Trotzdem eroberten wir zu relativ früher Zeit Harvard, und
schlugen damit die Inder, Chinesen und Koreaner, die ihre Kinder gleich auf ihr
Karriereziel einschwören wollten und tausend Fotos von sich vor ziemlich uninteressanten
Türen und Gebäuden des Campus schossen. Der Hauptcampus ist ehrwürdig alt, viel
Grün und viele Klinkerbauten. Wir kreisten um die Mauern und beobachteten
besagte Touristengruppen, da wir sogar zum Frühstück im Café noch zu früh dran
waren.
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| Campus der Harvard Universität; goldener Fuß von John Harvard "segnet" Franz mit Wissen, "Tatte Bakery" |
Gestärkt ging es auf einen Rundgang durch Boston. Boston ist
so, wie ich mir das ältere weiße Amerika vorstelle: In die Jahre gekommene Veranda-Villen
mit pastellfarbener Holzlattenverkleidung. Dazu eine Grünfläche mir dekorativen
Pflänzchen, momentan sehr schön die Hortensien (Hinweis: Stadtteil Cambridge). Der Rest der Straßenzüge (Boston Stadt, aber nicht überll)
gleicht eher Osteuropa: breite lange Straßen mit Schuhkastenhäusern, die sich
mit hässlichen Firmengebäuden abwechseln. Der Stadtkern ist sehr viel schöner: Die ca. 1900 erbauten
Riesen-Kaufhäuser, -Banken, -Verwaltungsgebäude könnten auch bei uns stehen.
Selbst das Wetter ist dieses Jahr vergleichbar, nur dass sich die Bostoner über
ihre Hitze nicht wundern.
Wir beschlossen ins Boston Museum of Fine Arts zu gehen,
um der Hitze zu entkommen. Gott, war mir
kaltttt! Aus Boston kamen mutige Japanreisende wie der Herr Ernest
Fenellosa oder der Herr Edward Morse, die den Japanern ihre Kunst abkauften,
bevor diese merkten, wie wertvoll sie war. Boston hat damit eine der größten
Sammlungen japanischer Kunst. Dafür
berappten wir auch über 20$ pro Nase. Sagen wir so: das Museum ist sehr gut
gemacht, es bietet einen kompakten Überblick über Kunst aus Ägypten,
Griechenland und Benin, außerdem sind europäische Meister versammelt und amerikanische Kunst (Kunst?) ist auch da. Auch eine
Abteilung für Asien gab es. Pro Abteilung sind jedoch nur ein paar Zimmerchen
vorgesehen; die Exponate wechseln periodisch. D.h. ich bekam ein paar
Buddhastatuen zu sehen und das war’s. Dafür war der Raum mit ca. 15 Monets
recht beeindruckend, wie sahen zum ersten mal amerikanische Kitsch-Kunst und
die Figuren aus Benin waren auch einzigartig.
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| Boston Museum of Fine Arts |
Danach flüchteten wir durch die Stadt Richtung Bibliothek,
um meine Zehen wieder aufzutauen.
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| Boston Public Library |
Das Leben in Amerikas heißen Städten pulsiert auf der Straße
und in den Cafés. Dabei ist jede Würstchenbude heutzutage „die erste in der
Straße“, “ die älteste auf Rädern“, „gesund, öko, bio“ und sowieso „excellent“
und „the best“, weil irgendeine Umfrage das ergeben hätte. Natürlich mussten
wir also auch bei der „besten Schokolade der Stadt“ einkehren, gegen die wir leider nicht gewinnen konnten – zu viel,
zu groß, zu alles. Aber lecker. Weiter
ging es zum Park, dem Herzen der Stadt. Ich legte mich auf’s Ohr (Wer ist hier nun das "Schnorcheltier"? Hä?), Anka
fotografierte freche Eichhörnchen (eben, ich nicht!).
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| Überall und ständig auf Achse |
Danach ging es im großen
Bogen zurück, bis meine Füßchen bei 35.000 Schritt (neuer Rekord!) beim
Koreaner ausruhen konnten. Es müssen irgendwann tausende Koreaner nach Amerika
gekommen sein, in New York gibt es sogar Koreatown. Überhaupt kann man überall
v.a. asiatisch essen. Wir machen den Fehler von japanischen Portionsgrößen
auszugehen, weil ich koreanisch v.a. von dort kenne. Aber es ist ja heutzutage
alles zum Mitnehmen und zum Glück hat der deutsche Touri seinen Flugproviant
fein in Tupperware gepackt – jetzt hatten wir ein zusätzliches Essen, das wir nach
unserer Ankunft in New York als Abendessen verspeisen konnten...



