Sonntag, 26. Februar 2017

Zu Besuch bei Aphrodite

Bevor wir morgen (grüner Montag) mit den Bussen so „ziemlich nirgendwohin“ kommen, fuhren wir heute zunächst nach Petra tou Romiou, dem Geburtsort der Aphrodite, und keine zwei Stunden später zum Heiligtum in Kouklia, in dem ihr im 12. Jhd. v. Chr. gehuldigt wurde.

Da Aphrodite nie und nimmer einfach irgendwo ("an einer Bank in der Pampa") aus dem Meer entstiegen wäre, musste dieser Küstenstreifen etwas ganz Besonderes sein. Das ist er auch: Er zählt zu den schönsten von ganz Zypern, na klar. Die drei ensamblierten Kalksteinfelsen am besagten Ort tragen den touristisch wirksamen Namen „Fels der Aphrodite“ und ragen tatsächlich fotogen aus den seichten Fluten. 


Das klare Wasser lud auch schon am Vormittag Badewütige zum Baden ein, wir begnügten uns mit dem Ausschauhalten nach DEM perfekten ei-förmigen Stein. Nicht oval, eiförmig sollte er sein (manche Sachen muss man nicht verstehen). Natürlich fand ich den perfektesten unter den perfekt geschliffenen Steinen, aber er stieß (natürlich) nicht auf Gegenliebe. Ob es an der Größe oder am Gewicht lag? Jedenfalls wurde er kurzerhand zum Turmbau verwendet. Mit Fingerspitzengefühl, aber ohne Spuke türmte ich also perfekt austarierte Steine aufeinander und kam mir ganz entspannt dabei vor.

Pünktlich, wie bis jetzt jeder Bus, fuhren wir nach Kouklia, wo Ausgrabungen Steinreste des „Palai“-Paphos (Alt-Paphos) zutage gefördert hatten, dem mächtigsten Stadtstaat Zyperns in der Antike. Allerdings wurde die Gegend wohl schon zur Bronzezeit besiedelt und auch schon in dieser vor-griechischen Zeit wurde einer Fruchtbarkeitsgöttin gehuldigt. Eine ausgestellte Figurine kommt dem „Idol von Pomos“ jedenfalls sehr nahe. Eine Vielzahl solcher Figürchen mit eindeutig weiblichen Attributen und einzigartigem Aussehen in Stil und Form wurde nur in Zypern gefunden, weswegen das „Idol“ noch heute die 1- und 2-Euromünzen Zyperns schmückt.

Der Aphrodite-Kult konnte es bei dieser Vorgeschichte jedenfalls nicht besonders schwer gehabt haben. Von der Kultstätte liegen aber nur noch vereinzelt Steine in der Landschaft herum. Das Heiligtum hatte es nicht immer leicht: Mehrere Erdbeben machten es dem Erdboden gleich, die Perser belagerten die Stadt und schließlich, 325 v. Chr., wurde die Stadt nach Kato-Paphos verlegt. Schließlich ließ Kaiser Theodosius am Ende des 4. Jhd. den Tempel schleifen und verbot sämtliche „heidnische“ Kulte. Auch die Umgestaltung und Neubebauung des Areals unter den Kreuzrittern und Türken bekamen dem Heiligtum nicht. 

 

Etwas weiter „hinten“ wurden Bodenmosaiken einer römischen Villa freigelegt. Eines zeigt Königin Leda mit Zeus in Schwanengestalt. Anders als in Kato-Paphos hängt in Kouklia das Original hinter Glas im ansässigen Museum und unter dem ausgebreiteten Zeltdach unter freiem Himmel wurde eine Kopie hingebastelt. 


Direkt vor dem umzäunten Areal steht etwas verwaist die Kirche Chrystosopolitissa aus dem 12. Jhd. Leider hielt die Jungfrau Maria nicht Hof und die aus dem 14. Jhd. erhaltenen Fresken und Mosaiken blieben uns verwehrt. 

Nach einem ausgiebigen Mittagsmal – klassischer griechischer Salat mit Halloumi, Pitabrot mit Tsatsiki sowie Knobibrot, serviert, nicht mehr ganz so klassisch, von einer Armenierin – bestiegen wir den Bus Richtung Hafenpromenade von Paphos, wo wir uns ein lecker Eis gönnten :). Natürlich verschmähten wir den von der Hausherrin gebackenen und nach unserem Salätchen servierten typisch zypriotischen Orangenkuchen NICHT. Ich frage mich allerdings, wie die Zyprioten "Ureinwohner" wohl an Couscous gekommen sind, denn daraus bestand der "Teig" nämlich???

Auf dem Nachhauseweg sackten wir noch frisches Brot ein und mit Blogschreiben gehen dann schon mal ein Stündchen oder auch zwei ins Land und Schwupps, ist auch dieser Tag (fast) Geschichte (21:45 Ortszeit).