange Schlange stellen zu müssen. Das Museum ist allerdings wohl noch zu neu und völlig überlaufen, weswegen "Eintrittskarten" verlangt werden, die einem zum Besuch berechtigen. Alle Zeit-Slots waren aber schon ausgebucht, wir hatten also keine Chance. Schade.

National Museum of African American History and Culture
Um den restlichen Tag nicht ungenutzt zu lassen, gingen wir einfach zum nächsten Museum, in dem Fall in das Nationalmuseum für amerikanische Geschichte, wo der Hut zu sehen ist, den Abraham Lincoln (1809-1865) getragen hatte, als er erschossen wurde. Außerdem wird die "Präsidentschaft amerikanischer Präsidenten in Objekten" gezeigt. Vom Ballettschuh der Tochter, über den Pyjama von..., tja wem gehörte der nochmal?, und besagtem Hut, gibt's fast alles zu sehen; auch den Basketball von Obama. Na ja, wer's mag :)

Hut als "Reliquie"

In zwei kleineren Sonderausstellungen wurden die "Poor People's Campaign" und die Internierungslager für Japaner und japanisch-stämmige Amerikaner in den USA während des zweiten Weltkrieges thematisiert. Während letzteres bekannt sein dürfte, ist erstere wahrscheinlich unbekannt? Die "Poor People's Campaign", die "Armeleute Kampagne" also, wurde 1968 durch Martin Luther King Jr. organisiert. Die Kampagne richtete sich an die (weißen) Politiker endlich die wirtschaftlichen Interessen und Menschenrechte armer US-Amerikaner anzuerkennen, nicht nur der schwarzen Bevölkerung, sondern eben aller armer Bürger. Damit schaffte die Kampagne zum ersten Mal eine "rassenübergreifende" Bewegung. Im Jahr 1968 lebten in den USA 201 Millionen Menschen, darunter 35 Millionen, die unter der Armutsgrenze leben mussten. Davon waren 10% weiß, 34% "farbige". Traurig, dass heute 323 Millionen Menschen in den USA leben, wo von 41 Millionen unter der Armutsgrenze leben. Davon 9% weiß und 19% "farbige"... Auch deswegen erlebt die Bewegung zur Zeit ein Revival. Erst im Mai diesen Jahres wurde unter dem gleichen Motto in mehreren US-Städten demonstriert.

Dann machten wir uns flux zu unseren Koffern auf, duschten noch mal und machten uns auf den Weg, zum Flughafen. Zum Glück hatte Franzen am Tag zuvor, während des Kaffeetrinkens in Georgetown, eine Umgebungskarte studiert und den "Dulles International Airport" erspäht. Es dauert nicht lange, da kamen wir auf den Gedanken, mal nachzusehen, von welchem Flughafen wir genau abfliegen sollten... Ich bin nämlich immer vom "Ronald Reagan Flughafen" ausgegangen, von dem ich beim letzten Mal abgeflogen bin, allerdings nach Minneapolis. Es war doch tatsächlich der "Dulles", ein Flughafen etwas weiter weg vom Schuss! Egal, alles klappte. Sogar die "Silver Line"-U-Bahn kam sofort, als wir am Bahnsteig ankamen und war praktisch leer, obwohl an ihr gebaut wird, sie nur alle 20 Minuten kommt und daher vor Überfüllig gewarnt wurde. Gleich am Endpunkt der U-Bahnlinie wartete der Buszubringer zum Flughafen, alles paletti. Wir hatten massig viel Zeit bis zum Abflug also. Bei Ankunft in Berlin Tegel zwölf Stunden später wartete Pops schon auf uns :)

- ENDE -