Irgendwen oder irgendeinen Ort verbindet jeder mit "Stolz und Vorurteil" (1813). Für Engländer ist es u.a. Bath, die Stadt, in der Jane Austen sechs Jahre lang gelebt, aber - zum Leidwesen aller Bather - nie gemocht hat. Werben lässt es sich mit ihr dennoch ganz gut :)
Zwar wusste ich um die Verbindung des Ortes zu dem Klassiker englischer Literatur, allerdings war Austens Liebesgeschichte nicht Grund genug, um einen Besuch zu rechtfertigen, da muss ein Städtchen schon mehr zu bieten haben. Ein altes römisches Bad zum Beispiel.
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| Paddington in Paddington. |
Mit der Erfahrung des allmorgendlichen Berufsverkehrs hatte ich die Fahrtzeit am ersten Wochenendtag etwas zu hoch angesetzt und wir kamen viel zu früh am Bahnhof Paddington an. Zeit genug also, um nach "Paddington" zu suchen. Ein Denkmal des Kinderbuchhelden, ein Plüschbär, der 1958 das Glück hat am Bahnhof nach dem er benannt ist gefunden zu werden, darf schließlich nicht fehlen...
Als 10 Minuten vor Abfahrt auch klar war, dass unser Zug vom Gleis 10 abfahren würde, marschierten wir zügigen Schrittes los, weil unser Waggon natürlich gaaanz am Ende des Zuges zu finden war. Zum Glück hatte Franz Sitze reserviert, so dass wir nicht stehen mussten.
Der Wetterbericht hatte "leicht bewölkt mit sonnigen Augenblicken und Regenschauern gegen 11:00 Uhr" vorhergesagt. Danach sah es während der Fahrt allerdings NICHT aus. Die Schlafmütze neben mir konnten die tiefhängenden, grauen Wolkentürme nicht beunruhigen, ich fragte mich natürlich, ob das ein gelungener Ausflug werden würde.
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| Aussicht während der gesamten Zugfahrt. |
In Bath angekommen, folgten wir einfach dem Menschenstrom und gelangten so zur Hauptflaniermeile des Städtchens. Cambridge war schon nicht groß und Bath ist wahrscheinlich auch nicht größer. Jedenfalls waren wir kaum auf dem Platz vor der Pfarrkirche angekommen, fing es an zu tröpfeln und wir suchten Unterschlupf in einem Cafe und ließen uns ein Küchelchen und zwei heiße Schokolädchen munden. Im Tagesverlauf klarte es einmählig auf und die Sonne hatte tatsächlich ihre Kurzauftritte. In dieser Zeit wanderten wir kreuz und quer durch die Stadt; an einigen Ecken waren wir bestimmt fünf Mal. Während der nieseligen Phasen kehrten wir irgendwo ein und ließen es uns schmecken.
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| Typischer Straßenzug in Bath | Bath Abbey und rechts davor der Eingang zum römischen Bad. |
Das Städtchen wird heute durch die Architektur der georgianischen Epoche (ca. ab 1720er bis ca. 1820er) geprägt, als die Stadt, endgültig zum Kurort aufgestiegen, deutlich ausgebaut wurde ohne zur Großstadt zu werden. Zum Bau wurde Kalkstein aus den naheliegenden Steinbrüchen verwendet, was der Stadt ein (fast schon penetrantes) gleichförmiges Aussehen verleiht. Nur der Liebe zum Detail einiger Laden-, Cafe- oder Restaurantbesitzer und nicht zu letzt der Hanglage ist es zu verdanken, dass der Kurort einen gewissen Charme verbreitet. Allerdings scheint Bath ein gewaltiges Problem mit dem Abzug seiner Einwohner zu haben; viele der alten Wohnhäuser in den großzügig angelegten Wohnanlagen wirkten sehr verlassen...
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| Kleine Sträßchen mit noch kleineren Lädchen | Flusslage |
So ziemlich zum Schluss stellten wir uns in die Warteschlange vor dem römischen Bad an. Kein Wunder das die sonnenverwöhnten Römer sich gerade an dem Ort niederließen und ein Bad errichteten (47 n. Chr.), an dem die einzige heiße Quelle des sonst wegen des Klimas ungeliebten Britanniens sprudelt. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Bäder wieder entdeckt und ausgegraben. Aus der Zeit stammen auch die Terrasse und die sie säumenden Figuren, damit Besucher die Bäder von oben betrachten konnten. Mittlerweile sind auch die unterirdischen Teile der Badanlage über einen Rundgang zugänglich.
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| Das römische Bad: unterer Teil ist "original" römisch, oberer Teil (erstes Stockwerk, wenn man so will) wurde im 19. Jahrhundert "stilecht" hinzugebaut. Im Hintergrund: Bath Abbey | Ganz rechts: heiße Quelle. |
Mit gerade Mal 21,973 Schritten an jenem Tag, blieben wir deutlich unter
dem Pensum vom Freitag mit 31,618 Schritten. Allerdings lag das nicht
an der Laufbereitschaft, sondern an der Kleinheit des
UNESCO-Weltkulturerbe-Ortes.Trotzdem, der Besuch der Bäder, auch wenn man nicht darin baden darf, sei Jedem empfohlen.
Ach ja, ein kleines Detail ist noch erwähnenswert. Der Baumeister der Kirche hat das "Erklimmen der Himmelsleitern" wohl wörtlich verstanden und die Steinmetze entsprechend instruiert:
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| Bath, Abbey mit kletternden Engeln. |