Samstag, 23. Juli 2016

Islington (18.-23.07.2016)

In London ist es wie? Nass, kalt, neblig? Von wegen! Seit ich hier bin hat es nicht ein einziges Mal geregnet, die Sonne scheint dauerstrahlend vom Himmel hinab und die Temperaturen kletttern tagsüber auf bis zu 30° (im Schatten). Ich bin ständig mit Gießkanne unterwegs, um alle Blümchen von Caroline zu wässern und schwinge den Schlauch, damit sich Christophers Garten nicht in einen Heuhaufen verwandelt. Aber ich, ich sitze in Archiven und Nationalbibliotheken, um Matrial zu sondieren und frier' mir den A... ab - ein Hoch auf die Klimanalagen jappanischen Ausmaßes!

Aber der Reihe nach. Nachdem ich am Sonnabend (16.07.) halb London erwandert habe, hieß es am Sonntag Koffer packen und nach Islington fahren, um meine Bleibe für die nächsten sechs Wochen zu beziehen. Caroline und Christopher haben ihr Häuschen in meine vertrauensvolle Hände übergeben und sind in den Urlaub nach Frankreich gefahren. Vielleicht das letzte Mal, bevor sie wieder Visa beantragen müssen...

Schon bei der Schlüsselübergabe meinte Caroline zu mir, das sie "Britisch, aber nicht German-sauber seien", außerdem wuselt ein kleiner Hund herum und die familiäre Situation ist sicherlich nicht ganz einfach. Egal, wird schon. Den Hund haben sie - Gottseidank - mitgenommen :)
Jedenfalls hat das Haus so einige Ecken und Kanten, wahrscheinlich genau wie jedes andere Haus, dessen Grundmauern im Prinzip aus dem 16./17. Jahrhundert stammen. Ja, richtig alt! Die Holzbolen wurden seitdem nicht oft ausgewechselt, so mein Eindruck. Alles knarrt und der Boden neigt sich in komischen Dellen, Wellen, Schieflagen zu allen möglichen Seiten. Die Architektur der Zeit ist nicht gerade für großzügige Räume in Erdgeschosslage berühmt und so ist man auch ständig am Treppensteigen. Vom Keller (Gartenzugang) bis zu meinem Schlafzimmer (Dach) sind es insgesamt fünf Wohn-Stockwerke, der Zugang zur Dachterasse befindet sich zwischen der vierten und fünften Etage.

Hier eine Skizze @Geffrye Museum | Häuserreihe. In einem wohnen ich.
Die Einrichtung ist Geschmacksache, aber konsequent. Ich sage mal nur so viel, sie passt sich irgendwie schon dem alten Häuschen an :)  [Ich werde hier keine Bilder posten, da der Blog ja nun doch öffentlich zugänglich ist]. Aber, ich hab' hier alles. Die Guildhall Bibliothek und auch die British Library (Nationalbibliothek) sind quasi um die Ecke. Harry Potter ist nur eine Station weiter am Bahnhof King's Cross auf Bahngleis 9 3/4 nach Hogwarts abgedüst. Der Hauptbahnhof ist also nicht weit weg. Mit der Underground bin ich unkompliziert mobil, auch wenn es bis zum Nationalarchiv locker 60-70 Minuten Fahrt sind.

Harrys  Koffer verschwinden gerade | Andrang Allderer, die ein Bild mit Gepäckwagen ergattern wollen; hübsch in Reihe wartend | Professionelle Fotographin bei der Arbeit: von Jedem Touri wird ein Bild gemacht; die Aufgabe der Assistentin besteht darin, den Schal empor zu halten, damit er wie ein wehender aussieht. Man bekommt übrigens auch einen Zauberstab zum Herumfuchteln ausgehändigt. Die Fotos können dann im "Harry Potter"-Shop für ein wenig (viel) Muggelgeld erstanden werden. Die Spinn'
Bahnhof King's Cross
Caroline meinte, als sie das Haus gekauft hätten, wäre die Gegend ein echtes Arbeiterviertel gewesen, die Preise dementsprechend bezahlbar. Mittlerweile, seit ungefähr fünf-sieben Jahren boomt das Areal, viele Politiker sind hinzugezogen (darunter auch der Herr Boris Johnson, den ich gerne beschimpfen könne, falls ich ihn träfe, so Caroline) und die Mieten sind wie überall in London ins unbezahlbare gesteiegn. 

Viele Kneipen aller Coleur säumen die Straßen, auf den öffentlichen Plätze lümmeln sich zumeist junge Leute auf Decken herum, einige tanzen, andere singen - es ist also richtig viel Alarm. Allerdings gibt es auch ruhigere Orte, wie den Regent's Kanal der mitten durch das Viertel fließt. Erdacht wurde er 1802, um eine Verbindung zwischen dem Großen Kanal und der Themse zu schaffen. Nach acht Jahren Bauzeit wurde der insgesamt 14 Kilometerlange Kanal 1820 eröffnet. Bis in die 1960er wurde er für den Transport von Holz und Kohle genutzt, inzwischen befahren ihn nur noch Hausboote. Ich hatte gehofft, ich könnte dort entlang joggeln, aber ich glaube daraus wird nichts - zu viele chaotische Radfahrer!

Regent's Canal. Natürlich wird auch an seinen Mauern an Luxusimmobilien herumgewerkelt.
Jo, das ist also Islington, die Gegend, in der ich für die kommende Zeit stationiert bin. Gäbe es einen großen Park in der Nähe, wäre es perfekt. Nun ja, ich kann nicht alles haben.