Dienstag, 30. August 2016

Spaziergang an der Themse (26.08.2016)

An einem schönen Donnerstagabend Mitte-Ende August sollte endlich ein lang erwartetes Ereignis eintreffen, dass unser aller chronisch tiefgefrorenes Studentenwesen für eine Woche aus dem Archiv eisen würde: Offiziell als Stadtführer für das immerhin nur ein Stündchen verspätet angekommene Schwesterchen engagiert, war ab 2.00 Uhr Freitag endlich wieder Sonne angesagt! 

Zunächst mussten wir am King’s Cross Bahnhof Muscheln kaufen gehen - in Form der Oyster-Card (also Muschel-Karte), die hierzulande für das öffentliche Verkehrsnetz genutzt wird. Natürlich ließen wir es uns nicht nehmen, Bahnsteig 9 ¾ zu suchen, der, wie alle eingeweihten Harry-Potter-Leser wissen dürften, zum magischen Zug in die Schule für Hexerei und Zauberei Hogwarts führt.

King's Cross, Bahngleis Neundreiviertel.
Aaaalso…. Ich weiß ja nicht, warum 9 ¾ irgendwo abseits der Gleise an einer schnöden Wand sein sollte, aber mit den blöden Touris kann man es ja machen. Jedenfalls stellten sich ordentlich viele Menschen in die Schlange, um am eigens angebrachten 9 ¾ Bahnsteig-Schild mit Zauberstab und Schal zu posieren, wobei die nette falsche Schaffnerin noch den Schal hoch hält, damit es aussieht, als würde man in Richtung Wand gezogen werden. Magisch daran ist wohl nur die Tatsache, dass die Leute die Bilder davon tatsächlich für teuer Geld kaufen. 

Danach sind wir in die British National Library, um beeindruckende Originalwerke der Druckkunst aus aller Welt zu bestaunen. Erwähnte ich schon, dass Museen und Bibliotheken im Gegensatz zu den Bahnstationen hervorragende öffentliche Toiletten haben? ;) 
Pferdegarde

Alsdann ging es dank Muschel und der etwas klaustrophobisch anmutenden Londoner Metro zum Picadilly Circus. Der Plan war, bei schönstem Sonnenschein die Themse abzuspazieren. Von Picadilly ging es über St. James's Park zum Haus der Pferdegarde, wo tatsächlich zwei Bobbys auf Pferden dekorativ innerhalb der für sie vorgesehenen Einbuchtung der Mauer standen und versuchten, die Pferde trotz unerschrockener Touristen-Kinder unbeweglich und bei Laune zu halten. Damit dabei nichts schief geht, muss die berittene Streife dabei von einem Uniformierten mit Gewehr bewacht werden, ist ja logisch. 

Danach ging es über die Brücke, und wir erblickten das geschäftige Londoner Fahrwasser - Touristenschiffe, Museumsschiffe, Essensschiffe, Müllsammlerschiffe und Frachtkähne mühten sich durch die leicht fragwürdig gefärbte Brühe und verbreiteten geschäftiges Treiben. 

"Bankenviertel" | Tower of London | London Bridge
An den Ufern der Themse gibt es sehr schöne Promenaden, die natürlich ziemlich erhöht liegen und mit (von Umbaumaßnahmen gefährdeten) Bäumen bepflanzt sind. Das Volk tummelt sich in den Restaurants, Cafés, Läden und den Galerien und nutzte jede (echte und unechte) Rasenfläche, die sich bot. Findige Verkäufer hatten Liegestühle gegen Gebühr herbeigeschafft. 

Wir bestellten Spaghetti, streiften nur kurz durch das Tate Modern Art Museum und kauften lecker kandierte Paranüsse auf dem Borough Markt in der Nähe der London Bridge. Bei alldem präsentierte sich London so schön bunt, wie es sich für eine Metropole gehört. 
Viele kleine Läden sind von aufstrebenden Künstlern und Designern, die Preise ordentlich aber bezahlbar, die angebotene Ware ist mal rustikal British (Fish&Chips an allen Ecken), aber auch bedacht Bio-, Öko- und garantiert alles-frei (Laktose, Gluten, Konservierungsmittel?) und die Inder, Chinesen, Thailänder, Syrer und Nepalesen stecken auch in allen Ecken.
Die Leute auf den Straßen sind vor allem bunt und zu 80% vollkommen stillos, aber mit einer Selbstverständlichkeit, dass es nach dem ersten Schock schon nicht mehr auffiel. Dabei ist natürlich fragwürdig, wie viele Engländer sich tatsächlich im Gewimmel versteckten, denn so viel Englisch hörten man auch nicht, dafür sehr viel Deutsch und Polnisch.   

Cookies!
Wir waren uns für den ersten Tag meines Aufenthalts einig: Wir wollten zwar die britische Atmosphäre genießen, nicht jedoch das britische Essen und so waren ein echt-britischer Cookie und ein Brownie eine gute Lösung zur Akklimatisierung. So eine Zucker-trifft-Fett-Bombe, wenn sie einzeln auftritt, kann dann abends immerhin mit selbstgemachtem Salat wieder neutralisiert werden.

Meine Füßchen schlichen schon sehr schleichig über die London Bridge hin zum Tower, denn meine Alle-10.000-Schritte-eine-Pause-Regel wird hier ständig missachtet und meine Ermattungserscheinungen nur müde belächelt. Wahrscheinlich tankt Schwesterherz momentan Sonnenlicht oder so. Den Tower schauten wir uns angesichts der Eintrittspreise nur von außen an. Außerdem sieht der Tower an einem strahlenden Sommertag irgendwie nicht sehr towerig-schaurig aus und so fehlte der fein geputzten Spielzeugburg doch irgendwie der Flair.

Tower of London
Dann brachten mich meine Knochen nur noch bis zur St-Pauls-Kirche, wo wir dann endlich in einen Bus heimwärts stiegen. Dabei war ich schon so geschafft, dass ich ganz vergaß, mich im Doppeldeckerbus oben hin zu setzen. Das muss noch nachgeholt werden. 

St. Paul | Geschafft...