Samstag, 28. September 2019

CANADA! Toronto! (27.09.2019)


Fliegen sollte man schon deshalb reduzieren, weil es v.a. eins bedeutet: Stress, Stress, Stress. Überpünktliche Ankunft dank allgemeiner Zweifel am Berliner Öffisystem, Warten an der Gepäckaufgabe, Holzklasse bei der Sicherheitskontrolle (schell darf nämlich nicht der, der sonst seinen Flug verpasst, sondern der, der einen Fast-Pass extra krauft), Passkontrolle, Warten auf das Boarding, überteuertes zweites Frühstück, unspektakulärer Flug mit Verspätung, Stress beim Umsteigen, Passkontrolle, Schlangenlinieren durch ein Labyrinth aus Absperrbändern, Passkontrolle, Labyrinth, Passkontrolle, zweites Boarding, Verspätung beim Start, 3 Filme und rote Hamsteraugen später endlich Ankunft, Passkontrolle, Absperrband-Labyrinth, Anstehen an den eletronischen Einreiseterminals, Labyrinth, Labytrinth, Koffer immerhin auch angekommen, Labyrinth, Welcome in Kanada!
Man müsste doch endlich das Beamen erfinden.
Auch am Frankfurter Flughafen wird das Frühaufstehen nicht honoriert. Die Gepäckabgabe öffnet erst kurz vor knapp und so hetzt man auch dort wieder durch die Sicherheits-, Pass- und Gepäckkontrolle. Für viel Freude sorgt die Liste derjenigen Passagiere, die leider als "überbucht" vom Flug "ausgeladen" werden. Die allgemeine Stimmung hebt sich nicht gerade, wenn auch diejenigen aussortiert werden, deren Plätze doppeltgebucht wurden... Das System ist zum K... Immerhin, mich, die ich immer alles mitnehme, traf es diesmal nicht. Ich durfte mit in den Flieger und abheben.... siebeneinhalb Stunden und mit zwei Stunden Verspätung: "Wolcome to Canada, my sweety" (Willkommen in Kanada, mein Zuckerstückchen". Nun hieß es Warten. Warten auf den Franz :)

Toronto ist mit knapp 2.615.060 Einwohnern (2011) die größte Stadt Kanadas, wobei sich in der Goldenes Hufeisen genannten Region 8 Millionen Einwohner zwischen dem westlichen Ende des Ontariosees und den Niagarafällen verteilen. Bereits vor 11.000 Jahreen zogen indigene Völker hier umher. Die Wyandot oder Huronen nannten den Ort Tarantua und bedeuet "Ort, an dem Bäume am Wasser stehen" und später "Ort der Zusammenkünfte". Die Bezeichnung geht auf den Lake Simcoe, an dem die Wyandot Bäume pflanzten und fischten, und eine Vrbindung von dort zum Huronsee, zurück. Unser "Bäumchen", sprich Airbnb-Unterkunft, steht direkt an der Hochstraße und den Gleisen, die den Hafenbereich vom Rest der Stadt trennen.

Unser erster Tag war ganz der füßlichen Stadterkundung gewidmet. Dabei entstand der Eindruck, als wäre mindestens jede zweite Person, die wir sahen, asiatischer Herkunft und in der Tat bestätigt die Statistik unsren Eindruck. Während 1901 lediglich 8 % der Bevölkerung nicht Britisch war und 1981 nur 14% nicht in Kanada geboren war, zählte man 2016 nur noch 50% Bleichgesichter. Nur 0,7% sind Indianer (in Kanada politisch korrekt "First Nations" genannt), auch die schwarze Bevölkerung kommt nur auf 8,5%. Knapp eine Hälfe ist also asiatischer Abstammung, und das sieht man.  

Wir fingen beim St. Lawrence Market an, dessen Hallen 1845 erbaut worden sind, nachdem sich der Markt um 1800 dort etabliert hat. Auch heute noch handelt es sich um einen Wochenmarkt, Essensverkauf und natürlich ein paar touristische Buden.

