Samstag, 18. August 2018

Richmond


Am Freitag beschlossen wir dem Trubel New Yorks zu entkommen und Staten Island, einen der Stadtbezirke New Yorks, zu besuchen. Auf Staten Island wurden laut Wikipedia Funde der Clovis-Kultur gemacht, die auf eine 14.000 Jahre alte Besiedlung schließen lassen. 1520 waren die Expeditionsteilnehmer um Giovanni da Verrazano die ersten Europäer, die Staten Island „entdeckten“. Von 1624 bis 1667 gehörte die Insel zur niederländischen Kolonie Nieuw Nederland und hieß Staaten Eylandt. Während dieser Zeit fand dort ein Krieg der niederländischen Siedler gegen die Indianer (sog. Schweinekrieg) statt. 1667 traten die Niederlande Staten Island an England ab (Vertrag von Breda); sie wurde Teil von Neuengland, bis 1776 die USA ihre Unabhängigkeit erklärten. Staten Island wurde 1898 ein Stadtbezirk von New York. Am 21. November 1964 wurde die Verrazano-Narrows-Brücke eröffnet, die die Insel mit Brooklyn verbindet, was in den folgenden Jahrzehnten zu einer starken Bevölkerungszunahme führte.

Es muss also nicht jeden Tag Manhattan sein. Wobei der szenische Weg nicht über die Brücke führt, sondern natürlich von der Fähre gesichtet wird und die liegt natürlich wieder im Battery Park, Manhattans Südzipfelchen. Sie ist kostenlos uns proppevoll. Sollte das historische Richmondtown etwa solch ein Touristenmagnet sein? Natürlich nicht, die Leute waren nur clever und sparten sich das teure Ticket zur Freiheitsstatue. Von der Staten Island Fähre kann man Lady Liberty nämlich genauso gut und für lau sehen. Entsprechend kehrten 90% der Passagiere nach Ankunft auf der Insel sofort auf die Fähre zurück. Es blieben ein paar Örtliche und wir. 

Sicht auf "Lady Liberty" von der Staten-Island-Ferry
Dabei ist Richmondtown wirklich nett. Es ist ein echtes Dörfchen, mit einigen sehenswerten Wohnhäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert, wo wirkliche Menschen wirklich gelebt haben. Einige von ihnen wurden allerdings anderninselorts abgebaut, um sie, so wie sie gewesen sind, im Museums-Dörfchen wieder aufzubauen. Das Besucherzentrum befindet sich im alten Gerichtsgebäude (1738) und stolz ist man auf das Conference House aus dem Jahr 1680 und das Voorlezer's House aus dem Jahr 1695. Letzteres ist wohl das älteste noch STEHENDE Schulgebäude Nordamerikas. (Die Lateinschule in Boston ist "älter", hat aber kein erhaltengebliebenes, stehendes Häuschen mehr...) Alle Gebäude sind im kolonialen, amerikanischen Stil gehalten. 

Voorleserhaus
Oben: Verwaltungsgebäude von 1738 und unten: das Haus vom Schmied
Auch interessant war der lokale Laden, der von drei „black sisters“ geführt worden ist, also von drei afro-amerkianischen, früh zu Waisen gewordenen, Mädels. Sie hatten das erste Telefon auf der Insel und die neusten Kataloge, aus denen die Kundschaft bestellen konnte. Der Vorbesitzer hatte sein Geschäft klugerweise 1738 gleich gegenüber vom zentralen Verwaltungssitz aufgebaut. Das War alles sehr malerisch, aber nur spärlich besucht, was schade ist, den der Museumsverein bemüht sich redlich um das Museum. Es gibt kostenlose Führungen, am Freitag ist der Eintritt generell frei, in der Schmiede hämmert ein Schmied samt Gesellen... Ein Skansen eben, von freiwilligen Ortsansässigen auf die Beine gestellt. 

Abends wollten wir ebenso szenisch auf den Green-Wood-Friedhof in Brooklyn, weil man von dort aus ein gutes Panorama auf New York haben soll. Natürlich bog Anki an der Friedhofsmauer zielsicher nicht auf die hässliche Hauptstraße ( = Haupteingang?), sondern in die nettere Seitenstraße. Eine halbe Stunde später tauchte dann auch der Nebeneingang auf: geschlossen seit 16.00 Uhr. (Der Baumbewuchs hätte uns eh die Sicht verdorben...)
Egal, es gibt ja mehr Szenisches zu sehen: dann eben die Brooklyn Bridge bei Nacht!

Brooklyn Bridge