Tja, wenn das Wochenende auf einen Tag schrumpft, kann auch nicht ganz so viel gesehen werden, wie an zweien. Wenn der Sonntagmorgen auch noch grau und trüb und etwas kühl daherkommt, kann einem die Lust, den Hyde Park zu erwandern, auch vergehen. Wieder ein überfülltes Museum aufsuchen, wollte ich definitiv nicht, also beschloss ich die kleinen Dinge zu regeln, zu denen mir während der Woche immer die Zeit gefehlt hat: Wäschewaschen, größer einkaufen (die Läden haben schließlich offen), Handyguthaben wieder erneuern, Dateien auf dem Compi ordnen, damit ich den Überblick über die bereits durchgesehenen Archivalien nicht verliere, Nudeln kochen :)
Nach dem Mittag wollte ich dann schon fleißig weiter machen, als dann doch die Sonne hervorgekrochen kam und mir frech ins Gesicht schien. Nach kurzem Hin und Her, hab' ich mir ins Gedächtnis gerufen, dass Sonntag ist und bin dann doch zum Hyde Park gefahren.
Der Park hat eine bewegte Geschichte hinter sich: Im 16. Jahrhundert wurde der Park von einem Mönch bewirtschaftet, um als Jagdrevier für Heinrich VIII. herhalten zu können. Im 18. Jahrhundert avancierte er zum beliebten Duellaustragungsort; außerdem wurden an einem Dreiecksgalgen, der "Platz" für 24 Personen bot, öffentlichkeitswirksam Hinrichtungen ausgetragen. Allerdings wurde schon zu Beginn des Jahrhunderts den Torwächtern verboten, Schnapps an Besucher zu verkaufen, damit es "gesittet" zugeht. Beliebtheit erlangte auch der "Speakers Corner" (Redner Ecke), der zunächst Ort der letzten Worte der zum Tode durch den Strang verurteilten diente, später aber auch Karl Marx oder Lenin eine Plattform bot, ihre Gedanken vorzutragen. Die Red(n)e(r)freiheit wird durch einen Parlemantsbeschluss garantiert (1872), solange die Königsfamilie nicht zum Thema gemacht wird. Schade, Sonntagmorgen kann man dort immer noch dem ein oder anderen "Propheten" zuhören, aber das hatte ich verpasst. Heute ist der Park vor allem die "Grüne Lunge" Londons und bietet Spaß, Spiel und ENTspannung genügend Raum zur Entfaltung.
 |
| Oben: Liegefläche | Spaziergänger mit Kind und Kegel Unten: handzahme Eichhörnchen | ruhige Ecken überall mit vielen Wasserspielen |
Auf dem Parkgelände fand auch die "Great Exhibition", die erste Weltausstellung (1851), statt; der seiner Zeit berühmt Crystal Palace steht allerdings nicht mehr. Bis heute kann man allerdings das "Albert Memorial" bewundern, das zur Erinnerung an Albert von Sachsen-Gotha Coburg, dem Ehemann Queen Victorias, errichtet wurde. Der "Turm" ist 60 Meter hoch und seine Statue hält den Katalog der Weltausstellung in Händen, da Albert als Präsident der "Society of Arts" ein großer Verfechter der Ausstellung war. zu seinen Füßen sind die vier Kontinente Afrika, Amerika, Asien und Europa figürlich dargestellt. Von den Einnahmen, die durch die Weltausstellung erzielt wurden, wurden übrigens Museen errichtet, die noch heute in South Kensington stehen (u.a. das Victoria & Albert Museum, von dem ich schon berichtete), weswegen das ganze Gebiet auch "Albertopolis" genannt wird.
 |
| Oben: Albert Hall (Konzerthalle) | Albert Memorial Unten: Afrika und Asien |
Jo, nach diesem Spaziergang war ich schon bereit mir ein Eis zu gönnen, das Wetter mittlerweile wie aus dem Bilderbuch, schreckte aber vor den langen Schlangen zurück und kehrte einfach in mein derzietiges Heim heim. Nun ist Zeit für etwas Olympia! Vor allem Volleyball und Beach Volleyball werden ja mal ausführlich übertragen....