Zum Glück kann man die "Exhibition Road" (Ausstellungsstraße) in South Kensington, meinem Zielort, auch als die "Museumsstraße" von London bezeichnen. Außer dem Naturhistorischem Museum, sind nämlich auch das "Victoria und Albert Museum" und das "Wissenschaftsmuseum" an der Straße gelegen, vor denen Null-Komma-Null Menschen herumstanden und auf Einlass warteten. Mein neuer Superplan lautet demzufolge: zu erst das V&A und dann, wenn sich die Massen ermüdet um die Mittagszeit verdrückt haben würden, zu den ausgebuddelten Überresten vergangener Erdzeitalter.
Wie überall, wird auch an den Museen, bzw. davor, dahinter und nebenan gebaut und es stehen Bauzäune zu Hunderten herum, die Fotos so gut wie unmöglich machen. Daher auch hier wieder welche aus dem Netz.
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| Naturhistorisches Museum | Viactoria und Albert Museum (Wikipedia) |
Ich muss sagen, dass das Museum zu UNRECHT wohl Dasjenige ist, was unter Touristen am wenigsten bekannt ist und dementsprechend mit (Fast)Nichtbeachtung gestraft wird. Es ist absolut fantastisch! Es beherbergt "Kunst"- und "Design"-Gegenstände aus 5000 Jahren Weltgeschichte: Keramik, Glas, Schmuck, Gemälde, Skulpturen, Kleidung, Grabmäler, Häuserfassaden und und und... So ein ehemaliges Eimpire hat schließlich so allerhand nach London gespült (wahrscheinlich auch nicht immer legal und freiwillig hergegeben, zugegeben) und das wird nun in tollen Räumen von 1852 in Szene gesetzt. Schon das Gebäude ist die Besichtigung absolut wert.
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| Eingangshalle | Silbergeschirr | kennt Jede/r :) |
Nach vier Stunden war mein Hirn nicht mehr aufnahmefähig und brauchte eine Pause. Zum Glück gibt es im Innenhof Stühlchen zum Sitzen, eine ausgezeichnete Küche mit frischen Salaten und Gemüsezeugs, ein Wasserbecken (das als Kinderplantschbecken freigegeben wurde) und ein paar Bäumchen, die für Schatten sorgten. Seit Mai sorgt außerdem ein Roboter aus Stuttgart für zusätzliche schattige Plätzchen. "Kuka" ihr oder sein Name spinnt aus Kunstfasern ein "Gewebedach" nach Mustern, die in der Natur vorkommen. Die Sensoren innerhalb der Kunstfaserstricke registrieren dabei "Verhaltensmuster" von Menschen, die sich unterhalb des Daches aufhalten und gibt deren Liege-, Sitz- oder Stehpositionen an den Roboter weiter, der seine "Webtätigkeit" entsprechend ausrichtet. Daher also auch die jetzige Ausbreitung der "Dächer" des Pavillions. Bis November 2016 entsteht damit kontinuierlich ein Gebilde, dass sich der Raumnutzung durch den Menschen anpasst.
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| Innenhof mit noch nicht fertigem Pavillion | Kuka bei der Arbeit |
Nach diesem Museum konnte das Naturhistorische Museum gar nicht mehr besser, toller, schöner sein. Das soll nicht heißen, dass die Sammlung nicht auch imposant und beeindruckent ist - im Gegenteil - aber Teil zwei des Superplans ging nicht ganz auf. Zwar war ich innerhalb von zehn Minuten tatsächlich im Museum, war aber nicht wie erhofft "alleine". Noch immer drängelten und schoben sich die Menschen (quängelnde Kinder, schreiende Babys und gehetzte Eltern) durch die Gänge und an den Vitrinen vorbei. Massenhaft Personal versuchte dem Menschenandrang Herr zu werden und dem Strom eine Richtung zu geben, um größere Staus zu vermeiden, aber ich wollte eigentlich nur noch raus. Den Großteil des Museums außer Acht lassend, kämpfte ich mich zu den Dinos vor, die ja im Grunde DIE Attraktion des Museum sind und danach versuchte ich schnellstmöglich wieder da raus zu kommen.
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| Die Halle, die das Museum wohl so berühmt gemacht hat, das es jetzt hoffnungslos überlaufen ist und den Besuch zum Krampf werden lässt | Evolution von Tiergrößen im Vergleich |
Ich war jedenfalls durch an diesem Tag und verdrückte mich aus Kensington, mähte Rasen, wässerte wieder ordentlich Blümchen und fiel ins Bettchen.




