Freitag, 8. Juli 2016

Globalisierte Stoffe - Edmonton (III)

Pünktlich um 8:00 Uhr begann die Registrierung der Konferenzteilnehmer und das Aushändigen des Programms, der Konferenzmappen mit den nötigen Unterlagen und dem Schreibzeug. Das übliche Chaos vor dem Beginn einer jeden Konferenz also. Diese "Registrierungsaktionen" sind immer spaßig, weil völlig überforderte Helfer im Gewimmel und Gewusel auch die einfachsten Namen missverstehen und sich wundern, warum sie keine vorbereiteten Unterlegen unter dem verstandenen Namen finden. Richtig lustig wird es, wenn Chinesen, Inder oder auch Kenianer ihre Mappen abholen wollen...

Egal, ich hatte mein Mäppchen abgeholt und konnte mich nun dem Studium des Programms widmen und mir Gedanken machen, an welchen Panels ich an diesem und den kommenden Tagen gerne teilnehmen würde (was nie einfach ist, da viele Panels parallel stattfinden und man eigentlich zu zwei oder drei gehen wollen würde). Auf der Suche nach einer ruhigen Ecke, entdeckte ich auch das Frühstücksbuffet - hm, kein Vergleich zu meinem schnöden Cookie eine Stunde zuvor.
Nachdem um 9:00 Uhr die üblichen und obligatorischen Begrüßungs- und Dankensworte (Sponsoren) gesprochen worden waren und eine musikalische Einlage einer preisgekrönten Musikband mit traditionellen indianischen Gesängen verklungen war, begannen die ersten Vorträge.

Ich lauschte Ausführungen über eine speziell für die Kaiserinmutter zu ihrem 50. Geburtstag angefertigte Veste im späten Ming-China, zu deren Herstellung Federn, Fischschuppen und Edelsteine aus ganz Südostasien eingeführt worden waren. Außerdem wurde die kostümliche Repräsentation des chinesischen Admirals Zheng He (1371-1433) in der neuen chinesischen Oper analysiert. Zum Schluss, und das war das Interessanteste, stellte Jemand die Verschiffung von chinesischer Seide nach Mexiko im 17. Jahrhundert vor und erklärte, wie die neuen Stoffe die lokale Seidenproduktion beeinflusste. Ich hatte ja keinen Schimmer, dass man in Mexiko Seide hergestellt hat...

Im nächsten Zeitfenster von 11:30 bis 13:00 Uhr war unsere Gruppe dran. Ich war ehrlich überrascht, wie viele Leute sich für unsere "billigen Massenwaren" für Sklaven interessierten. Alles lief gut, nur Zuspruch von allen Seiten und viele neue Kontakte - mehr kann man nicht erwarten :)

Auch der anschließende Mittagsimbiss war nicht von schlechten Eltern, eh Enten. Dazu gab's Gemüschen und Öbstchen, also alles lecker. 

Danach folgte ein etwas mühsames Panel... Obwohl das, was gesagt wurde, wahrscheinlich sogar interessant war. Allerdings hab' ich und mindestens die Hälfte der Zuhörer auf den hinteren Plätzen nichts verstanden, weil vorne im Flüsterton vorgetragen wurde. Pech gehabt.

Der Empfang am Abend fand in einem der vielen (zur Universität gehörenden) Museen statt, wo gerade Fotos von John Thomson ausgestellt wurden, die er Ende des 19. Jahrhunderts in China und dort vor allem von Frauen aller sozialen Couleur und ihrer Kleidung gemacht hatte. Sieht man auch nicht alle Tage.

John Thomson: Manchu Braut, 1871 (Wikipedia)