Am nächsten Tag hatten wir wieder genug von London und
fuhren ins altehrwürrrrdige
Oxford, wo
bekanntlich DAS (very British) English erfunden wurde. Ein Ort der Bildung, Glanz und Gloria,
Inspector Barnaby und englischem Rasen.
Das Prinzip der Stadt gleicht dem von Cambridge – es ist
eine Ansammlung von Colleges, die irgendwo carréeförmig in den Straßen lungern,
meistens durch eine imposante Fassade und dem Schild „Eintritt kostet“
versteckt. Das Herzstück ist diesmal aber keins der Colleges, sondern die
Bodleian Bibliothek, die schon früh zu einer Pflichexemplarbibliothek wurde, sprich mit 9 Mio. Einheiten auf 176
Regalkilometern die Ausmaße einer Nationalbibliothek hat. Süß, dass sie mal mit
einer Schenkung von 2000 Papierrollen im Jahr 1601 angefangen hatte. Den Trick
hatten die Bibliothekare jedoch schnell heraus und schon 1610 trat wohl die
Regelung in Kraft, dass „the Bod“ ein Exemplar jeder Veröffentlichung haben
sollte.
Interessanter ist natürlich,
dass in den Räumlichkeiten auch Harry Potter gedreht wurde. ;)
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| Bodleian Library von außen und innen | Als das ursprüngliche Gebäude weder in die Breite noch in die Höhe erweitert werden konnte, wurde "Anbauten" anderer Art ersonnen. |
Die Bibliothek musste natürlich anbauen und erweitern, so
dass heute etliche interessante Häuser, Z.B. der Rundbau der Radcliffe Camera,
bewundert werden können.
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| Lesesaal. Bücherklau wurde die Ankettung der Bücher verhindert :) (Foto aus dem Netz, da wieder Fotographierverbot herrschte.) |
Nach der lehrreichen Tour durch die Glanzsäle der
Bibliothek, streiften wir durch die Straßen auf der Suche nach dem Marktplatz.
Schließlich weiß man erst, wie man seinen Stadtgang so richtig planen soll,
wenn man in der Mitte angekommen ist. Nur, in ganz Oxford war einfach kein
Marktplatz zu finden. Es gab einen überdachten Markt, der wohl aus mehreren
Straßenzügen und Hinterhöfen zusammengeschweißt worden war, aber einfach keinen
Platz. So mit Blümchen und Bänkchen und Springbrunnen…. Nö. Keine Springbrunnen
für Oxford.
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| Oxford ohne zentralen Platz. |
Es gab einfach nur Straßenzüge und Sehenswürdigkeiten und einen
botanischen Garten und einen Boulevard, wo Autos
nicht fahren durften, immerhin. Komische Stadt. Also
suchten wir uns einen Kuchen
drinnen, in
einem nur von außen schick aussehendem Café, um auf dem Rückweg festzustellen,
dass man an der alten Oxforder Burg eine sehr schöne Passage mit Café und
Terrassen angelegt hatte. Die Burgreste interessierten in Oxford lustigerweise keinen
– wahrscheinlich stehen in Britannien einfach zu viele davon herum.
Am Abend fuhren wir dann noch nicht gleich nach Hause. Es
war nämlich der 1. September und London hat für den Monat das „Take me to the River“
(Nimm mich mit zum Fluß) Festival ausgerufen. Warum das Flussfest mit „London‘s
Burning“ (London brennt) beginnt, erschließt sich zwar nicht so, aber egal. Es
wurde an den 350. Jahrestag des Großen Brands von London anno 1666 erinnert,
der große Teile (große Teile? Fast die gesamte Stadt!) Zentral-Londons
zu einem
Haufen Asche reduziert hatte. Wir mussten das zum Glück nicht nachstellen, aber
es gab Installationen mit Feuer zu sehen, das überraschend offen brannte und
fröhlich im Themsen-Wind flackerte. Wenn man sich durch die Installationen
schlich, spürte man ansatzweise, wie das so ist, wenn es um einen zu allen Seiten
brennt. Aber wir konnten das Ganze gemütlich bei Live-Musik genießen und fielen
danach doch eher müdiglich ins Bett.
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| "Feuer-Garten" vor der Tate Modern | erleuchtete Tower Bridge. |