Nach dem ich meinen Aufenthalt voller Hoffnung auf neue nützliche Funde im Bestand der gekaperten Schiffe um eine Woche verlängert hatte, musste ich am Sonnabend (24.09.) in eine neue Bleibe umziehen. Mit Blick auf meine frühe Abflugzeit am Freitag (30.09.), wollte ich im Süd-Westen Londons verbleiben, möglichst nahe an der Picadilly-Line, die mich direkt zum Flughafen Heathrow bringen würde. Mit Sack, Pack und meinem Köfferchen ging es also nach Hounslow.
Der Stadtteil versprüht einen Charme ähnlich der Leipziger Eisenbahnstraße: Bangladeschi, einige arabisch aussehende Kuttenträger und viele, viele, viele Polen haben sich dort niedergelassen und die „Poundland“-Shops (Pardon zu unseren 1€-Läden) neben den vielen kleinen Gemischtkram-warenbuden machen es einem nicht schwer zu erraten, dass die Einkommensverhältnisse in Hounslow bei Weiten nicht so rosig aussehen, wie in Clapham oder Kew.
Jedenfalls, wollte ich meinen letzten Sonntag in London nicht in Hounslow verbringen und bin daher wieder in die altbekannte Gegend gefahren, um schließlich doch noch ins „Foundling Museum“ zu gehen. Das Museum wurde 2004 eröffnet und erzählt nicht nur die Geschichte des ersten Londoner Waisenhauses, sondern widmet sich auch dem Maler William Hogarth (1697-1764) und dem Komponisten Georg Friedrich Händel (1685-1759). Warum? Ganz einfach; neben dem Philantrophen Thomas Coram (1668-1751), der über 17 Jahre durch die Londoner High Society getingelt ist, um Unterstützungsunterschriften für sein Vorhaben ein Waisenhaus zu eröffnen zu sammeln, haben sich sowohl Hogarth als auch Händel immer wieder um das Waisenhaus verdient gemacht.
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| Thomas Coram. Bevor er das Waisenhaus gründete, verdiente er als Schiffskapitän und Kaufmann seine Brötchen. Rechts: Th. Coram gemalt von W. Hogarth (1740). |
Das Gebäude des heutigen Museums wurde exakt an dem Platz errichtet, an dem sich das 1740 erbaute Waisenhaus befand. Zum Glück hatten Architekten vor dem Abriss des ursprünglichen Gebäudes 1926 genaue Ausmessungen vorgenommen und auch viele Objekte der originalen Einrichtungen sicher verwahrt, so dass das Museum 1938 detailgetreu nachgebaut werden konnte. Der „Court Room“ des Hospitals, der Raum, der für offizielle Anlässe genutzt wurde, kann daher heute wieder als Beispiel des „feinsten Rococostils“ (Homepage) besichtigt werden (und für private Festivitäten gemietet werden).
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| Foundling Museum |
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| Ballziehung. Im Hintergrund: Damen der High Society, die das Schauspiel beobachten. |
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| Links: Festsaal, Rechts: Papiere mit Stoffmuster (1758) |
Die letzte Archivwoche war dann leider nicht so ergiebig wie erhofft. Allerdings kann ich nun mit Sicherheit sagen, dass Mann und Frau einfach nicht viel finden kann, leider.