St. Lawrence Market

St. Lawrence Market (noch leer, weil "vor dem Aufstehen")

Von dort ging es nördlich, vorbei an der Skyline Torontos, die irgendwie hinter die recht gebrechlichen Fassaden von alt-Toronto geklebt worden sind. Alle Hochhäuser sind nach dem Prinzip "Spiegelflächen will die Welt" gebaut - es glänzt in der Sonne von allen Seiten. Man fragt sich, wo die Wandflächen geblieben sind, alles scheint von oben bis unten Glas zu sein. Was denselben hässlichen Effekt ergibt wie schon in Japan: Wer sich nicht andauernd unter den Schreibtisch gucken lassen will, zimmert sich irgendwelche Blenden vor die bodentiefen Glasfassaden, was den chicken Look, sagen wir mal, maximal beeinträchtigt. Oder es gibt Fenster-Vollverschleierung. Tja, wem's gefällt.   

Typisch Toronto
 
Im nördlichen Zentrum der Sehenswürdigkeiten liegt der Queen's Park, in dem sich die "Fridays for Future" Kids  und Studis für die anscheinend auch in Kanada populäre Demo zusammenfanden. Im Park steht eine Statue von Eduard VII, während der Park seiner Mutter Queen Victoria gewidmet ist. 

*.* und Eduard
Einer unter vielen

Fasziniert waren wir mal wieder von den schwarzen Eichhörnchen, die überall herumwieseln und es sich sichtbar gut gehen lassen.

Am Park sind auch zwei Universitäten Torontos, die Victoria University (gegründet 1836) und die Universität von Toronto, 1827 als King's College gegründet. Jetzt dürft ihr raten, welcher König und welche Königin gemeint sind. ;) Die Uni Toronto ist jedenfalls mit mehr als 70.000 Studenten die größte Hochschule Kanadas. Beide Unis haben einen schönen Campus, auch wenn ich bei diesen Gebäuden des 19. Jh. immer irgendwie an Filmkulissen denken muss. 

Campus

Campus
 Der Queen's Park ist der nördlichste Punkt des sehenswerten Innenstadtkreises, von da ab ging es also wieder südlich, durch ein Wohnviertel, das so auch in London, Boston oder Washington sein könnte. Britische Reihenhäuser, dreistöckig, dafür sehr schmal aneinandergeklatschst. Alle mit Veranda und kleinem Vorgarten.

Das ging relativ nahtlos über in China-Town. Die üblichen kitschigen Tore haben wir nicht gesehen, dafür war die Stadt tatsächlich sehr fusionistisch integriert - in diesen alten, dürftig TÜV-gerechten Toronto-Häusern wurden Nudel-Bars und Bubble-Tee-Cafes angepriesen, versteckten sich chinesische Essensmärkte, Nagelstudios und was man sonst so auf einer Straße in Shanghai oder Tokio kennt. 

Endlich erreichten wir den Fashion-Distrikt um die Queen's Street, wo die Latschweltmeisterin dazu überredet werden konnte, die rauchenden schwesterlichen Füße in einem Ramen-Restaurant ruhen zu lassen. Natürlich nicht, bevor wir noch einen Blick auf Graffiti-Alley erhaschten, die wohl in näherer Zukunft dem Abriss geweiht sein wird, momentan aber als Touristenattraktion noch überleben darf. 
 
China Town

Grafitty Alley
 Überhaupt baut und hämmert es an allen Ecken der Stadt. Zum Glück sind die Sykwalks schon in Betrieb, die die Stadt mit dem Hafenbereich verbinden und die Leute durch oberirdische Gänge über das häßliche Areal der Gleise und sonstigen Hauptverkehrsadern der Stadt lotsen. Es gibt alternativ auch ein unterirdisches Gangsystem, das wir aufgrund des schönen Wetters aber erst einmal verschmäht haben.

Schön und naturnah hat Toronto den Hafen eingerichtet: Man schlendert gemütlig entlang der Yacht- und Wassertaxi-Häfen, über den Musikpark zum Norwegen-Park. Nur, dass es kein einziges Café and der Trasse gibt, hat eine gewisse fußlahme Teilnehmerin mittelschwer entsetzt. So musste die Fußpflege noch etwas auf sich warten. 

Uferstraße

Uferstraßenbegrünung
 
Zum Glück began der nächste Tag mit Regen. In Kombination mit dem Samstag, der bewirkt, dass die Tageskarte für die Öffis für zwei Personen gilt, sahen die Chancen für ein Überleben der fußlahmen Teilnehmerin (ihr dürft nur EINMAL raten, wer das ist!) des Rest-Urlaubs wieder ganz gut aus.    
Typisch Toronto

Auch Toronto