Mittwoch, 7. September 2016

Greenwich und "araaabische Naaaaaacht" (31.08.2016)


Am Mittwoch waren wir wetterbedingt genötigt, uns gegen den Besuch bei der asiatischen Kunst und den Dinos in den sicherlich wunderbaren Nationalmuseen von London zu entscheiden. Schließlich war Wetter und wenn Wetter ist, dann wird die Nase in den Wind gehalten. Und zwar in Greenwich, am Punkt 0 der Erde.

Aus der Metro steigt man fast direkt am Hafen aus, um die Cutty Sark zu bewundern, was ihres Zeichens der letzte für den Seehandel gebaute Tee- und Wollklipper ist. Wikipedia weiß zu berichten, dass der Name dem Werk Tam O'Shanter (1791) von Robert Burns entstammt und in der Mundart Lowland Scots so viel wie ein „kurzes (Unter)hemd“ bedeutet, welches der fiktiven schönen Hexe Nannie gehört. Das Schiff hat dementsprechend als Galionsfigur die Nannie – mit einem kurzen Hemdchen bekleidet und einem Strick in der ausgestreckten linken Hand (anstelle des Schweifes von Tams Pferd, den sie bei dessen Verfolgung nur ergreifen konnte).
 
Cutty Stark, 1869, mit das schnellste Segelschiff seiner Zeit.

Aber das Museum dazu haben wir ausgelassen, denn wir haben lieber die Geschichte Greenwichs erkundet. Ich jedenfalls hatte den Ort nur mit dem Meridian in Verbindung gebracht und war doch verwundert, dass es dort königierte und palastierte. Wir schlossen uns einer kostenlosen Führung an, denn man hat ja Zeit und kriegt am Ende doch mehr mit. 

Old Royal Naval College, ehem. königlicher Palast, später zum Marinehospital für verwundete und invalide Seeleute um- und ausgebaut (1682) | unten: Führung und ich mit Ritterhelm.
Die Stadt war demnach nach dem Bau des Palace of Placentia im frühen 15. Jahrhundert Residenzort mehrerer englischer Könige, u.a. Geburtsort von Henry VIII und seinen Töchtern, den späteren Königinnen Maria I. und Elisabeth I.. Aber der Palast verfiel und wurde später als königliches Seefahrerkrankenhaus erweitert, das sich wiederum 1873 zum Royal Naval College wandelte. Seit 1997 gehört der Stadtteil zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Die Führung machte jedenfalls deutlich, dass früher auch nicht alles besser war, denn ein beträchtlicher Teil der Aufgaben des Bauherren und der Restauratoren bestand darin, Einsparungen durch Trickserei hinzubekommen (so ist nicht alles Marmor, was wie Marmor aussieht). Glanzstück des College ist jedenfalls die im King William Court gelegene „Bemalte Halle“ (Painted Hall), die ursprünglich als Speisesaal für die Pensionäre geplant war. 

"Speisesaal" und "Ehefrau unter'm Teppich".
Der Saal gilt mit seiner Wand- und Deckenbemalung als Höhepunkt der englischen Barockmalerei. Die Malereien stammen von James Thornhill, der allein an dem Deckengemälde Der Triumph der protestantischen Thronfolge 20 Jahre lang gearbeitet hat. Dafür mogelte er sich in voller Gestalt selbst ist das zentrale Gemälde. Das verbirgt außerdem noch eine andere Anekdote. Es zeigt die Entourage des Kurfürsten von Braunschweig-Lüneburg (Kur-Hannover), Georg Ludwig, als dieser nach England kommt, um König zu werden. Prominent mit abgebildet ist sein zahlreiches Gefolge sowie Mätresse(n). Die eigene Ehefrau (Sophie Dorothea von Celle) musste natürlich wegen Ehebetrugs zu Hause bleiben (Verbannung nach Ahlden) und weil sie so unbeliebt war, soll Thornhill sie malerisch als Quasi-Leiche unter den Teppich gekehrt haben. Nur die Hand sei noch zu sehen! In Wahrheit ist dies lediglich ein durchscheinendes Stück einer früheren Version des Gemäldes und die Hand gehörte zu einer Figur im Gemälde. 

Danach schlenderten wir den grünen Hügel hinauf zum Meridian, der natürlich Geld kostete, weswegen wir ihn nur durch den Zaun fotografierten. Alsdann ging es durch den Markt von Greenwich, auf dem wir unser Mittagessen ergattern konnten. 

Observatorium; 0-Meridian verläuft dort, wo die Leute mit Kameras stehen ;)
Handwerkskünstler und Schmuck- und Klamottendesigner haben dort ihre Stände | Fressbuden aller Art - auch der süßen Zunft - sind vertreten | Picnic!
Wir lagen gut in der Zeit und machten uns auf zurück ins Herz von London, zur Westminster Abbey. Auch dort haben wir den Eintritt aus preistechnischen Gründen (25 €!!!) abgelehnt, aber so von außen muss man ja doch mal vorbeischauen. Und feststellen, dass der Big Ben ja doch am Parlamentsgebäude dranhängt und alles zusammen doch recht malerisch in der Landschaft steht.  

Dann Schlug unsere Stunde 16.00 Uhr und wir tingelten mit dem Bus zum Covent Garden. Der Stadtteil ist das hippe Viertel und wartet mit vielen netten Läden, aber auch den üblichen Verdächtigen (H&M etc.) auf. Der Covent Garden Market selbst ist jedoch eine schöne Halle voller Klimmbimm, Cafés, Livemusik und Straßenkünstlern, so dass uns die Zeit zum Höhepunkt des Tages nicht lang wurde. 

Und der Höhepunkt? Wir hatten Karten für das Musical "Aladdin" gekauft. Ein Hoch auf das Internet, in dem man einfach nach Karten schauen kann, diese bezahlt und die Bestätigung an der Kasse mit dem Handy vorzeigt. So saßen wir in dem typisch nach Theater aussehendem Prince Edward Theater und lauschten den Klängen von „Die arabische Naaaacht“ und sahen Aladdin mit Prinzessin Jasmin auf dem fliegenden Teppich unter der verdunkelten und doch sterne-glitzernden Theaterhalle schweben. 

Fotographieren war natürlich strengstens verboten, daher hier ein paar Bilder aus dem Netz. (Genie, untenn links, stahl allen und jedem die Show...)
Somit kann ich nur sagen, dass der Tag auch meinen Füßen sehr entgegen kam. Auch wenn wir SELBSTVERSTÄNDLICH am Tag zuvor in den Kew Gardens 20.810 Schritte und an besagtem Mittwoch 21.292 Schritte gelaufen sind.