Freitag, 5. August 2016

Museen (31.07.2016)

Es war also Sonntag, mein freier Tag der Woche, und mein Plan sah den Besuch des Naturhistorischen Museums (Natural History Museum) vor. Mein Superplan sah außerdem vor, rechtzeitg da zu sein, um dem Ansturm der Massen zuvorzukommen. Mein Plan sah NICHT vor, dass meine U-Bahnstation - sie heißt übrigens "Angel" (Engel) - auf Grund von Streckenbauarbeiten geschlossen sein würde - ich also erst nach King's Cross laufen musste - und dass sich um 10:00 Uhr schon eine lange Schlange wartender Menschen hübsch im Schatten der Museumsmauern entlang vor dem Einlass gebildet haben würde.

Zum Glück kann man die "Exhibition Road" (Ausstellungsstraße) in South Kensington, meinem Zielort, auch als die "Museumsstraße" von London bezeichnen. Außer dem Naturhistorischem Museum, sind nämlich auch das "Victoria und Albert Museum" und das "Wissenschaftsmuseum" an der Straße gelegen, vor denen Null-Komma-Null Menschen herumstanden und auf Einlass warteten. Mein neuer Superplan lautet demzufolge: zu erst das V&A und dann, wenn sich die Massen ermüdet um die Mittagszeit verdrückt haben würden, zu den ausgebuddelten Überresten vergangener Erdzeitalter.

Wie überall, wird auch an den Museen, bzw. davor, dahinter und nebenan gebaut und es stehen Bauzäune zu Hunderten herum, die Fotos so gut wie unmöglich machen. Daher auch hier wieder welche aus dem Netz.

Naturhistorisches Museum | Viactoria und Albert Museum (Wikipedia)
Das "V&A"-Museum hatte ich ebenfalls auf meinem Museumsplan gehabt, vor allem, weil sich das Museum u.a. auch der Textilgeschichte verschrieben hat und eine exquisiste Sammlung aller möglichen Stoffe von allen Kontinenten aus allen Zeiten beherbergen soll. Nun kam ich also früher als gedacht hinein :)

Ich muss sagen, dass das Museum zu UNRECHT wohl Dasjenige ist, was unter Touristen am wenigsten bekannt ist und dementsprechend mit (Fast)Nichtbeachtung gestraft wird. Es ist absolut fantastisch! Es beherbergt "Kunst"- und "Design"-Gegenstände aus 5000 Jahren Weltgeschichte: Keramik, Glas, Schmuck, Gemälde, Skulpturen, Kleidung, Grabmäler, Häuserfassaden und und und... So ein ehemaliges Eimpire hat schließlich so allerhand nach London gespült (wahrscheinlich auch nicht immer legal und freiwillig hergegeben, zugegeben) und das wird nun in tollen Räumen von 1852 in Szene gesetzt. Schon das Gebäude ist die Besichtigung absolut wert.

Eingangshalle | Silbergeschirr | kennt Jede/r :)
Einige Schmuckstücke sind so wertvoll (könnte an dem vielem Gold und den funkelnden Edelsteinen liegen...), dass aus Sicherheitstechnischen Gründen keine Fotos gemacht werden dürfen und vier Sicherheitsbeamte die Ein- und Ausgänge zum Ausstellungsraum bewachen. Das Museum wurde von Königin Victoria 1857 eröffnet und wird wohl mit das erste Museum gewesen sein, dass "Abendstundenöffnungszeiten" angeboten hat, um der "Arbeiterklasse" die Besichtigung zu ermöglichen. Nach meinem späteren Erlebnis, muss ich dem Museum jedenfalls fast wünschen, nicht so bekannt zu werden, damit es weiterhin als Bildungseinrichtung bestehen bleiben kann, in dem man sich wirklich nach Lust und Laune bewegen kann, sich die Texte durchlesen oder es bleiben lassen kann, sich die Videobeiträge ansehen kann oder sich eben doch eine andere Ecke verdrückt, die einem mehr zusagt. 

