Der heutige Tag begann mit Ausführungen zu gemusterten Stoffen aus Afrika im 20. Jahrhundert. Der erste Vortrag konzentrierte sich auf die Zeit zwischen 1950 und 2010 und stellte die Brüche auf dem Ghanaischen Modemarkt in den Mittelpunkt. In den 50ern kamen vor allem - und vor dem Hintergrund der Unabhängigkeitsbestrebungen Ghanas nicht verwunderlich - wieder traditionelle afrikanische Muster auf. Bis zu den 1990er Jahren profitierte daher die einheimische Textilproduktion von der Abkehr von westlichen Schnittmustern und Stoffen bis sie durch die billigen chinesischen Importwaren unter Druck geriet. Daraufhin begannen junge ghanaische Designer in den 2000ern mit der Erschließung des höherwertigen Preissegments mit Bekleidungskollektionen, die sich wieder sehr stark auf traditionelle Ornamentiken und Designs besannen.
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| Vlisco, 2010 |
Der zweite Vortrag konzentrierte sich auf die (männlichen) Schneider im Senegal in den Jahren 1940-80. Zwei Aspekte wurden besonders hervorgehoben: Erstens, die eingeführte (europäische) Secondhand-Kleidung wurde von den Afrikanern in den seltesten Fällen so aufgetragen, wie sie auf den Markt gespült wurde und zweitens, bevor sich Schneider in kleinen Shops niederließen, gingen sie meistens auf "Wanderschhaft" und boten ihre Fertigkeiten auf Märkten verschiedener Städte an.
An Hand von geführten Interviews mit ehemaligen Schneidern, erfuhr die Vortragende, dass nicht selten aus zwei-drei aus Europa kommenden Hemden, Pullovern, Hosen oder Röcken, ein neues - dem Wunsch des afrikansichen Kunden entsprechendes - Kleidungsstück gefertigt wurde. Außerdem kamen sie zwangsläufig mit lokalen Vorlieben und modischen Vorstellungen in Kontakt, die wiederum auf ihre eigene Kreativität Einfluss nahmen.
Nach der Kaffeepause nahmen mich Reiseberichte und "Modejournale" ins 16. und 17. Jahrhundert mit. Alle drei Vorträge nahmen Papageienfedern und Felle als modische Accessoires in den Blick. Einerseits ging es um deren Einflüsse auf die europäische Mode der Zeit, andererseits wurde gegenübergestellt, wie vor allem Pelz im "zivilen" Europa als teures Asseccoire galt, während Leder- und Fellkleidung außereuropäischer Völker gerade als Symbol für deren "Unzivilisiertheit" galt.
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| Sophie von der Pfalz als Indianerin (um 1644) | Umhang aus Federn, Brasilien (Tupinambá) |
Danach hatte ich Glück und konnte noch einen freien Platz bei der Führung durch die Mactaggart Kollektion ergattern, die im Museum der University of Alberta, verwahrt wird. Die Sammlung wurde 2005 an das Museum übergeben und umfasst mehr als 1000 Objekte (Gemälde, Textilien, Kleidung und Schnitzereien) aus dem alten China. Angelegt wurde die Sammlung von dem in Edmonton ansässigen Ehepaar Mactaggart, welches in den 1950ern im Baugewerbe zu Reichtum gelangte.
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| Kaiserliche Seidenrobe, um 1885-1908, Mactaggart Collection. |
Lustig waren die "Tücher", die an der Außenseite der Bekleidung angebracht wurden und als Zeichen des hierarchischen Ranks des Trägers mit unterschiedlichen Tieren "bestickt" waren. Der Witz bestand darin, dass die Tücher nicht direkt mit den Tiersymbolen bestickt wurden, sondern die Tier-Stücke gekonnt auf die Tücher aufgenäht wurden, so dass man sie im günstigsten Falle einer Beförderung abtrennen und durch andere Tiersymbole ersetzen konnte.
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| Aufgenähter Löwe, Mactaggart Collestion |
Am Abend drehte sich dann wieder alles um afrikanische Mode und Stoffe aus Zambia seit den 1950ern. Den kulinarischen Abschluss bildete ein Ausflug mit fünf JapanerInnen und zwei Chinesinnen, einer Australierin und mir zum Griechen :)