Montag, 13. August 2018

Boston zu zweit :)

Ausgerüstet mit modernster Technik – Handy, das sich immerhin in freie WLAN-Netze einwählen kann, die es auf fast allen Flughäfen und Busterminals heutzutage (außer in Deutschlad) gibt, und eine Offline-Karten-App – habe ich Anka in Boston erfolgreich lokalisiert. Der Jetlag schlug gnadenlos zu uns ich fiel ins Bett, um morgens gegen 5.00 Uhr gesandalt und geschnürt Boston zu erkunden. Da schlief das Schnorcheltier neben mir doch tatsächlich noch und behauptete, müde von der Konferenz zu sein!  (Das "Schnorcheltier" schnorchelt nicht und hatte lange Abende, kurze Nächte und vollgepackte Tage zu kompensieren!)

Trotzdem eroberten wir zu relativ früher Zeit Harvard, und schlugen damit die Inder, Chinesen und Koreaner, die ihre Kinder gleich auf ihr Karriereziel einschwören wollten und tausend Fotos von sich vor ziemlich uninteressanten Türen und Gebäuden des Campus schossen. Der Hauptcampus ist ehrwürdig alt, viel Grün und viele Klinkerbauten. Wir kreisten um die Mauern und beobachteten besagte Touristengruppen, da wir sogar zum Frühstück im Café noch zu früh dran waren.  

Campus der Harvard Universität; goldener Fuß von John Harvard "segnet" Franz mit Wissen, "Tatte Bakery"
Gestärkt ging es auf einen Rundgang durch Boston. Boston ist so, wie ich mir das ältere weiße Amerika vorstelle: In die Jahre gekommene Veranda-Villen mit pastellfarbener Holzlattenverkleidung. Dazu eine Grünfläche mir dekorativen Pflänzchen, momentan sehr schön die Hortensien (Hinweis: Stadtteil Cambridge). Der Rest der Straßenzüge (Boston Stadt, aber nicht überll) gleicht eher Osteuropa: breite lange Straßen mit Schuhkastenhäusern, die sich mit hässlichen Firmengebäuden abwechseln. Der Stadtkern ist sehr viel schöner: Die ca. 1900 erbauten Riesen-Kaufhäuser, -Banken, -Verwaltungsgebäude könnten auch bei uns stehen. Selbst das Wetter ist dieses Jahr vergleichbar, nur dass sich die Bostoner über ihre Hitze nicht wundern. 

Wir beschlossen ins Boston Museum of Fine Arts zu gehen, um der Hitze zu entkommen. Gott, war mir kaltttt! Aus Boston kamen mutige Japanreisende wie der Herr Ernest Fenellosa oder der Herr Edward Morse, die den Japanern ihre Kunst abkauften, bevor diese merkten, wie wertvoll sie war. Boston hat damit eine der größten Sammlungen japanischer Kunst. Dafür berappten wir auch über 20$ pro Nase. Sagen wir so: das Museum ist sehr gut gemacht, es bietet einen kompakten Überblick über Kunst aus Ägypten, Griechenland  und Benin, außerdem sind europäische Meister versammelt und amerikanische Kunst (Kunst?) ist auch da. Auch eine Abteilung für Asien gab es. Pro Abteilung sind jedoch nur ein paar Zimmerchen vorgesehen; die Exponate wechseln periodisch. D.h. ich bekam ein paar Buddhastatuen zu sehen und das war’s. Dafür war der Raum mit ca. 15 Monets recht beeindruckend, wie sahen zum ersten mal amerikanische Kitsch-Kunst und die Figuren aus Benin waren auch einzigartig. 

Boston Museum of Fine Arts
Danach flüchteten wir durch die Stadt Richtung Bibliothek, um meine Zehen wieder aufzutauen.

Boston Public Library
Das Leben in Amerikas heißen Städten pulsiert auf der Straße und in den Cafés. Dabei ist jede Würstchenbude heutzutage „die erste in der Straße“, “ die älteste auf Rädern“, „gesund, öko, bio“ und sowieso „excellent“ und „the best“, weil irgendeine Umfrage das ergeben hätte. Natürlich mussten wir also auch bei der „besten Schokolade der Stadt“ einkehren, gegen die wir leider nicht gewinnen konnten – zu viel, zu groß, zu alles. Aber lecker. Weiter ging es zum Park, dem Herzen der Stadt. Ich legte mich auf’s Ohr (Wer ist hier nun das "Schnorcheltier"? Hä?), Anka fotografierte freche Eichhörnchen (eben, ich nicht!). 

Überall und ständig auf Achse
Danach ging es im großen  Bogen zurück, bis meine Füßchen bei 35.000 Schritt (neuer Rekord!) beim Koreaner ausruhen konnten. Es müssen irgendwann tausende Koreaner nach Amerika gekommen sein, in New York gibt es sogar Koreatown. Überhaupt kann man überall v.a. asiatisch essen. Wir machen den Fehler von japanischen Portionsgrößen auszugehen, weil ich koreanisch v.a. von dort kenne. Aber es ist ja heutzutage alles zum Mitnehmen und zum Glück hat der deutsche Touri seinen Flugproviant fein in Tupperware gepackt – jetzt hatten wir ein zusätzliches Essen, das wir nach unserer Ankunft in New York als Abendessen verspeisen konnten...