Der Wetterbericht hat bewölkten Himmel angesagt. Nun ja, seht selbst. Wenn hier "bewölkt" immer so aussieht, dann weiß ich wirklich nicht, woher unsere Vorurteile dem englischen Wetter gegenüber herrühren... Und diese Schäfchen jagen nun wirklich Niemandem Angst ein.
 |
| Bewölktes Wetter in London |
Jedenfalls sind am Sonntag wirklich alle Bibliotheken und Archive geschlossen, so dass ich guten Gewissens durch die Stadt spazieren gehen konnte. Diesmal wollte ich nicht die Gegend auf dem Stadtplan "rechts" von Westminster, sondern "links" davon erkunden.
Los ging es in Covent Garden. Das Viertel beherbergt so ziemlich (fast) alle Theater, Opernhäuser und Musical-Hallen der Stadt. Außerdem reihen sich Einkaufsläden aneinander und es wimmelt von Volk. In der Markthalle, womöglich das Wahrzeichen des Areals, haben sich Kneipen, Restaurants, erlesene Teeläden und Schnickschnackshops angesiedelt. Nachmittags (Rücktour) bieten auch hier Straßenkünstler ihre kurzen Einlagen zum Besten. UND, wer hat gesagt, Merchandising gäbe es nur in Japan?
 |
| Oben: Markthalle | unten links: Markthalle von innen | mitte: lustige Geigertruppe | rechts: Einradkünstler |
 |
| Moomins! | Disney darf da natürlich nicht fehlen... |
Clever wie ich bin, weiß ich das Schöne mit dem Nützlichen zu verbinden und bin in Richtung Trafalgar Square (war ich am Tag 1 schon einmal kurz) weitergelaufen. Der Plan: Neben etwas Kultur auch ein stilles Örtchen aufsuchen :) Die National Gallery lag auf meinem grob geplanten Weg, drin war ich noch nicht, Klos wird so eine Einrichtung ja wohl haben, warum also nicht heute? Bevor ich jedoch den Herren Hohlbein, Velazques, Boticelli, Turner und wie sie alle heißen die Ehre erweisen konnte, bot sich eine Yoga-show der fortgeschrittenen Art.
 |
| Der Mann ist nach eigener Aussage 52, fast 53 Jahre alt... |
 |
| National Gallery | Interieur | Benastre Tarleton |
Der junge Man, Baron Tarleton (1754-1833), kämpfte im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, auf Britischer Seite und erhielt den Beinahmen "Butcher" (Schlächter).
Entsprossen ist er einer Kaufmannsfamilie aus Liverpool, die im
Sklavenhandel zu Reichtum gekommen ist, daher ist mir der Name sofort
aufgefallen. Die Stunden in der British Library waren also nicht umsonst... Später setzte er sich wehement gegen die Abschaffung der
Sklaverei im englischen Parlament ein. Muss ein ziemlich toller Typ gewesen sein.
Stunden später taute ich auf dem Weg zum Piccadilly Circus wieder auf (Klimaanlagen!). "Circus" genannt, weil es ein kreisrunder Platz ist, der die Straßen "Piccadilly" und "Regent's Street" miteinander verbindet. Im späten 19. Jahrhundert wurden weitere Straßen "angeschlossen", sodass zur Hochzeit des Britischen Empire, der Platz auch als "Mittelpunkt der Welt" bezeichnet wurde. Heute ist es ein Dreh- und Angelpunkt innerhalb des Unterhaltungsviertels.
Das sich anschließende Soho ist ebenfalls ein Shoppingdistrikt und..., na Pops klingelts? Na klar, Brechts "Dreigroschenoper" spielt in Soho! Allerdings merkt man das nicht, wenn man sich dort durch die Straßen schlängelt. Besonders auf der Regent's Street reihen sich die Nobelbekleidungsgeschäfte. Allerdings gibt es auch urische Ecken.
 |
| Piccadilly Arcade | Burlington Arcade - beide auf der Piccadilly Street. Schuhe für 200 € mit einer ganzen Menge Luft nach oben und so... | Carnaby Street in Soho. Läden für's (Fuß)Volk... |
Jo, und dann bin ich so langsam zurückgeschlichen, schließlich wollte ich heute noch Blog schreiben. Außerdem hatte ich Hunger. Kneipen und Restaurants gibt's hier überall, aber "schnelles Essen"
außer "Fish & Chips"? Fehlanzeige. Mit 'nem Cookie kann ich mich ganz schön lange über Wasser halten, aber nach sieben Stunden unterwegs darf mein Magen was Richtiges wollen :)