Donnerstag, 23. Februar 2017

In Europas einziger geteilter Hauptstadt: Nikosia


Das mit den Intercity-Bussen ist recht übersichtlich, also war es auch kein Problem, erfolgreich den Bus nach Nikosia (Lefkosia) zu nehmen. Benannt nach Leucus, wohl Sohn von Ptolemäus I., der die Stadt um 200-300 v.Chr. wieder aufgebaut haben soll. Seit dem 11. Jh. ist die Stadt immerhin die Hauptstadt der Insel. Dabei passt das Wichtigste in die 11 Bastionen der venezianischen Festungsmauer, die 4.5 km lang ist. Da hat man ja schon Befürchtungen, man könne den Tag gar nicht rumkriegen in diesem Nest! Zumal auf der sehr netten Ortskarte partout nur der südliche griechische Teil eingezeichnet ist.

Also wandten wir uns zunächst der berühmten Trennmauer und der sich dahinter befindlichen berüchtigten Sperrzone zu. Mauer ist dabei zu viel gesagt. Es sind einfach verfallene Häuserreihen, die seit Jahren leer stehen und ab und an durch Tonnen mit Maschendraht abgesperrt sind. Es erinnern Freiheitsdenkmale wie das auf dem Foto oben rechts an "die Befreiung des zypriotischen Volkes". Von den Briten wohl. 

Insgesamt bietet das Stadtbild ein zwiespältiges Bild: Neben modernen Häusern und schicken Boutiquen reihen sich verfallene Gassen und Steinhaufen, halb zusammengesunkene Wände und Abrisshäuser. Aber es steht alles durcheinander, plötzlich schick, plötzlich verlassen. Anscheinend gibt es einen neuen Nikosia Masterplan, nach dem mit EU-Mitteln Häuser restauriert werden (sollen), damit die Innenstadt wieder attraktiver wird.

Die Sehenswürdigkeiten sind klein und fein. Also, vor allem ziemlich klein. Es ist doch ein großer Kontrast zu den gotischen oder barocken Prachtbauten in Deutschland, Großbritannien und Frankreich. Die Kirchen und Moscheen sind alle aus dem typischen hellen Stein, gedrungen gebaut und mit kleineren Fenstern versehen. Ausgetobt haben sich die Meister lieber im Inneren, wie z.B. in der Johanniskathedrale (Bild oben rechts). Gebaut 1666, auf den Ruinen eines mittelalterlichen Benediktinerklosters, ist das kleine Haus komplett mit Fresken aus dem 18. Jh. bemalt. Alles erzählt die Geschichte Jesu. Mit dabei ist auch Barnabas, der Gründer der zypriotischen Kirche. Der Altar ist bis auf die enthaltenen Heiligenbilder komplett vergoldet und nimmt die ganze Breite des Hauses ein.

Alsdann wandelten wir auf der Lidras-Prachtstraße. Also, einem kleinen Boulevard mit vielen Cafés, den üblichen Klamottenläden und den Souvenirshops. Am Ende des Lidras ist die Türkei – auch wenn die Grenzstation recht touristisch daherkommt. Immerhin weiß man, seinen Ruhm zu nutzen und wirbt mit „Die einzige geteilte Hauptstadt Europas!“ für das kleine Grenzhäuschen. 


Nachdem man also brav zweimal seinen Pass vorgezeigt hat, begrüßt einen die Türkei als eine ärmlichere Version des griechischen Zypern. Es sind eindeutig weniger Menschen unterwegs und die Läden haben die Stufe „Touristenfalle“ und „Ramsch“ erreicht. Aber schnucklig sind die Gässchen schon (also die, die nicht zerfallen) und in der Tat kann auch dieser Teil mit Geschichte aufwarten. 


Unser Mittagsmahl fanden wir im Büyük Han – dem „Großen Gasthaus“, einer alten Karavanserei von 1572. Gebaut wurde die als Unterkunft für reisende Kaufleute kurz nach der Eroberung von Nikosia durch die Türken. Unter den Briten war es ein Gefängnis, heute eine Gaststätte mit dem Anspruch, im zweiten Stock Künstlern Läden zu bieten. In der Tat waren einige Handarbeiten dabei. In der Mitte steht eine kleine Moschee. Der erhabene Eindruck wird nur leicht durch die Bank geschmälert, die bunt umhäkelt vor der Moschee steht und auf der sich posierende Touristen räkeln. ;)

von außen 
  Mitte                                                       Innen

Ein weiteres Schmuckstück ist die Selimiye-Moschee, oder auch Ex-Sophienkathedrale. Diese wurde einst im 13.-14. Jh. im gotischen Still gebaut und galt als schönster christlicher Sakralbau des Nahen Ostens. Hier wurden die Könige von Zypern gekrönt. Im 16. Jh. wurde daraus aber eine Moschee, die Innenausstattung wurde hochkant rausgeworfen, dafür wurden u.a. zwei Minarette obendrauf geklebt. Passt, fällt gar nicht auf.           
    

Zu Guter Letzt: Baklava! (Baklava ist ein Gebäck aus Blätter- bzw. Filoteig, gefüllt mit gehackten Walnüssen, Mandeln oder Pistazien, eingelegt in Sirup.)