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| New York, was sonst? |
Was heutzutage alles geht. Hat man sich früher gefreut, dass
die Laptops endlich kleiner und leichter werden, ist man heutzutage nur mit
Handy (und Akku) unterwegs. Selbst Blog-Schreiben geht auf den Dingern inzwischen ganz gut. Ich
liege daher in Washington auf der Couch und während Schwesterherz die Tasten
ihres Urgesteins (Hä? Tippitoppi-Gerät!) beackert, wische ich mit dem Finger Worte per virtueller
Handy-Tastatur, um New York Revue passieren zu lassen.
New York ist… irgendwie gleichzeitig genauso, wie man es
sich vorstellt, aber auch ganz anders. Zunächst einmal liegt NYC, New York City also, in New York State und am
Atlantik. Die Stadt besteht aus der
südwestlichen Insel Staten Island, der zentralen Insel mit Manhattan und dem nördlich
davon gelegenen Harlem. Manhattan wird durch den East River von Brooklyn und Queens
getrennt. Manhattan selbst ist wiederum durch den Hudson von der Stadt New
Jersey getrennt. Diese hässliche Darstellung von New York (rechts) haut zwar nur ungefähr hin, gehört dafür aber urheberrechtlich mir und muss zur Orientierung reichen.
Dem ersten Tag haben wir der allgemeinen Erkundung gewidmet
und haben bei sengender Hitze und gezückter Metro-Karte dem Pulsschlag New
Yorks, das U-Bahn und Brückensystem, begutachtet. Diagnose: Bei knapp 120
Jahren teilweise bemüht in Schuss, teilweise kurz vor’m Herzstillstand. Die Metro
ist zum Glück nicht so beengt wie in London, wo man in den hitorischen Gängen bei Betrieb
fast Platzangst bekommt. Dafür ist das Lüftungssystem aber wohl nie mit dem
Betrieb mitgewachsen. Auf den Bahnsteigen herrschen teilweise 50°C ohne erkennbare
Luftzirkulation, vor allem in der zweiten Etage unter der Erdoberfläche. Mein absoluter Traum also. Trotzdem geht alles mäßig geregelt
zu und auch wenn die Beschilderung recht abenteuerlich sein kann und die
Durchsagen grundsätzlich „#₩&??!“ lauteten, kamen die Züge häufig und alles
ging ziemlich gesittet zu. Die Leute haben auch nicht immer die "Notausgangstür" genommen, anstatt der eigentlich vorgesehenen archaischen Drehtüren, was natürlich gleich Alarm auslöst, den deswegen auch keiner mehr Ernst nimmt...
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| Auf der Brooklyn Bridge gilt: Liebe ja, Schlösser nein! Man will ja nicht das schlechtere Paris sein (und vor allem die Brücke vor dem Kollaps bewahren!). |
Wir stiegen bei der Brooklyn-Bridge aus, einem Wahrzeichen New
Yorks (auf der "Stadtkarte": blauer Strich). Da wir in Brooklyn wohnten, mussten wir täglich
nach Manhattan. Schneller geht das mit der U-Bahn, aber die imposante Brücke hat in der
Ebene über den sechs Fahrspuren einen "breiten" Fuß- und Radweg, auf dem man der
berühmten Skyline entgegenschnecken kann. Zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung
1883 war die Brooklyn Bridge die längste Hängebrücke der Welt; sie übertraf
alle zuvor errichteten in ihrer Länge um mehr als 50 Prozent. Natürlich ist die Brücke heutzutage vollkommen
verstopft. Warum Radfahrer sich einbilden, dort mit Karacho rüberjuchten zu müssen
bzw. zu können, bleibt ein Rätsel.
| Anki trachtet natürlich nach den Bildern ohne Menschen - verzerrt vollkommen die Realität! |
Manhattan selbst bildet schon einen
recht imposanten Anblick. Vor Allem fällt einem auf den typischen Fotos nie
auf, wie verziert die alten Wolkenkratzer sind: Ornamente an den Fenstern und
Fassaden, Türmchen und Schmuckbögen dekorieren die Riesengemäuer. Dagegen sehen
die modernen Glasfassaden schon langweilig aus.
