Samstag, 25. Februar 2017

Paphos - wir sind da und wollen was sehen

Mein vorgeschlagener Plan für unseren ersten ganzen Tag in Paphos sah wie folgt aus: Ausgrabungen ansehen, d.h. die Reste von römischen Villen und den erhaltenen Bodenmosaiken sowie die Königsgräber. Anschließend sollte uns ein Bus zur „Korallenbucht“ bringen, wo wir in einen anderen umsteigen würden, um zum Kloster Neofytos zu gelangen, einem im 12. Jhd. gegründeten Kloster, dessen Räumlichkeiten zum Teil in eine steile Felswand hineingegraben wurden. Von dort hätte uns ein Pfad zur und durch die Avaka-Schlucht geleiten sollen, bevor uns ein-zwei Busse wieder zurück nach Paphos-Stadt bringen würden.


Klingt nach viel? Sicher, wäre aber machbar gewesen, wenn a) die Ausgrabungsstätte wirklich sowohl die Reste der römischen Villen als auch die Königsgräber eingeschlossen hätte, b) die Umsteigezeiten der Busse besser gepasst hätten, c) ich das Kloster Neofytos nicht mit dem Kloster Georgios verwechselt hätte und schließlich d) die Avaka-Schlucht tatsächlich fußläufig zu erreichen gewesen wäre, wie es laut Reiseführer den Anschein hatte. Ihr könnt euch also denken, dass dieser Plan so nicht funktioniert hat… allerdings haben wir andere schöne Ecken entdeckt.

Als wir morgens im Sonnenschein an der Hafenpromenade entlang zur Ausgrabungsstätte in Kato(Unteres)-Paphos entlanggeschlendert sind, lief noch alles nach Plan. Der Archäologische Park umfasst ca. 1/3 des antiken Paphos und ist UNESCO Weltkulturerbe. Gegründet wurde die Stadt vermutlich schon im 4. Jh. v. Chr., noch bevor sie eine Stadt des Ptolemäerreichs wurde. Die erhaltenen Reste sind überwiegend aus der nachfolgenden römischen Zeit. Die Steinhaufen waren schön anzusehen, vor allem, weil die Mosaiken wirklich in einem hervorragenden Zustand erhalten sind. Im Haus des Aion konnte man ein prächtiges Bodenmosaik der ehemaligen Eingangshalle bestaunen: Leda mit Zeus in Schwanengestalt, obwohl vom Schwan nur der Schwanz zu erahnen war (wenn überhaupt), Apollo und Dyonisus waren auch mit von der Partie, außerdem noch Ambrosia und Nektar als Personifizierungen und und und. Mit etwas Abstand zu dieser „kleinen“ Villa stand der vermutlich fast 10.000 km2-große Palast des römischen Stadthalters: die Villa des Theseus. Erhalten sind leider nur ein paar Grundmauern, eine Säulenreihe und natürlich ein prächtiges Mosaik. Diesmal puzzelte der Künstler Theseus und den Kampf gegen den Minotaurus im Labyrinth. Ausgegraben hat das alles übrigens ein Team der Universität Warschau. Trotzdem, seit mehreren 100 Jahren liegt das Mosaik so da und glänzt wie eh und je. Es ist erstaunlich. 



Auf dem weitläufigen Gelände gibt es außerdem das römische Odeon und die Festung Saranda Kolones aus fränkischer Zeit, in der auch viele antike Säulen als Spolien wiederverwendet wurden.
Den Weltkulturerbestatus der UNESCO hat das Areal zurecht!

Nach zwei Stunden Stein-Gelatsche haben wir die Königsgräber vom Plan gestrichen und uns in den Bus zur Korallenbucht gesetzt. Die Strand-Busse fahren am häufigsten, auch wenn es noch kaum Badewütige gibt. In der Bucht war Warten angesagt, also versuchten wir diesmal, die Touristenfallen mit Pizza, Pasta und Ofenkartoffel zu umgehen und fanden ein Restaurant mit zypriotischen Spezialitäten. Nun, Moussaka und Lamm gibt es sicherlich auch anderswo, aber geschmeckt hat es gut. Sonne hatten wir auch getankt, es konnte also weitergehen! Schlau, wie wir sind, hatten wir den Busplan ja dahingehend enträtselt, dass der nächste Bus 616 praktisch vor dem Restaurant vorbeikommen musste!  Jaa…nach diesem Bus fragen die Leute oft, meinte er Kellner. Aber ehrlich, er habe diesen Bus noch nieeee gesehen. O_O Verunsichert huschten wir also doch flugs zur Endhaltestelle der Route, denn vielleicht gibt es da ja eine Auskunft..? Nein, da gab‘s die berühmte einsame Bus-Wartebank. Die Lösung war aber simpel: Pünktlich erschien eine Marschrutka, ein Minivan also, der sich als Bus 616 zu erkennen gab und der auch wirklich reichlich Platz für alle bot – so für uns zwei Hanseln halt. An der Endhaltestelle wurden wir 'rausgeschmissen, direkt vor die Tore der Agio Georgios – ein hässlicher Neo-Bau aus dem 20. Jhd. Immerhin mit „szenischem Ausblick“.


Nachdem die Kirche also in 5 Minuten besehen war, szenierten wir die Lage: Der Küstenblick war malerisch und der nächste Programmpunkt, die Avaka-Schlucht, verdammt weit, nämlich ca. 1 Stunde Fußmarsch an der Straße entlang entfernt. Es war bereits 15.00 Uhr und ab 17.00 Uhr macht sich die Sonne dann genauso rar wie der Bus 616 zurück in bewohnte Gefilde. Also wurde die Avaka-Schlucht vom Plan gestrichen und Paphos-Innenstadt kurzerhand draufgesetzt. Wir mussten ja noch die Hauptbusstation Karavella für weitere Exkursionen finden! 

Die gute Nachricht ist: Wir fanden Karavella. Die schlechte: Die Station versteckt sich in einem Meer aus Bauarbeiten, die die ganze „Innenstadt“ von Paphos umfasst. Wir dachten ja, die Fußgängerzne am Hafen sei menschenleer. Ha! Die Einkaufsmeile in Paphos dürft ihr euch gerne in folgender Szene vorstellen: trostlose Westernmusik. Karge Landschaft. Wind weht. Gestrüppbüschel wehen durch die Flügeltüren des verlassenen Saloons. Der Held fragt sich, was dieser Stadt widerfahren ist…


Wirklich, ich habe noch nie etwas Trostloseres gesehen als die handvoll Geschäfte, die in diesen drei Straßenzügen tatsächlich geöffnet waren. Es wirkt so, als versuche man, bis Sommer(?) ein vollkommen neues Zentrum für Paphos zu zimmern, aber der schöne Hafenblick fehlt halt und somit die Leute. Wir flohen also wieder zum Hafen, wo es schön ist und nach Stadt aussieht, und mampften griechischen Salat mit Halloumi.