An jenem Montag machte ich mich voller Hoffnung zu Fuß zum Metropolitan Archive (Stadtarchiv) auf. Ein kleines, aber feines Archiv, etwas versteckt, aber in meiner näheren Umgebung gelegen. Sechs Stunden später war klar, hier würde ich auch nicht fündig werden. Es ist zum verrückt werden!
Nach so viel Misserfolg, war ich froh, schon etwas früher gehen zu können, um nicht zu spät zu meiner Verabredung zu kommen. Getroffen habe ich mich mit Melanie, ihres Amtes Direktorin des Rothschild Archivs in London. Zwar haben die Rothschilds vorwiegend im Berg- und Eisenbahnbau, natürlich auch im Bankwesen, ihr Geld angehäuft, und das auch erst in Mengen im 19. Jahrhundert, die Familie ist daher für mich und mein Thema uninteressant, aber das hielt mich nicht von einem Treffen ab.
Ich kam in den Genuss einer Privatführung durch die Räumlichkeiten des Archivs; dem Gebäude, welches exakt an der Stelle steht, an dem sich auch schon die Geschäftsräume des Londoner Familienzweiges der reiches, ursprünglich aus Frankfurt am Main stammenden Familie, befanden. Weder das Äußere, noch die Inneneinrichtung des Archivs heben sich dezidiert von den benachbarten Bankfillialen und Finanzzentren ab. Lediglich der "Platz", in dem Fall der "freigelassene Platz", geben Jedem zu verstehen, dass Geld offensichtlich keine Rolle bei der Unterhaltung des Familien- und Firmenarchivs in der City of London spielt. Mietpreise in der Stadt sind astronomisch, von Wohnungspreisen ganz zu schweigen. Aber das Archiv begrüßt jeden Besucher in einer weiträumigen Vorhalle, in der lediglich fünf Ledersessel, zu einem Halbrund um ein Tischchen angeordnet, stehen, sonst nichts. Wenn Geld stinken würde, dort würde man es nicht aushalten...
Melanie ist aber ganz normal, sehr nett und hilfsbereit. Vom Glasdach, dem weit und breit höchsten, konnte ich ungehindert über die Dächer der Stadt hinwegblicken und Melanie wusste auch zu jeder Ecke noch etwas zu berichten. Wieder auf Erden angekommen, gingen wir in den Lese- bzw. Arbeitsraum, den ForscherInnen benutzen, wenn sie in die umfangreichen Unterlagen Einsicht nehmen. Aus Sicherheitsgründen durfte ich nicht fotographieren, aber hier hat Frau Direktor eine Ausnahme gemacht :)
Am Morgen darauf hatte ich Post im Mailkasten: Melanie hat ihre Kontakte spielen lassen und nun suchen wohl einige Archivmitarbeiter nach schlesischen Leinenkaufleuten - mal sehen, ob sie fündig werden. Danke!