Die Brooklyn-Bridge lädt einen quasi
direkt an der Wall Street ab, und von da ist es nicht weit zum Ground Zero, dem
Ort, an dem die Zwillingstürme (und weitere Gebäude) des Welthandelszentrums standen. An deren Stelle
sieht man heutzutage schwarze viereckige Brunnen, in denen das Wasser in
Kaskaden in einem Schlund verschwindet. An den Rand der Brunnen sind die Namen
der Opfer vermerkt, die am ihrem jeweiligem Geburtstag Plaste-Blumen angesteckt
bekommen. Was auch immer im dazugehörigen 9/11- Museum zu sehen ist, die
Schlange ist riesig.
| Ehemals ein Zwillingsturm, jetzt ein schwarzes Loch |
Man ließ sich das Gedenken auch einiges Kosten: Ein weißer
Bau, eigentlich die U-Bahn-Station, gleicht einer abhebenden Taube - und kostete statt der veranschlagten
knapp zwei Milliarden natürlich das Doppelte. (Wie der Tour-Führer in der 1897 fertiggestellten Kongressbibliotek in Washington witzelnd feststellte, war das Bibliotheksgebäude wohl das letzte Geäude in den USA, dessen Kosten am Ende sogar unter dem Veranschlagten Baupreis gelegen hatten.)
Wir waren aber eher an einem anderen Bauprojekt interessiert:
der High Line. (auf der "Stadtkarte": gründe Linie) Die High Line ist eine
2,33 km lange, nicht mehr als solche genutzte Güterzugtrasse im Westen von
Manhattan, die von 2006 bis 2014 zu einer Parkanlage, dem High Line Park,
umgebaut wurde. Ursprünglich 1932 in Betrieb genommen, erfolgte die
Erschließung der Industriebetriebe durch Gebäudeanschlüsse im 2. bzw. 3.
Obergeschoss der Fabriken und Lagerhäuser. In den 1950er Jahren ging aber die
Nachfrage nach Schienenanschlüssen durch die Fabriken und Fleischereibetriebe
zurück, v.s. durch die LKW- Konkurrenz und weil das Gewerbe aus Manhattan
auszog. In den 1960er Jahren wurde der südliche Abschnitt der High Line abgerissen-
der Rest ist heute Park mit perfekten Blick auf die Straßenschluchten Manhattans.
Und weil die Touristen so wieder nach West-Manhattan flanieren (und chronischer
Platzmangel herrscht), ist das ganze
Viertel in Baumaßnahme. In ein paar Jahren wird ein komplett neues Viertel
entstanden sein.
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| Es gibt sogar eigenen High Line Honig zu kaufen. Der Park wird durch eine Freiwilligenorganisation verwaltet. |
Die High Line beginnt im Westen Manhattans im unteren
Drittel und geht faaaast bis zum Central Park, den man ja bei Gelegenheit auch
noch besuchen könnte. O-Ton Anki. Sind ja nur 10 km vom unteren Zipfel, wo die
Brücke ist. Am Ende brauchten wir gute 3 Stunden, um überhaupt den
High Line Park zu erreichen. Für die lumpigen 2 Komma Kilometer Park auch
nochmal eine. Danach Füßchen platt. Nix Central Park, zudem dringend eine
Toilette und Kuchen her mussten! Wie
fuhren also zum Bryant Park, malerisch vor der städtischen Bibliothek gelegen.
Beide mit entsprechend wichtigen Örtlichkeiten ausgestattet. Und ja, die
Architektur ist auch ganz schön. ;)
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| New York's öffentliche Bibliothek und ein Lesesaal |
Die Amerikaner säuseln ja wie der Rest der modernen Welt von
ihren demokratischen Errungenschaften und haben diesen immerhin schöne Steindenkmäler
gesetzt. Das Gebäude im Beaux-Art-Stil
(Zitat Broschüre. Wie fast alles ein griechisch-klassisch angehauchtes Gebäude.
Demokratie halt und so) wurde 1911 eröffnet und spagatiert wacker zwischen Tourismus-Magnet
und Lese-Ruhe-Oase. Unser Reiseführer nennt die Institution ein schönes
„Geschenk der oberen Zehntausend“. In der Tat pinseln oder plakettieren die Amerikaner
an jeden restaurierten Saal, jede Ausstellungsecke und jede neue Kloschüssel,
wer wieviel Geld dafür locker gemacht hat. Die Rolle von Stiftungen ist da
natürlich nicht neu, die Prominenz von Privatstiftern fällt jedoch auf.
Danach Füßchen noch platter und ab ging's, nach Brooklyn zurück!



