Mittwoch, 6. Juli 2016

EEE - Erster Eindruck von Edmonton (05.07.2016)

Nach einem fast 30-stündigem Montag (04.07.2016) stieg ich kurz nach Mitternacht (05.07.2016) vor dem DaysInn-Hotel aus dem Taxi. Die einstündige Fahrt mit Bus und Zug vom Flughafen nach Downtown Edmonton habe ich mir dann doch erspart.
Auf der Fahrt durch die stockdunkle Nacht kam mir Edmonton als eine etwas zerfranste Stadt vor, in der an allen Ecken und Enden gebaut wird. Gehämmert und geschweißt wurde auch an einer halbfertigen Brücke, so dass der Weg etwas länger ausfiel und vom Taxifahrer lautstark mit den Worten "it takes them forever!" (Die brauchen schon ewig!) kommentiert wurde. Ob dieses "ewig" mit dem ewigen Bau eines Berliner Flugafens mithalten kann?

Spätestens bei meinem Gang zur nächsten Metrostation (Corona station) am nächsten morgen, wurde klar, Edmonton ist wirklich keine architektonische Perle. Bankgebäude, Bürokomplexe und Hotelblocks geben sich in betonischer Pracht die Klinken in die Hand. Was in New York und Tokyo nach "Mega-Metropole" aussieht, wirkt in Edmonton wie gewollt, aber nicht richtig gekonnt.

Als Hauptstadtt der Provinz Alberta und einer Einwohnerzahl von einer knappen Million Menschen zählt Edmonton zu den größten Städten Canadas. Den Boom der Wirtschhaft verdankt die Stadt der Ölförderung und der Ansiedlung von petrochemischen Betrieben, die auch in den letzten Jahren für ein Wachstum der Stadt sorgten. Die 1981 eröffnete West Edmonton Mall setzte sich damals an die Spitze der größten Shoppingzentren weltweit, seit 2004 ist sie "nur" noch die größte Nordamerikas.
Geld wurde also in größeren Mengen in die Stadt gespült, nur an der Umsetzung der Moneten in vernünftige Stadtplanung harperte es offensichtlich und - den riesigen Baugruben überall nach zu urteilen - geht es ungebremmst so weiter. Noch nie bin ich durch eine Stadt gelaufen, ohne dass ich irgendeine Ecke für fotografierwürdig hielt. Die Bilder dienen daher lediglich als Beweis, dass ich den Apparat brav mitgeschleppt habe.

Take a Risk. It's the Most Edmonton Thing You Can Do.

Chic in pink.

Zwischendrin stehen noch vereinzelt Gebäude aus der ersten Bauboomphase um 1900 herum. Vor allem Bankgebäude.

So sieht es an zahllosen Ecken aus.
Die Kamera habe ich daher kaum im Gebrauch gehabt, obwohl ich lange genug unterwegs war, um über etwas stolpern zu können, was ich hätte fotoraphieren wollen. Zwischen neun Uhr morgens und neun Uhr abends war ich pausenlos unterwegs. Die Reize der Stadt versteckten sich wahnsinnig gut!

Gegen 9:00 Uhr verließ ich das Hotel Richtung Metro-Station, um mich zum Campus der Universität (University of Alberta) aufzumachen. Erstens, ich musste herausfinden, wo ich am Donnerstag vortragen werde und zweitens, als Restaurant-Sichtungs-Verantwortliche für unser kleines Gruppentreffen am Mittwochabend vor Konferenzbeginn, wollte ich mich in der Umgebung etwas umsehen.

Der Campus ist eine Stadt für sich und genauso hässlich und nichtssagend wie die Stadt, in der er sich befindet. Aßerdem hatte ich langsam ordentlich Frühstücks-Hunger, fand aber nichts Essbares. Städte mit riesigen Einkaufszentren aber mit einem Minimalangebot an Supermärkten oder Cafeterias sind eben doch sch... . Irgendwann, wie sollte es auch anders sein, tauchte ein Starbucks auf. Nach ettlichem Herumgeirre eine halbe Stunde später - Stadtpläne haben Kanadier nämlich nicht erfunden - habe ich dann doch die studentische Fressmeile gefunden, wo auch ordentlich Betrieb war (schließlich war es dann auch schon gegen halb zwei). Mittwochabend kann kommen.

Wie der Zufall es wollte lief ich bei der historischen "High Level Street Car"-Eisenbahn vorbei. Gebaut 1947 in Melbourne wurde sie 2004 an Edmonton verschenkt, warum auch immer, keine Ahnung. Eisenbahnliebhaber bearbeiteten daraufhin die städtische Verwaltung so lange, bis 2006 ein Teilabbschnitt der 1881 eingeweihten, aber seit langem stillgelegten, Canadian Pacific Railway-Strecke für touritische Fahrten freigegegeben wurde. Nun tuckert ein Melbourner Zug - ich würde das Teil ja als Starßenbahn bezeichnen - über die Gleise, die um 1900 für den ersten Einwanderungsboom Edmontons verantwortlich waren und das in einer nicht zu unterschätzenden Höhe von 50 Metern  über Flusspegel. Auf diesem Wege gelangte ich wieder nach Downtown, wo ich noch durch die Jasper Avenue umherwanderte, die sich durch das gesamte Viertel zieht, aber auch nicht viel her gibt.

High Level Street Car, Baujahr 1947, Melourne - immer noch  in Betrieb in Edmonton.

Blick aus dem Waggon. Im Hintergrund ist die halbfertige Brücke zu sehen (weißer Bogen). Wer günstig wohnt, kann auf asphaltierten Wegen, aber immerhin größtenteils im Grünen, joggen oder radfahren.

Die Brücke sieht zwar mächtig aus, bietet aber nur Platz für ein Gleisbett. (Edmonton Sun, 28.08.2011.)
Ein letzter Versuch der Stadt ein hübsches Aussehen zu verpassen (Panorama by night), scheiterte an der nicht untergehenwollenden Sonne (erst gegen halb zwölf Uhr abends ist es dunkel). Da half auch eine anderthalbstündige Wanderung auf der Suche nach einem Sandwich oder Ähnlichem nich weiter. Als mich die dritte Mücke gestochen hat, gab ich auf, verließ meinen tollen Aussichhtsplatz am nördlichen Flussufer (von dem man auf das Stadtzentrum am tiefergelegenen südlichen Flussufer blicken kann) und krakselte zu Fuß die Höhenmeter wieder hinauf und die Jasper Avenue zum Hotel entlang. Nach 30 Kilometern Stadtgang und mehrmaligen Brückenüberquerungen habe ich dann die Füßchen hochgelegt. 10.000 Schritte habe ich bestimmt übertroffen :)

Vor dem drohenden Wolkenbruch bin ich auch geflüchtet. Es kam dann aber keiner.