Es geht auch warm und gemütlich zu in Kew. Die "
Ermattungserscheinungen" (Blogeintrag vom 26.08.) zur Kenntnis nehmend, nahm ich Franz mit in den äusersten Südwesten Londons, wir bogen allerdings nicht nach links in Richtung Nationalarchiv ab, sondern hielten uns rechterhand und steuerten die Royal Botanic Gardens an. Unser Gedanke: Bei 120 Hektar wird es genügend Platz zum "in-der-Sonne-Lümmeln" geben und Dank moderner Batterieleistung von Laptops kann auch der ein oder andere Blogeintrag nachgeholt werden. Platz war da, gelümmelt haben wir auch, aber da jede von uns davon ausgegangen ist, dass die jeweils andere den Schlaptop eingepackt hat... Blogeinträge wurden daher nicht verfasst und müssen nun wieder kleckerweise eingestellt werden.
Der botanische Garten in seiner heutigen Form und Bestimmung wurde 1840 gegründet, hatte aber mit dem 1759 angelegten "Exoten-Garten" bereits einen Vorgänger; seit 2003 darf er sich zu den Weltkulturerbestätten zählen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Gewächshäuser errichtet, die heute als Wahrzeichen des Gartens gelten können. Leider war das Temperate House, das größte der viktorianischen Glashäuser (eröffnet 1863), auf Grund von Restaurierungsrabeiten vollkommen verhüllt, so dass wir mit dem Palmenhaus und den Wasserlilienhaus Vorlieb nehmen mussten.
 |
| Palmenhaus (erbaut 1844-1848). Die inzelnen Glasscheiben wurden nach Maß handgefertigt. |
Entlang von viel Grünzeug rechts und links des Weges, schlenderten wir zur neusten Attraktion des Gartens: dem Baumkronenweg. In 18 Metern Höhe drehten wir eine Runde und konnten das grüne Blätterwerk nun auch in luftiger Höhe bestaunen. Na ja, Franz hielt sich am Geländer fest und lief schnurstracks ohne sich viel umzusehen zielsicher dem Abstieg entgegen.
 |
| Treetop walkway | *.* |
 |
| Ich und Bärchen |
An der chinesischen Pagode, unweit des japanischen Pavillions, breiteten wir dann das - von mir über der Schulter mitgeschleppte - Handtuch hinter einem Busch aus und schnasselten frisches Baguette mit Käse :) Franz legte das erste kurze Schäferhalbstündchen ein. Dort wurde auch das Fehlen des Läppis offensichtlich...
Vor der Orangerie genehmigten wir uns ein Schokoeischen und setzten uns nur einige Schritte weiter wieder auf unser Handtüchelchen und blickten auf den Kew Palace, dem kleinesten der britischen Paläste. Errichtet wurde das Häuschen von einem holländischen Kaufmann Anfang des 17. Jahrhunderts, erst im 18. Jhd. kaufte es König George III. Im "Königinnen Garten" hinter dem Palästchen werden nach wie vor nur Blümchen und Kräuter angepflanzt, die in Groß Britannien heimisch sind und bereits im 17. Jahrhundert bekannt waren.
 |
| The Hive |
Danach führte uns unser Weg zum "Bienenstock". Der "Pavillion" zählte zum Britischen Beitrag zur Expo in Mailand 2015 und soll auf das weltweite Bienensterben aufmerksam machen bzw. Wege aufzeigen, diesem Einhalt zu gebieten. Über eine Treppe gelangte man auch in das Innere des größentechnisch dem Menschen angepassten "Bienenstocks" (17 Meter hoch). Die alle paar Sekunden aufleuchtenden gelben, orangen und roten Lämpchen innerhalb der Wabenähnlichen Konstruktion sollen Blütenfarben simulieren; über Lautsprecher erschallen musikalische Klänge, die mal leiser, mal lauter zu vernehmen sind. Ein netter älterer Herr wusste zu erklären, dass die Lautsprecher über Sensoren das Innenleben eines richtigen Bienenstöcks wahrnehmen: ist es dort drinnen geschäftig, so schwillt die Musik an, neigt sich der Tag der Nacht entgegen, kommt auch die Musik zur Ruhe.
Im Anschluss legten wir die dritte Lümmel- und Leserunde ein und machten uns dann so langsam aber sicher auf den Heimweg. Ein herrlicher Tag bei Sonnenschein und wenig Rumgelatsche! Wir sind bestimmt unter 20,000 Schritt' geblieben ;)