Nach vier Stunden war mein Hirn nicht mehr aufnahmefähig und brauchte eine Pause. Zum Glück gibt es im Innenhof Stühlchen zum Sitzen, eine ausgezeichnete Küche mit frischen Salaten und Gemüsezeugs, ein Wasserbecken (das als Kinderplantschbecken freigegeben wurde) und ein paar Bäumchen, die für Schatten sorgten. Seit Mai sorgt außerdem ein Roboter aus Stuttgart für zusätzliche schattige Plätzchen. "Kuka" ihr oder sein Name spinnt aus Kunstfasern ein "Gewebedach" nach Mustern, die in der Natur vorkommen. Die Sensoren innerhalb der Kunstfaserstricke registrieren dabei "Verhaltensmuster" von Menschen, die sich unterhalb des Daches aufhalten und gibt deren Liege-, Sitz- oder Stehpositionen an den Roboter weiter, der seine "Webtätigkeit" entsprechend ausrichtet. Daher also auch die jetzige Ausbreitung der "Dächer" des Pavillions. Bis November 2016 entsteht damit kontinuierlich ein Gebilde, dass sich der Raumnutzung durch den Menschen anpasst.

Innenhof mit noch nicht fertigem Pavillion | Kuka bei der Arbeit
Wie man sieht, breitet sich der "Sonnenschirm" rund um die Wasserfläche aus. Wenig erstaunlich, halten sich dort tatsächlich die meisten Menschen auf und lümmeln auf der Wiese herum oder beobachten mit Argusaugen, was ihre Sprösslinge im Wasser für Blödsinn anstellen.

Nach diesem Museum konnte das Naturhistorische Museum gar nicht mehr besser, toller, schöner sein. Das soll nicht heißen, dass die Sammlung nicht auch imposant und beeindruckent ist - im Gegenteil - aber Teil zwei des Superplans ging nicht ganz auf. Zwar war ich innerhalb von zehn Minuten tatsächlich im Museum, war aber nicht wie erhofft "alleine". Noch immer drängelten und schoben sich die Menschen (quängelnde Kinder, schreiende Babys und gehetzte Eltern) durch die Gänge und an den Vitrinen vorbei. Massenhaft Personal versuchte dem Menschenandrang Herr zu werden und dem Strom eine Richtung zu geben, um größere Staus zu vermeiden, aber ich wollte eigentlich nur noch raus. Den Großteil des Museums außer Acht lassend, kämpfte ich mich zu den Dinos vor, die ja im Grunde DIE Attraktion des Museum sind und danach versuchte ich schnellstmöglich wieder da raus zu kommen.

"Sophie", die neuste Erwerbung des Museums; dahinter geht es per Rolltreppe in den Erdkern und zum "Urknall" | Schließlich der Tyranosaurus Rex. Einige haben sich ganz schön erschreckt, als er sich plötzlich bewegte und das Maul weit aufriss :)
Die Halle, die das Museum wohl so berühmt gemacht hat, das es jetzt hoffnungslos überlaufen ist und den Besuch zum Krampf werden lässt | Evolution von Tiergrößen im Vergleich
Schade, aber London "leidet" tatsächlich unter zu vielen Touristen. Mittlerweile nerven mich die Kammeraträger und Fotoschießer schon selber, wenn ich auf dem Weg zur Bib oder ins Archiv bin... Ganz schlimm sind Deutsche, die der Meinung sind, in der eh schon übervollen U-Bahn, ihren Stadtplan ausbreiten zu müssen um lautstark zu überlegen, ob es klüger sei, erst zum Buckingham Palast oder zum Tower zu fahren. Obwohl eigentlich klar ist, dass wenn sie schon in der Picadilly Line in Richtung "Westen" unterwegs sind, sie nie beim Tower ankommen können! Volk!

Ich war jedenfalls durch an diesem Tag und verdrückte mich aus Kensington, mähte Rasen, wässerte wieder ordentlich Blümchen und fiel ins Bettchen.