Sonntag, 19. August 2018

New York: Erst "Shoppen", dann Kultur!

Am Mittwoch hatte es nicht geklappt; am Freitag auch nicht. Im Freikarten-Lotto haben wir beide also nicht besonders viel Glück, zumindest nicht, wenn das New Yorker Wetter viel versprechend aussieht. Am Sonnabend dagegen, mit den schweren Regenwolken über der Stadt und der Aussicht auf Weltuntergang, war plötzlich das „Sie haben gewonnen!“ im Postfach. Es hatten wohl nicht viele darauf vertraut, dass der Wettergott Shakespeare-Fan ist und darauf verzichtet, bei der Verlosung von Sonnabend für die „Shakespeare-Festspiele“ im Central Park mitzumachen. Innerhalb von 30 Minuten nach Gewinn die Karten zu bestätigen war ohne festen Internet-Zugang gar nicht so leicht,  aber es glückte. Nun blieb nur noch Daumendrücken, dass sich die Schleusen davor oder danach öffnen mögen. Der Wetterbericht war jedenfalls ziemlich plötzlich von tagelang Sonne pur zu einer Woche Dauerregen mit Gewitter umgeschwenkt und wir machen Listen zurecht, welche Museen man in solch einem Fall bevölkern könnte… Der Samstagmorgen bot dann auch einen wenig ermutigenden Blick aus dem regentropfenverhangenen Fenster!

Was tun an so einem schaurigen Tag? Der Chelsea Market sollte unser Ziel sein, vom Reiseführer als Flohmarkt mit Kunst-, Antik- und Kramszeug angepriesen. Also los. Wir, insbesondere Franz, der sich gänzlich etwas anderes vorgestellt hatte, guckten nicht schlecht, als wir eine völlig umgestaltete, schnieke alte Schlachthofhalle vorfanden, wo alles Mögliche käuflich zu erwerben war, aber wo definitiv keine Flöhe in verstaubten Regalen hockten. Alles schick, alles neu, manches selbstgeklebt, -genäht, -gebatikt und -geschmiedet, vieles Jungdesigner. Nun ja, nun waren wir dort und sind schlauer. Bei der Gelegenheit haben wir einen „Fat Witch“-Laden entdeckt (Fette Hexe), wo es Schokoladen-Kekschen in Kleinstverpackungen zu fetten  Preisen gibt… aber das Logo war niedlich : ). 

Chelsea Market; rechts oben: "Flohmarkt", links unten: "Fat Witch", rechts unten: Innenausbau
So gegen 18 Uhr dachten wir, wir setzen uns gemütlich in einen Bus, der uns die gesamte Avenue von Süden nach Norden zum Central Park bringen sollte, wo wir bis 19.30 Uhr ganz entspannt unsere Eintrittskarten abholen würden, bevor es 20 Uhr hoffentlich mit der Vorstellung los ging. Der Plan war gut. Aber wieder machte uns New York ein Strich durch die Rechnung. Der Bus hielt an jeder Haltestelle (sprich alle 20 Meter, an jeder kleineren Kreuzung zwischen den rechtwinklig verlaufenden Straßenzügen) und jeder Ampel zwischen den Haltestellen, bremste hinter jedem Auto, das aus irgendwelchen Gründen abbremsen musste… So ein Stop-and-Go; über eine Stunde… Kurzum, wir spurteten den letzten Kilometer ganz schön, um unsere Freitickets rechtzeitig abzuholen, damit sie nicht verfielen! 

Gespielt wurde ein Stück, von dem ich noch nie zuvor gehört hatte: „The Twelfth Night“ (Die zwölfte Nacht; auf Deutsch „Was ihr wollt“). Die Hauptdarsteller sind erfolgreiche Broadway-Darsteller, während viele Nebendarsteller aus den Reihen der Laientheatergruppen der Stadt rekrutiert wurden. U.a. waren auch einige Taubstumme/ Gehörlose mit von der Partie, weshalb alle Schauspieler ihre Monologe und Dialoge gleichzeitig in Zeichensprache vorführten. Das ganze Stück wurde zwar in Shakespeare-Sprache, aber als Musical mit moderner Musik kurzweilig gemacht. Die „Unprofessionalität“ vieler Mitwirkender sah man dem Stück jedoch zu keiner Zeit an. Im Gegenteil! Es war eine rundum gelungene Vorstellung, mit viel Witz und wenig Regenwetter! Zum Ende hin begann es etwas zu tröpfeln, aber das war kaum der Rede wert. Pops hat alle "Daumens" gedrückt und es hat geholfen! :)

Shakespeare in the Park: "The Twelfth Night"