Endlich Mittelalterfeeling in Good Old England!
Salisbury war schon kein schlechter Anfang, Cambridge und Oxford dagegen verspühten wenig Charme aus der Gründungszeit ihrer Universitäten (13. Jhd.) und werden bei mir wohl keinen bleibenden Eindruck hinterlassen, als eben den, nicht richtig mittelalterlich gewesen zu sein.
Canterbury ist da schon gaaanz anders. Schon das mächtige Stadttor und die ordentliche Stadtmauer verleihen dem Örtchen einen Hauch Alterwürdigkeitet vergangener Tage. Der Eindruck verflüchtigt sich keineswegs, sobald man im Stadtinneren ist, obwohl dort alle Geschäfte ihren Platz haben, die jede morderne Stadt heutzutage eben hat. Die erhaltenen und liebevoll restauriereten - und vor allem mit neuem Leben erfüllten! - Gemäuer schafften es sogar, die Touristen weniger touristisch auffallen zu lassen.
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| Oben: Kleine Sträßchen, Gässchen und Kanälchen in Canterbury | Unten: ein nach allen Seiten schief-nach-schräg stehendes Häuschen mit einem gemütlichen Antiquariat drinnen. |
Bevor wir uns jedoch zum ältesten noch erhaltenen Stadtteil - der Krypta der Kathedrale - begaben (und natürlich Eintritt löhnten), erschlenderten wir gemütlich das Örtchen. Unter anderem viel mir natürlich sofort das "Weberhaus" von 1500 auf (Bild oben mittig). Die Weberei wurde in Canterbury, im Grunde genommen, fast überall in Europa; außer in Schlesien, dort sind irgendwie nicht viele angekommen, im 16. Jahrhundert durch aus Frankreich geflüchtete Hugenotten wieder auf Hochtouren und vor allem auf neue Qualitätsstufen gebracht. Das schmucke und für die damalige Zeit große Fachwerkhaus lässt auf eine starke Gilde im Ort schließen.
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| Links: Stadttor | rechts: Weberhaus |
Weiter ging es in Richtung der St. Augustinus Abtei, deren dazugehörige Klosterreste wir hätten besichtigen können, es aber nach dem Blick auf die Preistafel nicht taten. Ein Großteil des Geländes wird eh von der Kent-Universität eingenommen, so dass wir nicht alles hätten sehen können. Auf unserem Weg zurück zur Innenstadt, fielen zwei lebensgroße Standbilder sichtlich ins Auge. Die christliche Frankenkönigstochter Bertha und der heidnische Königssohn von Kent, Aethelbert, heirateten in der Wendezeit vom 6. zum 7. Jahrhundert und das Christentum hielt auch endlich in Kent Einzug, so die "etwas" verkürzte Version einer "etwas" längeren Geschichte.
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| Oben: Klosterreste | Unten links: St. Augustinus Abtei; heute Eingang zur Universität | mitte: Aethelberth empfängt Bertha; im Hintergrund: die Katedrale | rechts: Stadtmauer von Canterbury |
Nach Pizza und Spaghetti schlossen wir einen kurzen Abstecher zum "Fudge"-Geschäft an, da ich ja zu gerne wissen wollte, was das nun eigentlich ist und ein Reklameschild verhieß "Probehäppchen". Nun ja, "Fudge" ist ein englisches Karamell-Konfekt der übelstsüßen Sorte, das in etwa seifengroßen Stücken verkauft und verspeist wird. Franz und mir reichte das klitzewinzige Probierstück. Der Verkäufer lachte blos...
Da in Canterbury alles dicht beisammen steht, war es also auch nur ein Katzensprung zur Kathedrale. Wieder schritten wir unter einem mächtiglichen Tor hindurch und hatten sie majestätisch vor uns. So majestätisch, dass mein Objektiv bei dem Versuch sie auf ein Foto zu bannen, scheiterte. Im Mittelalter haben sie wirklich nicht an Objektivbrennweiten gedacht... Dafür haben die Baumeister sehr präzise mit ihren Zirkeln zirkuliert und die Steinmetze gearbeitet, auch wenn viele von ihnen bis zur Fertigstellung 800 Jahre brauchten (1067-Mitte 19. Jhd.). Zwischendurch ist sie ein paar mal abgebrannt, eingestürtzt, umgebaut worden, aber immerhin, nun ist sie Weltkulturerbe. Der älteste Teil der Kirche ist die Krypta, deren Mauern noch von der Vorgängerkirche herrühren (1077). Dort darf man natürlich nicht fotographieren... Sonst, hat sie schon was: Pracht durch reine Eleganz, ohne Protz. Ein Kunststück, dass heute nicht viele vollbringen.
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| Kathedrale von Canterbury; Kreuzgang |
Unter den Dächern des Kreuzganges suchten wir dann Regendeckung, als es kurzzeitig zu schütten anfing. In einer Regenpause schafften wir es in die Schokolaterie und in der nachfolgenden besichtigten wir noch die Ruinen der königlichen Burg (11. Jhd.), bevor es mit dem Zügele wieder nach London ging.
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| Canterbury, Burgruine |